Muss ich zu meinem Kinder immer Ja sagen?

Die meisten von euch wollen – wie wir ja auch – ihre Kinder bedürfnisorientiert erziehen. Im Sinne des Attachment Parenting also. Wir nehmen unsere Kinder ernst, wir bemühen uns ihnen eine stabile und gute Bindung zu uns zu ermöglichen, wir vertrauen ihnen und zeigen ihnen, dass sie auch uns vertrauen können.

Um dieses Vertrauen und diese Bindung aufzubauen, zeigen wir ihnen, dass wir sie ernst nehmen. Und zwar unter anderem dadurch, dass wir ihre Bedürfnisse wahrnehmen, ernst nehmen und erfüllen.

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Aber was heißt das eigentlich genau? Was ist eigentlich Bedürfnisorientierung?

Und heißt das, dass ich zu allem „Ja!“ sagen muss, was mein Kind möchte? Muss ich ihm jeden Wunsch erfüllen? Ich denke nicht. Ich denke, dass es einen Unterschied zwischen Wünschen und Bedürfnissen gibt. Hinter jedem Wunsch steht ein Bedürfnis und meine Aufgabe als Mutter ist es, heraus zu finden, was dieses Bedürfnis ist. Und dann gilt es das Bedürfnis zu erfüllen – nicht zwangsläufig auch den Wunsch.

Aber noch etwas anderes spielt eine Rolle – abgesehen von der dringend notwendigen Unterscheidung von Wunsch und Bedürfnis. Bedürfnisorientierung betrifft die ganze Familie. Es geht also nicht ausschließlich um die Bedürfnisse der Kinder, sondern auch um die der Eltern. Alle Familienmitglieder haben ein Recht darauf, dass es ihnen gut geht, alle Familienmitglieder haben ein Recht auf ihre eigene Integrität oder Unversehrtheit.

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Vom „Nein!“-Sagen und Grenzen-Setzen…

Und an dem Punkt kommt das „Nein!“ ins Spiel. Denn wir dürfen Grenzen setzen. Auch als Eltern, die nach dem Attachment Parenting Prinzip mit ihren Kindern zusammen leben. Wir dürfen nicht nur, wir müssen sogar Grenzen setzen. Und zwar unsere eigenen Grenzen.

Das Grenzen-Setzen und Nein-Sagen hat gleich zwei positive Auswirkungen: Einerseits passen wir auf unsere eigenen Kräfte auf und achten darauf, dass wir uns nicht verausgaben. Dass wir uns selbst nicht verlieren. Dass wir unsere Integrität wahren ohne die der anderen Familienmitglieder zu verletzen.

Andererseits leben wir unseren Kindern aber auch das Grenzen-Setzen und Nein-Sagen vor. Unsere Kinder ahmen uns nach, sie imitieren uns und lernen auf diese Weise. Sie lernen von uns also, dass es wichtig ist auch für sich selbst zu sorgen. Dass es OK ist, „Nein!“ zu sagen, wenn man etwas nicht möchte.

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Was unsere Kinder aus unserem „Nein!“ alles lernen

Wir alle möchten, dass unsere Kinder sich auch abgrenzen können. Dass sie nicht alles mit sich machen lassen. Und dass sie nicht alles mit machen. Aber das können sie nur von uns lernen. Indem wir es ihnen vorleben.

Es ist wichtig, dass wir zu unseren Kindern „Ja!“ sagen. Ja, du bist uns willkommen. Ja, wir sind froh, dass du bei uns bist. Ja, du bist gewollt, genauso wie du bist. Aber es ist genauso wichtig, dass wir auch „Nein!“ zu ihnen sagen – und damit „Ja!“ zu uns selbst. Damit auch sie „Ja!“ zu sich selbst sagen können – und zu anderen.

Wie seht ihr das?

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