Wenn man sich das leisten kann… – Vollzeit-Elternschaft als Luxus

Ich höre diesen Satz immer wieder: „Wenn man sich das leisten kann…“, „Das muss man sich aber auch leisten können!“, „Das kann sich doch heute keiner mehr leisten!“ So oder so ähnlich. Immer und immer wieder. Und ich kann es nicht mehr hören.

Es geht um Vollzeit-Eltern bzw. meist Vollzeit-Mamas

Und damit ja auch um uns, denn ich bin in Vollzeit zu Hause bei der Familie. Der Mann geht arbeiten. Ganz klassisch. Und wir können uns das ganz und gar nicht leisten. Wir WOLLEN uns das leisten. Und dafür sind wir bereit auf eine ganze Menge zu verzichten.

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Auf Urlaub, auf ein Auto, auf ein eigenes Haus, auf neue Kleidung. Wir leben bescheiden. Und das finden wir ziemlich gut. Und nein, wir MÜSSTEN das nicht. Denn wenn ich arbeiten gehen würde, dann könnten wir in den Urlaub fahren, wir würden neue Kleidung anstatt gebrauchter kaufen können, wir könnten uns ein Auto leisten und wir würden uns in spätestens zwei Jahren nach einem eigenen Haus im Grünen umsehen.

Wir möchten uns diesen Lebensstil leisten. Für unsere Kinder. Aber auch für uns selbst.

Schon bevor unser erstes Kind zur Welt kam, haben wir alle möglichen Optionen vor unserem geistigen Auge durchgespielt. Ein Jahr Elternzeit und dann Teilzeit (der Klassiker), zwei Jahre Elternzeit und dann Teilzeit. Oder eben Elternzeit open End. Vollzeit zu Hause bei den Kindern. Kein materieller Luxus, keine gesellschaftliche Anerkennung.

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Aber dafür Zeit. Und das ist das Wertvollste. Zeit für die Kinder, Zeit für die Familie, Zeit für die Ehe – denn diese Zeit kommt nicht zurück. Ich glaube, dass kaum jemand auf dem Sterbebett darüber nachgedacht hat, ob er nicht noch ein paar Stunden mehr im Büro hätte verbringen können oder noch ein paar tausend Euro mehr in irgendeinen Fond investiert hätte können. Aber ich denke sehr wohl, dass viele Menschen auf dem Sterbebett bereuen nicht mehr Zeit mit ihren Kindern und ihrer Familie verbracht zu haben.

Wir möchten nicht, dass andere unsere Kinder groß ziehen

Und spätestens jetzt werden sich einige von euch angegriffen fühlen: Mädels, wenn ihr arbeiten gehen wollt oder müsst oder was auch immer, dann tut es doch bitte. Ohne euch dafür zu rechtfertigen. Tut es einfach und macht das Beste daraus. Ihr werdet doch besser wissen, was richtig für eure Familien ist, als irgendjemand anderes.

Und falls ihr alleinerziehend seid oder in irgendeiner anderen Notlage und euch wirklich keine Wahl bleibt, dann fühlt euch nicht schlecht, weil ihr eure Kinder abgeben und arbeiten geben müsst. Ihr tut euer Bestes. Wirklich! Und eure Kinder wissen das und was alle anderen denken ist sowieso egal.

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Wir standen vor der Wahl: Kind oder Karriere, Kind und Karriere oder Kind und keine Karriere. Und wir haben unsere Wahl getroffen. Ganz frei. Ganz undogmatisch. Und ganz ohne Allgemeingültigkeitsanspruch. Weil wir die Wahl haben und weil wir unsere Kinder selbst groß ziehen möchten.

Ich wiederhole mich, aber es ist mir trotzdem wichtig

Eltern – und irgendwie ganz besonders Mütter – scheinen oft in einer Art Wettstreit zu sein. Wer macht es besser, wer trifft die besseren Entscheidungen, wer bekommt das Fleiß-Bienchen und wer muss nachsitzen. Und das finde ich furchtbar. Ich bin ganz sicher kein Verfechter relativistischer Werte, aber ich glaube, dass es in der Elternschaft keinen Leistungsdruck geben sollte.

