Wie viel unsere Kinder im Alltag kooperieren

Die meisten von uns werden im Alltag wahrscheinlich oft ein relativ straffes Programm haben. Ich gehöre (nicht immer, aber meist) auch dazu. Wir haben viel zu tun – und unsere Kinder müssen irgendwie mit. Und oft ist das nicht besonders kindgerecht.

Wir verlangen unseren Kindern eine ganze Menge ab

Erst vor ein paar Tagen fiel mir das auch bei mir selbst wieder auf. Mir fiel auf, dass ich im Alltag viel zu wenig die Perspektive meiner Kinder einnehme und viel zu oft erwarte, dass sie einfach funktionieren. Dass sie meine Erwartungen erfüllen. Dass sie nicht meine Pläne durchkreuzen.

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Aber meine Pläne sind nicht die Pläne meiner Kinder. Und meine Prioritäten sind nicht ihre. Und das ist auch richtig so. Und es ist nicht so, dass meine Prioritäten zwangsläufig besser oder wichtiger sind als ihre.

Die kindliche Perspektive

Wenn meine Kinder morgens aufwachen, sind sie meist voller Vorfreude auf den kommenden Tag. Sie haben keinen Termindruck, keine übervolle To-Do-Liste und bewachen auch nicht mit Argus-Augen, wie sich Stunden- und Minuten-Zeiger auf der Uhr voranbewegen. Sie lassen den Tag einfach auf sich zukommen, sind neugierig auf das, was ich tun werde, wobei sie mir helfen dürfen. Und sie sind neugierig auf all ihre eigenen Ideen, die sie im Laufe des Tages haben werden.

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Sie haben unendlich Zeit. Und immer und immer wieder nehme ich ihnen diese. Wenn wir im Wald sind und ich sie dränge doch weiter zu gehen, weil wir doch jetzt schon eine Viertelstunde an dieser Pfütze spielen und wir (also eigentlich nur ich) doch noch weiter bis ins Moor gehen wollten. Wenn ich mir nicht die Zeit nehme eine ganze Stunde lang die Enten auf dem See zu beobachten. Wenn ich schon wieder zu viele Pläne für uns gemacht habe, anstatt sie einfach für sich spielen zu lassen.

Unsere Kinder leisten viel jeden Tag. Sehr viel

Und viel zu oft mache ich mir das gar nicht bewusst. Aber es ist eine große Leistung für sie mit mir einkaufen zu gehen, sich im Supermarkt zu orientieren, all die Reize dort zu verarbeiten und mit den (gut gemeinten) Kontaktangeboten wildfremder Menschen zurecht zu kommen. Es ist eine große Leistung gemeinsam mit uns Eltern U-Bahn und Zug zu fahren, an fremden Orten zu schlafen, damit umzugehen, dass wir so oft Besuch haben.

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Unsere Kinder kooperieren mehr mit uns als wir uns oft bewusst machen. Sie erfüllen unsere Erwartungen, um uns zu gefallen. Sie funktionieren, sie machen was wir verlangen. Obwohl sie viel lieber zu Hause bleiben und spielen würden, steigen sie mit uns in die überfüllte U-Bahn. Obwohl sie am liebsten bei uns zu Hause in unserem Bett schlafen, übernachten sie auch bei Oma ohne auch nur einen Mucks zu sagen. Für uns.

Mein Kompromiss

Deswegen bemühe ich mich um eine Art Kompromiss. Um meine Kinder nicht orientierungslos durch den Tag und all seine Aktivitäten zu zerren, gebe ich ihnen (fast) immer rechtzeitig bevor ein neuer Übergang ansteht einen Überblick. Denn Übergänge zwischen einzelnen Aktivitäten und „Programmpunkten“ im Tageslauf sind für kleine Kinder eine größere Herausforderung als wir uns oft bewusst machen.

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„Hört mal Zwerge, nach dem Frühstück ziehen wir uns an und gehen einkaufen. Wir brauchen nämlich noch Butter und Zucker, denn wir wollen doch heute Plätzchen backen.“ Unsere Kinder können sich auf diese Weise im Tagesverlauf orientieren und werden nicht willkürlich von einer Aktivität zur nächsten gezerrt.

Aber das allein ist noch nicht Bedürfnisorientierung…

… denn die Bedürfnisse unserer Kinder sind nicht nur Nähe, Schutz und Nahrung nach Bedarf – je älter unsere Kinder werden desto komplexer werden ihre Bedürfnisse. Und dann bleibt es nicht aus, dass sie dann und wann konträr zu unseren eigenen sind.

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Manchmal möchten sie nicht unterwegs sein, wenn wir das möchten. Manchmal wünschen sie sich mehr Zeit, wenn wir eigentlich noch schnell das eine oder andere erledigen wollen. Manchmal wünschen sie sich mehr Ruhe, wenn wir Ausflüge, Kurz-Trips oder Übernachtungsgäste auf unsere Familien-Agenda setzen.

Wie geht ihr mit diesem Spannungsverhältnis um?

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