Warum ich meine Kinder gern trage

In den Großstädten unseres Landes ist es mittlerweile ein ganz gewöhnlicher Anblick, in vielen Kleinstädten fällt man nach wie vor auf, auf dem Land ist man zum Teil noch ein echter Sonderling: Die Rede ist vom Tragen. Von Eltern also, die ihre Kinder im Tragetuch oder einer Tragehilfe vor dem Bauch, auf dem Rücken oder auf der Hüfte tragen.

Ich gehöre auch dazu.

Und für mich ist das gar keine ungewöhnliche Entscheidung, denn ich bin so aufgewachsen. Für meine Umwelt sieht das zum Teil anders aus – und ich bekomme viele Anfragen. Ob das denn nicht schlecht für den Rücken sei. Ob das denn nicht unbequem sei. Ob das Kind denn genug Luft bekomme. Ob das Kind sich denn genug bewegen könne. Ob das Kind denn so jemals alleine laufen werde.

Viele von euch kennen das ja sicher.

Als Kind1 noch kleiner war und von mir getragen wurde, fiel es mir oft schwer mit diesen immer gleichen Fragen und Vorbehalten umzugehen. Mit Kind2 ist es jetzt deutlich einfacher.

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 Dürfen es ein paar Fakten mehr sein?

Nein, Tragen ist nicht schädlich für den Rücken. Ganz im Gegenteil. Außerdem ist es gut für die kindliche Hüftentwicklung und für den Gleichgewichtssinn, das Körpergefühl – von Bindungsaspekten möchte ich gar nicht anfangen…

Nein, unbequem ist Tragen auch nicht. Zumindest nicht, wenn das Tragetuch oder die Tragehilfe Träger und Tragling gut passt und richtig eingestellt ist.

Ja, ein getragenes Kind bekommt genug Luft. Das Tuch lässt ja das Gesicht frei.

Ja, ein getragenes Kind kann sich genug bewegen. Im Tragetuch selbst ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. In den ersten Wochen ist das ganz gut, da Neugeborene mit der für sie noch ungewohnten Bewegungsfreiheit noch gar nicht so gut zurecht kommen. Je größer und mobiler ein Kind wird, desto weniger Zeit wird es ohnehin im Tragetuch verbringen. Kinder können gut anzeigen, wenn sie aus dem Tragetuch herausgenommen werden möchten. Und die Zeit ausßerhalb des Tragetuchs nutzen sie ausgiebig zur Bewegung.

Ja, getragene Kinder laufen selbständig – sobald sie das können. Kind1 ist ein sehr bewegungsfreudiges Kind, das für sein Alter bereits weite Strecken ohne Murren und mit viel Enthusiasmus zurücklegt. Und dass obwohl es im ersten Lebensjahr ausschließlich getragen wurde.

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Was steht eigentlich hinter den Vorbehalten?

Ich glaube, dass viele Vorbehalte gegen das Tragen nach wie vor aus einer ganz bestimmten Haltung gegenüber Kindern rühren: Oft meint man nach wie vor ihnen mit einer gewissen Härte begegnen zu müssen, damit sie nicht verwöhnt werden und dem Leben gewachsen sind.

Leider verkennt man dabei aber, dass Kinder das lernen, was wir ihnen vorleben. Wenn wir liebevoll und rücksichtsvoll mit ihnen umgehen, dann lernen sie genau dieses Verhalten von uns. Und behandeln andere ebenso. Und das sollte doch eigentlich unser Ziel sein, oder?

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Was Tragen und Erziehung miteinander zu tun hat?

Oh, eine ganze Menge würde ich meinen! Tragen ist Teil der Erziehung. Durch das Tragen schaffen wir eine ganz besondere Bindung zu unserem Kind, mit dem wir es stärken und ihm eine gute und gesunde Entwicklung ermöglichen. Das allein reicht natürlich nicht aus und ist auch keine Garantie. Und so eine Bindung kann selbstverständlich auch ohne Tragen entstehen. Das Tragen begünstigt und unterstützt sie aber ungemein.

 

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2 Comment

  1. Reply
    Corinne Büchler
    22. Dezember 2016 at 21:13

    Hallo Ida
    Für mich hat das Tragen auch noch weitere, sehr praktische Aspekte: gerade in der Stadt, beim benutzen vom ÖV ist das Tragen doch viel praktischer als einen sperrigen Kinderwagen zu schieben. Und unsere Kleine ist deutlicher ruhiger, da sie sich sicherer fühlt als im Kinderwagen. Und es ist einfach nur schön! Diesen kleinen, warmen Körper so nah bei sich zu spüren!

    Liebe Grüsse und eine friedliche und besinnliche Weihnachtszeit

    Corinne

    1. Reply
      Ida
      25. Dezember 2016 at 23:48

      Euch auch frohe Weihnachten!

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