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Wir haben unterschiedliche Lebensstile, unterschiedliche Familien und gehen unterschiedliche Wege. Uns müssen nicht alle Wege gefallen. Mir gefallen jedenfalls nicht alle Wege. Aber niemandem – wirklich niemandem – ist geholfen, wenn wir versuchen uns gegenseitig auszustechen. Lasst uns doch lieber schauen, wie wir uns gegenseitig unterstützen können.

Denn ganz egal wer sich was leisten kann oder möchte, eins brauchen wir alle: Unterstützung.

Wie seht ihr das?

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24 Comment

  1. Reply
    Sonnenshyn
    18. November 2016 at 09:23

    Hier ist es ebenfalls klassisch. Der Mann geht arbeiten und ich bin mit den Kindern Zuhause. Seit nun mehr zwei Jahren ist das so und ich bin damit (bis auf eine weitere Mutter) die Ausnahme in der Siedlung.
    Die einen MÜSSEN arbeiten gehen, die anderen WOLLEN arbeiten gehen. Und das ist für mich absolut ok. Auch andersrum. Ich verstehe mich mit den meisten Eltern prächtig und keiner macht dem anderen Vorwürfe. Das ist lächerlich. Wie du schreibst, jeder will und macht das Beste.

    Sonnige Grüße.

    1. Reply
      Ida
      23. November 2016 at 21:41

      Ich freue mich das zu lesen und ich hoffe, dass mehr und mehr Eltern so selbstbewusst mit ihren Entscheidungen werden!

  2. Reply
    Bianka
    18. November 2016 at 10:08

    Schön geschrieben! Von außen könnte man bei uns auch „Luxus“ vermuten… Denn nicht nur, dass ich jetzt schon drei Jahre zu Hause bin- wir haben ein eigenes Haus. Ein Auto. Eine eigene Praxis. Das mein Mann trotzdem nur so viel Geld herausbekommt wie als Therapeut in der Klinik kann kaum jemand glauben. Wir wohnen auf dem Dorf, da ist manches günstiger. Wir gehen nie aus, selten mal essen, neue Kleidung für uns gibt es auch kaum. Wir sind gekonnt im Haushalten, auch wenn es manchmal schwer ist. Aber wie du sagst: Weil wir es wollen! Jeder soll den Weg gehen, der für ihn am besten passt und mit dem er sich wohlfühlt.
    Ganz liebe Grüße
    Bianka

    1. Reply
      Ida
      23. November 2016 at 21:39

      Genau: Ich würde mir so wünschen, dass wir nicht ständig versuchen würden, irgendetwas besser zu machen als andere Eltern. Ich verstehe einfach nicht, warum es oft so einen Wettbewerb zwischen Eltern gibt…

  3. Reply
    Blogprinzessin
    18. November 2016 at 19:14

    Genau darüber habe ich auch schon gebloggt. Schau mal hier: http://blogprinzessin.de/2016/01/15/kindergartenfrei-das-muss-man-sich-leisten-koennen/

    1. Reply
      Ida
      24. November 2016 at 22:00

      Bitte entschuldige, ich habe deinen Kommentar nicht gesehen (er ist irgendwie im Spam-Ordner gelandet). Danke, für den Link! Ich baue ihn gleich in den Artikel ein.
      Liebe Grüße
      Ida

  4. Reply
    SASKIA
    24. November 2016 at 09:25

    ES GIBT EINEN WETTBEWERB ZWISCHEN DEN MÜTTERN, LIEBE IDA, WEIL FRAUEN WIE DU EIN OBERGLUCKENMAMA-IDEAL PROPAGIEREN, EIN VERMEINTLICHES BULLERBUE-LEBEN, EIN VOLLSTAENDIGES AUFGEHEN IN DER MAMAROLLE, EIN UNTERSCHWELLIGES VERUNGLIMPFEN VON KITABETREUUNG, DIE VERHERRLICHUNG DER KLASSISCHEN FAMILIENKONSTELLATION, …. OBERFLAECHLICH JEDER FAMILIE IHREN EIGENEN WEG ZUGESTEHT, DABEI ABER STETS DAS EIGENE FAMILIENLEBEN MIT DER HAEKELNDEN VOLLZEITMAMA AM HERD ALS DAS IDEAL VERKAUFT, EIN LEBEN, IN DEM DIE KINDER GLUECKSEELIGKEIT ERFAHREN …. DER POLITICAL CORRECTNESS WEGEN AUCH ARBEITENDEN MUETTERN ZUGESTEHT, IHREN KINDERN EINE GLUECKLICHE KINDHEIT ZU BEREITEN …. INSGEHEIM ABER DAVON UEBERZEUGT, DASS NUR IHR ALS 24/7 MAMA DAS KOENNT …. ES LIEST SICH DOCH AUS JEDER ZEILE, DASS DIE VERMEINTLICHE TOLERANZ LETZTLICH NUR EINE VERMEINTLICHE IST.

