Warum Schwächen auch Stärken sein können

Wutschnaubend standen wir vor einander – eins meiner Kinder und ich. Und nur wenig später hörte ich mich zu meiner Mutter sagen: “Es ist wirklich oft nicht leicht, dass wir uns so ähnlich sind.” Und das ist es auch nicht. Unsere Kinder halten uns einen Spiegel vor. Am allermeisten diejenigen, die uns am ähnlichsten sind.

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Sie konfrontieren uns mit unseren Stärken, aber eben auch mit unseren Schwächen.

Aber was sind eigentlich Schwächen?

Sind sie ein Mangel an uns, ein Makel, den wir schleunigst beheben sollten? Oder haben auch unsere Schwächen ihre zwei Seiten und können möglicherweise in Stärken verwandelt werden?

Ich betrachte dieses Kind, das mir so ähnlich ist, oft mit Staunen. Ich bewundere Willensstärke, Durchhaltevermögen und Energie dieses Kindes. Gleichzeitig treiben mich Sturheit, Hitzköpfigkeit und Unbeugsamkeit in den Wahnsinn.

Zwei Seiten einer Medaille

Denn im Grunde sind Willensstärke und Sturheit, Energie und Hitzköpfigkeit, Durchhaltevermögen und Unbeugsamkeit sich ja doch recht ähnlich. Mein Kind ist großartig, trotz seiner Schwächen – so wie alle anderen Kinder auch.

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Und ich möchte, dass es weiß, dass es auch mit seinen Schwächen ein ganz wunderbarer Mensch ist. Denn ich erinnere mich daran, wie schwer es mir selbst gefallen ist (und immer noch fällt!) meine eigenen Schwächen mit einem freundlichen Blick zu betrachten.

Auch ich war mal ein kleiner Wutzwerg

Ein kleiner Wutzwerg, der mit seiner Dickköpfigkeit so manchen Erwachsenen zum Heulen brachte. Eben kein liebes Mädchen, die doch alle immer so gern haben. Die sanftmütig sind und nicht mit Spielzeug werfen oder Erzieherinnen hauen. Die niedliche Kleidchen und Schühchen tragen statt grasfleckiger Kleidung und modderigen Schuhen.

Die süße Zöpfchen haben und keine zerzausten Haare. Die mit Barbies und Plastikpferdchen spielen, anstatt im Kuhstall oder auf der Schafweide, am Bach, auf Bäumen, im Wald und überall sonst wo es dreckig ist.

Die freundlich sind und höflich

Und nicht böse schauen und starrsinnig schweigen, wenn sie jemanden nicht mögen.

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Als Erwachsene – und Pädagogin – kann ich heute sehen, dass so ein schwieriges Verhalten durchaus nicht defizitär ist, sondern sehr wohl eine ganze Menge Ressourcen birgt. Wir könnten vielleicht von Roh-Diamanten sprechen, die einfach noch ein bisschen geschliffen werden müssen.

Aber nicht mit Gewalt

Nicht mit Druck, Zwang oder Erpressung. Nein. Ganz langsam. Mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen. Und unter einem freundlichen und ermutigenden Blick. Ein Blick, der in Sturheit Willensstärke erkennen kann. Und Durchhaltevermögen. Ein Blick, der in Wutanfällen, Gerechtigkeitssinn und Idealismus erahnt.

Und so möchte ich meinen Kindern begegnen. Ich möchte in ihren Schwächen verborgene Stärken erahnen. Und diese dann leise heraus kitzeln.

 

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4 Comment

  1. Reply
    Nina Luzia Tara
    14. März 2018 at 22:43

    Oh Ja! Als Mutter von sechs Kindern lerne ich so viel von ihnen, besonders aber über mich selbst.

    1. Reply
      Anna
      14. März 2018 at 23:12

      Ja – meine Kinder sind meine größten Lehrmeister!

  2. Reply
    Sarah
    14. März 2018 at 22:50

    Oh ja!!! Wie schön!! Ich habe auch so ein Kind 😊

    1. Reply
      Anna
      14. März 2018 at 23:13

      Verrückt, oder?

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