    DU UND DEINE DAHEIMGEBLIEBENEN AP-VOLLZEITMAMA-FREUNDINNEN, IHR HABT DOCH DIE GLÜCKLICHSTEN KINDER? HABE ICH RECHT?

    SASKIA

    1. Reply
      Ida
      24. November 2016 at 21:57

      Liebe Saskia,

      ich glaube, dass der Wettbewerb zwischen Eltern deswegen entsteht, weil viele Eltern nicht besonders selbstbewusst mit ihren Entscheidungen sind. Ich denke weder, dass berufstätige noch nicht-berufstätige Eltern besondere Schuld oder Verantwortung für diesen Wettbewerb tragen. Weder „Glucken“ noch „Rabenmütter“.
      Und ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass sich genau das ändert. Dass wir als Eltern selbstbewusster werden. Dass wir uns nicht rechtfertigen, weil wir lange stillen oder gar nicht stillen. Weil wir zu Hause bleiben oder berufstätig sind. Weil unsere Kinder in den Kindergarten gehen oder kindergartenfrei aufwachsen. Weil wir viele Kinder haben oder nur ein Kind haben möchten. Weil wir zu Hause gebären oder einen Wunschkaiserschnitt planen.

      Ich glaube einfach, dass dieser Wettbewerb total für die Katz ist. Er bringt wirklich keinen von uns weiter. Gar keinen. Es geht nicht darum besser zu sein als irgendjemand anderes. Es geht ganz im Gegenteil darum, sich gegenseitig zu unterstützen. Denn ohne Unterstützung ist es kaum möglich Eltern zu sein.

      Du kannst mir Heuchelei unterstellen. Und ich weiß nicht, ob ich dich vom Gegenteil überzeugen kann. Oder muss. Aber ich heuchele nicht. Ich meine das, was ich hier schreibe.

      Ich wünsche dir alles Gute.
      Ida

      1. Reply
        Supersansa
        27. November 2016 at 22:27

        Liebe Saskia,

        nachdem Du hier in Großbuchstaben rumschreist, gehe ich davon aus, dass Dich das Thema besonders umtreibt und, kommt mir der Gedanke, sehr verunsichert?
        Als sehr glückliche Vollzeitmutter lese ich aus Deinem Kommentar heraus, dass es Dich furchtbar aufregt, wenn Menschen in einer anderen als in Deiner Facon selig werden. Es wäre also für Dich besser, wenn ich und andere Vollzeitmütter arbeiten gingen wie Du und leben würden wie Du, damit Du Dich besser fühlst?
        Soll ich Dir im Umkehrschluss mit der Forderung kommen, dass Du doch bitte Deinen Job an den Nagel hängen sollst, damit ich mich nicht durch dich unangenehm unter Druck gesetzt fühle?
        Das ist doch lächerlich, so wird das doch nichts.
        Jede muss das leben, was sie vertreten kann und will. Du würdest Dich schön bedanken, wenn Dir andere Frauen vorschreiben wollten, wie Du leben sollst. Du willst Deine Werte leben. Genauso muss es doch für Dich eine Selbstverständlichkeit sein, andere ihren Weg gehen zu lassen, ohne darüber in Wut auszubrechen.

        Ida kann nicht mehr tun, als in ihrem Blog Toleranz für alle Wege zu zeigen. Wenn Du ihr nicht glaubst, dass sie das auch ehrlich meint, dann liegt das Problem bei Dir, nicht bei ihr.

        Mich erinnert das etwas an die lächerliche Adventskalenderbasteldebatte, die eben durch die Mamablogs ging. Wo einige Mütter sich tatsächlich darüber beschwerten, dass andere Mütter schöne Kalender bastelten, weil sie das unter Druck setzen würde, selbst zu basteln, obwohl sie das nicht wollen/können/whatever. Da muss ich echt sagen, unter uns Erwachsenen: bitte stehen wir doch zu dem, was wir glauben, und verlangen wir nicht von den anderen, sich an uns anzupassen, damit wir keine Ichstärke beweisen müssen und mal Druck aushalten müssen.
        Jede lebt ihr Leben.
        Jede tut, was sie mit ihrem Gewissen vereinbaren kann.
        Jede hat Bereiche, in denen sie nicht das Optimum liefern kann (ich hatte als Alleinerzieherin ein Kind sehr früh fremdbetreut, obwohl ich Fremdbetreuung für U3-Kinder eher für fragwürdig halte. Aber es war halt so. Es ging nicht anders, und da mussten wir alle durch.). Ist so.
        Und jede sollte stolz auf die eigene Leistung sein, die man bringen muss, um ein völlig hilfloses Neugeborenes großzuziehen, und jede sollte sich selbst zugestehen, auch mal Nein zu sagen und sich nicht dem Mainstream oder sehr sichtbaren, „lauten“, meinungsbildenden Gruppen anschließen zu müssen.

        Im Übrigen: Auch mit dem Marsch des Feminismus durch die Institutionen wird das eher nix, wenn Frauen sich nicht mal hinstellen und ihr Ding machen, ohne O Gottchen und o weh, was wird wohl der Chef/die Nachbarin/die Mutter auf Instagram, die ich eh nicht kenne, aber die mich mit ihren gebastelten Adventkalendern so provoziert, von mir denken? (Und bei uns geht’s ja um nicht viel, Basteln und Kinderbetreuung und so, aber lasst uns doch bitte nicht vergessen, dass in anderen Weltregionen Frauen sich gegenseitig einen gesellschaftlichen Druck aufbauen, der dazu führt, dass sie ihre Töchter beschneiden lassen, um nicht von den Nachbarinnen schief angeschaut zu werden.)

        Bitte, lasst uns doch mutig zu uns selbst stehen.
        Die Vollzeitmamas, scheint mir, schaffen das ganz gut, weil sie vielleicht eher Opposition oder zumindest hochgezogene Augenbrauen erlebt haben, als sie sich so außerhalb des 1-Jahr-Elternzeit-und-dann-wieder-Arbeiten-Mainstreams gestellt haben.

        Und nein Saskia, ich glaube nicht, dass die Kinder von Vollzeitmamas immer und prinzipielle eine glücklichere Kindheit haben als die von arbeitenden Mamas. Ich glaube, es kommt auf die Persönlichkeit der jeweiligen Mamas und Papas an, auf die (finanziellen) Umstände, auf die Natur des Kindes, auf alles mögliche.
        Ich glaube aber, dass meine Tochter eine glücklichere frühe Kindheit hat, wenn ich zu Hause bin, als wenn ich arbeiten ginge. Ich glaube, dass ihr der Stress nicht gut täte, den wir alle hätten, und ich weiß, dass die Kitas bei uns durch die Bank Personalmangel haben.
        Ich würde mir nie, nicht eine Sekunde, ein Urteil über die Kindheit Deines oder eines anderen Kindes anmaßen.
        Wir tun alle unser Bestes. Jede von uns. Lass uns das doch gegenseitig honorieren.

        Ich wünsche Dir alles Gute.
        Supersansa
        (damit kein falscher Eindruck aufkommt: als Mutter nicht besonders super, sondern eher ganz normal durchschnittlich)

        1. Reply
          Ida
          27. November 2016 at 22:42

          Danke!
          Genau diese Gedanken versuche ich immer in meinen Texten zu vermitteln. Leider gelingt mir das nicht immer…

  5. Reply
    Lottissima
    24. November 2016 at 23:25

    Ich lese deinen Blog überhaupt nicht als Angeberei in Sachen Mutterschaft. Und du hast recht, ich würde mich als selbstbewusste Mutter und Frau sehen und darum fühle ich mich auch nicht davon „angegriffen“ wie du dein Leben führst. Ja, du bist Vollzeitmama und viele Sachen sind dir sehr wichtig, mehr als mir. Aber ich finde die Art immer so nett wie du schreibst, Da sind manchmal Sachen wo ich denke „Ach ja, ist das wirklich so wichtig?“, aber das meine ich dann nicht ablehnend, weil du eben nicht so verkniffen schreibst und denkst – im Gegensatz zu dieser Saskia beispielsweise. Und diese Art von dir regt mich oft zum Nachdenken an, wirklich sehr oft.
    Ich persönlich bin auch Vollzeitmama, bin da aber eher so reingeschlittert. Ich wollte das nie sein, aber jetzt sehe ich da wirklich viele Vorteile. Trotzdem würde ich aber nicht sagen, dass Mutterschaft für mich die Megaberufung ist. (Mega-Karrierefrau bin ich aber auch nicht, ich habe nicht das Gefühl, dass mir meine Kinder da was verbaut hätten. ) Ich finde es generell schade, dass das Thema Kinder „so ein großes Ding“ geworden ist und ich frage mich manchmal, ob das auch dazu beiträgt, dass die Geburtenrate so niedrig ist. Ich würde manchmal gern ein Buch schreiben so nach dem Motto „Man muss gar nicht soviel machen, um gute Eltern zu sein“, Untertitel: „GUTE Eltern, nicht perfekte“. Ich zum Beispiel habe 3 Kinder, tue mich schwer mit organisieren/einkaufen, habe erst spät kochen gelernt, jetzt kann ichs ganz okay, ich bastle nie, stricken/häkeln/nähen kann ich gar nicht, Pädagogik/Erziehungsfragen interessieren mich (leider) auch nicht so, genauso wenig wie das meiste zu den Themen Gesundheit und Ernährung. Und ich finde trotzdem, dass ich das ganz gut hinkriege mit meiner Familie. Also, ich glaube, man muss gar nicht so viel machen wie sich das manche vielleicht vorstellen…
    Inspirieren lasse ich mich aber trotzdem gerne! Mal ein Kochrezept hier, mal ein paar kluge Worte dort, darum lese ich gerne Mama-Blogs und auch besonders gerne diesen. Und wenn ich dann mal irgendwo lese, dass jemand eine Puppe näht, Adventskalender bastelt, einen Jahreszeitentisch aufbaut, ein 5-Gänge-Menü auftischt oder sein Kind 3 Jahre lang stillt, fühle ich mich davon nicht angegriffen. Der einzige „wunde Punkt“ bei mir ist, dass ich es „cooler“ fände zu sagen, dass ich arbeiten gehe. Vollzeitmama klingt halt etwas lahm. Aber na ja. Damit kann ich leben und ich muss ja auch nicht alles 100% super finden in meinem Leben. Ich freue mich auf die nächsten undogmatischen Beiträge von dir!

    1. Reply
      Ida
      25. November 2016 at 11:06

      Schreib doch mal so ein Buch, ich würde es sofort für dich rezensieren! 😉

      Ich freue mich, wenn ich dich zum Nachdenken anregen kann – und das ist auch mein einziges Ziel: Inspiration. Nicht Bevormundung. Oder Besserwisserei.

      Ich habe schon öfters von Lesern gehört, dass sie meinen Blog undogmatisch finden und auch darüber freue ich mich sehr, denn ich glaube, dass eine dogmatische Haltung in Familienfragen einfach an den Menschen vorbei geht. Ich möchte über niemanden urteilen und schon gar nicht jemanden VERurteilen – ich kenne ja die persönlichen Geschichten gar nicht, die zu der jeweiligen Entscheidung geführt haben.

      Aber ich nehme mir schon heraus meine Meinung und meine persönliche Haltung zu äußern. Ich habe nicht den Anspruch, dass jeder diese Meinung teilt und ich höre mir auch gern Widerspruch an. Aber meine Meinung sage ich trotzdem.

      Schön, dass du da bist!
      Ida

  6. Reply
    SASKIA
    25. November 2016 at 09:41

    … mich wundert nur, dass die 24/7 Mamas auf ihren Blogs beständig für sich reklamieren, wie sehr das Leben zuhause „das Beste“ für ihre (alle?) Kinder sei, wie sehr sie Kita-Betreuung skeptisch gegenüberstehen, stets und ständig beteuern, dass ihre Kinder ja nicht in die Betreuung gehen würden, wir machen es anders, wir machen es besser, wir bereuen nichts auf dem Totenbett (aber ihr womöglich schon), wir opfern einen Teil unserer finanziellen Sicherung (von Luxus und „Investmentfonds“ rede ich nicht, eher von Rentensicherheit für die Frau oder Vorsorge für die Ausbildung der Kinder!), und es macht uns als liebende Eltern nichts aus … und das eigene Konzept als glücksseliges Ideal hochhalten

    … während die arbeitenden Familienmütter auf ihren Blogs nicht in jedem zweiten Beitrag die Werbetrommel für sich und ihre Entscheidung rühren, wie wertvoll die Kita-Betreuung für die soziale Entwicklung ihrer Kinder sei, wie sehr die Kinder (vor allem Töchter) davon profitieren würden, eine unabhängige Mutter zu erleben, wie toll es ist, schon jetzt Geld für das Studium der Brut zurückzulegen, wie sehr ihr Konzept Friede-Freude-Bullerbü vermittle, wie sehr sie sich auf dem Totenbett freuen werden, während sich andere womöglich weniger freuen … und und und.

    Der „Konkurrenzkampf“ wird meiner Meinung nach durch genau diese unterschwellige Intoleranz angefacht. Ja,ich glaube dir, dass Du keine offensichtlichen Vorurteile gegenüber arbeitenden Familienmüttern hast (das würde sich für eine stets Toleranz vorleben wollende AP-Mama ja auch nicht geziemen) … aber der Unterton ist m.E. ein ganz anderer. Und nicht nur auf diesem Blog.

    Ich habe schlichtweg den Eindruck, dass auf den Vollzeit-Mama-Blogs zwischen den Zeilen kommuniziert wird:

    Jede Familie kann ihren eigen Weg gehen, ja. Aber unser Weg ist mit Abstand der Beste.

    1. Reply
      Ida
      25. November 2016 at 11:24

      Liebe Saskia,

      ich kann nur für mich schreiben, nicht für alle anderen Vollzeit-Mütter, denn die Entscheidung zu Hause zu bleiben ist ebenso individuell wie die Entscheidung arbeiten zu gehen.

      Was du in deinem ersten Absatz schilderst, ist einfach wie ich unsere Entscheidung für unser Familienmodell empfinde. Mir ist bewusst, dass das für andere irritierend sein kann. Aber muss ich denn deswegen schweigen? Ich erhebe in keinem meiner Texte einen Allgemeingültigkeitsanspruch (auch wenn du ihn da herauslesen möchtest) und selbst wenn ich das täte, wäre das einfach meine persönliche Meinung. Die ich öffentlich äußere. Und du hast eben eine andere. Und auch die kannst du öffentlich äußern. Zum Beispiel hier.

      Du hast Recht, ich stehe der Kita-Betreuung skeptisch gegenüber. Und das äußere ich. Viele andere sehen das anders. Und äußern das ebenso. Warum sollte ich meine Skepsis nicht äußern? Weil sie irritierend wirken kann? Ich greife niemanden mit meiner Kritik an, ich schreibe nur über das, was ich persönlich empfinde. Meine Texte richten sich nie gegen andere Personen. Und trotzdem fühlt sich immer mal wieder jemand von meiner Meinung angegriffen, obwohl ich betone, dass das nicht meine Absicht ist. Davon abgesehen schreibe ich meine Kita-Skepsis nicht nur aus Mutter-Sicht, sondern auch aus der Sicht als Erziehungswissenschaftlerin. Die selbst in der Kita gearbeitet hat. Das aber nur mal so nebenbei.

      Damit muss ich leben. Das gehört zum Bloggen dazu.

      Ich glaube, ich würde auf dem Totenbett bereuen, wenn ich weniger Zeit mit meinen Kindern verbringen würde. Das habe ich in meinem Artikel auch so geschrieben. Vielleicht geht es dir anders. Vielleicht geht es vielen anders. Das möchte ich weder dir noch anderen absprechen. Und ich finde es gut, dass du das äußerst. Es ist eben sehr verschieden, wie wir unser Leben und unsere Entscheidungen empfinden.

      In einem Punkt muss ich dich allerdings korrigieren: Ich schreibe nie von „wir“ und „ihr“ – ich schreibe nur von mir selbst. Ich ziehe keine Gräben zwischen berufstätigen und nicht-berufstätigen Müttern. In keinem meiner Texte.

      Du schreibst viel über finanzielle Unabhängigkeit und Absicherung – in diesem Punkt werden wir beide einfach ganz unterschiedliche Prioritäten setzen. Sind denn deine absolut? Ein bisschen hört es sich in deinem Kommentar nämlich so an, als ob deine Prioritäten besser wären als meine. Vielleicht ist das gar nicht so gemeint. Und selbst wenn: Dann ist das deine Meinung. Äußere sie. Stehe zu ihr. Diskutiere darüber, wenn du möchtest. Aber gestehe mir auch meine Meinung zu. Und ja, du hast Recht: Uns als Familie ist finanzielle Absicherung weniger wichtig als dir.

      Du unterstellst mir unterschwellige Intoleranz – dann habe ich eine Bitte an dich: Sag mir doch inwiefern ich meine Texte so verändern kann, dass meine Lesern genau dieses Gefühl nicht vermittelt wird. Was müsste ich anders machen?
      Andererseits habe ich umgekehrt auch bei dir das Gefühl, dass du (gar nicht so unterschwellig) intolerant gegenüber meinem Weg und dem Weg anderer AP-Vollzeit-Mütter bist. Vielleicht liege ich da falsch. Wie stehst du denn dazu?

      Ärgerst du dich vielleicht über meine Texte und die anderer AP-Vollzeit-Mütter-Blogger so sehr, weil du selbst intolerant gegenüber ihren Entscheidungen bist?

      Alles Liebe
      Ida

      1. Reply
        Supersansa
        27. November 2016 at 22:37

        Also Saskia, ich lese echt viele Mamablogs, aber dieses ideologische Herumgseiere ist mir echt noch nicht untergekommen. Vielleicht lese ich die falschen.
        Was ich in ALLEN Mamablogs lese, ist ein sehr reflektierter Umgang mit der jeweiligen Situation, der Schwierigkeit von Vereinbarkeit im Besonderen.
        Und natürlich ist für Leute, die Gesetze machen, die für krassen Stress in vielen Familien sorgen, superpraktisch, wenn sich die Mütter gegenseitig an die Gurgel gehen, statt sich gemeinsam politisch zusammenzufinden und mit langem Atem für tatsächliche Wahlfreiheit einsetzen. Ich erinnere mich an ein Interview mit einer sehr bekannten österreichischen Scheidungsanwältin (ich finde leider den Link nicht mehr), die sinngemäß auf die Frage antwortet, wie sie geschafft hat, ein Leben lang mit dem selben Mann verheiratet zu bleiben: Es war uns klar, dass 2x 40 Stundenjobs einen Stress verursachen, der dazu geeignet ist, die Ehepartner auseinanderzudividieren. Aber wir haben uns bewußt gemacht: das ist das kapitalistische System, das uns diese Schwiergkeiten schafft, das sind nicht mein Mann bzw. ich, und von diesem System lassen wir uns nicht auseinanderdividieren.
        Wir Mütter lassen uns beständig auseinanderdividieren. Divide et impera, das fällt um so leichter, je zerstrittener die zu beherrschende Gruppe ist.

        1. Reply
          Ida
          27. November 2016 at 22:44

          Ja, genau! Deswegen bitte ich in meinen Texten immer alle meine Leser darum, mit dem Wettkampf aufzuhören und sich stattdessen gegenseitig zu unterstützen. Auch wenn das manchmal schwer fällt.

  7. Reply
    Susanna
    25. November 2016 at 10:55

    Hallo ihr lieben Mütter alle, hier meldet sich mal eine Großmutter zu Wort. Ob ihr arbeiten geht weil ihr es müsst oder wollt, ob ihr zu Hause bleibt weil ihr es so wollt………………das spielt doch alles gar keine Rolle, wichtig ist , dass ihr zu eurer Entscheidung steht. Ich gebe Ida Recht, ich lese in ihren Zeilen keine Heuchelei, sondern Anteilnahme und es geht um Informationsaustausch. Auch ich war mal in der Situation und ich musste arbeiten. Diese Entscheidung war einfach gegeben, weil ich alleinerziehend war und später weil es ohne meinen Dazuverdienst nicht ging. Ich fühlte mich mit meiner Entscheidung nicht schlecht, auch wenn ich es schöner gefunden hätte, bei meinem Kind bleiben zu können. Ich glaube, es gibt keine Ideallösung für alle, jeder muss individuell entscheiden, wie geht es für die Kinder und mich am besten. Also seid friedlich miteinander und lernt miteinander und voneinander. Wettbewerb unter den Eltern war auch zu meiner Zeit üblich, aber da ging es immer um die Feststellung; mein Kind kann schon das oder mein Kind ist schon viel weiter als deines. Ich habe mich zu diesem Wettbewerb nie animiert gefühlt, denn ich für mich war es wichtig , dass mein Kind die Möglichkeit hatte , sich so zu entwickeln , wie es für mein Kind richtig war. So denke ich , sollte jeder an sein Lebensbild heran gehen auch in der Frage ; bleibe ich zu Hause oder nicht. Es ist schön, dass ihr die Möglichkeiten habt , euch zu entscheiden.
    Ich bin auf weitere Ausführungen zu diesem oder auch zu anderen Themen sehr gespannt, denn dieser Blog gefällt mir sehr , sehr gut. An alle Mitschreiberinnen, lasst uns friedlich miteinander umgehen und nicht auf die eine oder andere arrogant herab sehen, jedes Lebensmodell hat seine Berechtigung nur die Ausführenden können für ihre Entscheidungen stehen und das sollten sie können ohne getadelt zu werden.
    In diesem Sinne einen herzlichen Gruß Susanna

    1. Reply
      Ida
      25. November 2016 at 11:28

      Ja, das ist genau das, was ich meine: Wir sollten uns gegenseitig unterstützen. Auch wenn wir unterschiedlich sind. Auch wenn unsere Entscheidungen unterschiedlich sind. Auch wenn unsere Prioritäten unterschiedlich sind. Auch wenn wir manche Entscheidungen der anderen blöd finden.
      Wir brauchen nicht besser als die anderen zu sein. Und wir sind es auch nicht.
      Ich bin nicht besser als eine berufstätige Mutter. Aber ich gebe mein Bestes. Und das tut sie auch.

  8. Reply
    Nadine
    1. Dezember 2016 at 22:46

    Hallo liebe Ida,

    ich finde, den Text hast du schön geschrieben. Ich denke aber auch, dass man leicht etwas herauslesen kann, was eventuell gar nicht so gemeint ist. Aber das liegt wohl daran, dass wir alle unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben und danach beurteilen. Wir bloggen auch viel über das Thema und bekommen manchmal Gegenwind, nehmen das aber auch nicht übel. Prinzipiell muss das noch immer jede Familie für sich selbst entscheiden.

    Ganz liebe Grüße,
    Nadine

    1. Reply
      Ida
      2. Dezember 2016 at 23:43

      Liebe Nadine,

      das ist irgendwie immer die Krux – dass sich so schnell so viele Dinge in Texte hineinlesen lassen. So richtig lässt sich das wohl nicht vermeiden. Aber das Gute ist ja, dass sich das alles in den Kommentaren klären lässt.

      Liebe Grüße
      Ida

  9. Reply
    Jule
    28. Januar 2017 at 16:24

    Ganz ehrlich es ist auch ein bisschen eine Frage der Organisation.
    Wir gehen beide arbeiten ohne Betreuungsplatz. Mein Mann fängt sehr früh an zu arbeiten, damit ich nachmittags pünktlich los kann.
    Ich werde daher natürlich nie groß was reißen und über 450 Euro kommen… ABER: erstens sparen wir Kosten für die Kita und zweitens reicht uns dann nur ein Auto (gar kein Auto wäre keine Option wegen Wohnlage). Außerdem zahle ich keine Steuern, was ja auch einiges wäre, da mein Mann in der besseren Steuerklasse ist.
    Ich glaube wenn man das alles abzieht bei dem klassischen Modell (einer arbeitet Vollzeit und der andere in Teilzeit) wird unter dem Strich auch nicht mehr dabei rumkommen als das was ich dazu verdiene. Und das alles ohne viel Stress oder das Gefühl ich verpasse zu viel von meinem Kind.
    Weil wenn ich einen kitaplatz hätte müsste ich ja mehr Stunden arbeiten, damit sich der teure Platz lohnt 😉

    Liebe Grüße Jule

    1. Reply
      Ida
      29. Januar 2017 at 15:37

      Ich finde deine Argumente richtig und trotzdem macht es mich traurig, wie selbstverständlich wir in diesen Fragen wirtschaftlich argumentieren. Versteh mich bitte nicht falsch, ich möchte dir überhaupt nicht unterstellen, dass das deine Hauptbeweggründe sind. Ganz und gar nicht. Aber unsere Gesellschaft ist irgendwie so eingestellt, dass es ganz automatisch passiert.
      Das ist so schade!

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