Warum ein Wunschkaiserschnitt nicht „feige“ ist

* Triggerwarnung: Ich schreibe über Geburten. Texte über Geburten können leider immer triggern…*

 

Kürzlich stolperte ich über eine Diskussion zum Thema Kaiserschnitt auf Facebook und stieß auf den wütenden Kommentar einer Mutter, die „Wunschkaiserschnitt-Mütter“ feige nannte. Feige. Das traf mich irgendwie. Und das obwohl meine bisherigen Geburten ganz natürlich und ohne Eingriffe stattfinden konnten.

Warum mich das traurig machte?

Einerseits fand ich den Ton der Diskussion ziemlich harsch und unangemessen. Und andere Menschen zu verurteilen finde ich generell blöd. Was mich aber am allermeisten beschäftigte, war die Tatsache, dass ich die persönliche Geschichte von „Wunschkaiserschnitt-Müttern“ gar nicht kenne. Und ich denke, dass genau das notwendig ist, um sich ein Urteil zu bilden.

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Ich kenne den Grund nicht, warum sich eine Frau für einen Wunschkaiserschnitt entscheidet. Vielleicht hat sie schon traumatische Geburtserfahrungen sammeln müssen? Vielleicht hat sie Gewalt erleben müssen? Vielleicht geht es ihr seelisch nicht gut?

Kann es nicht auch legitime Gründe für einen Wunschkaiserschnitt geben?

Ich denke ja. Ich denke, dass manchmal ein geplanter Kaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit die verantwortungsvollste Entscheidung sein kann. Aufgrund der persönlichen Geschichte der Schwangeren. Und ich denke, dass sie ein Recht auf diese Entscheidung hat – auch wenn ich selbst immer für eine natürliche Geburt plädieren würde.

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Und ich helfe wirklich niemandem weiter, indem ich ihn verurteile. Ein behutsames Gespräch über die Beweggründe, Verständnis und Ermutigung werden eine besorgte Schwangere wahrscheinlich eher dazu bewegen es doch mit einer natürlichen Geburt zu versuchen.

Denn natürlich ist eine natürliche Geburt – wenn denn irgend möglich – erstrebenswert

Ich glaube, es ist überflüssig an dieser Stelle die Vorteile einer natürlichen Geburt und die Nachteile eines Kaiserschnitts aufzuzählen. Die meisten von uns werden sich mit diesem Thema bereits beschäftigt haben. Darum geht es mir auch gar nicht. Mir geht es darum, dass es auch bei diesem Thema ist, wie immer im Leben: Ich kann andere überzeugen, in dem ich sie begeistere und ermutige. Nicht indem ich sie abkanzle.

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Und die Entscheidungen anderer müssen mir nicht gefallen und das muss ich auch gar nicht vorgaukeln. Aber ich sollte sie respektieren. Auch wenn mir das schwer fällt.

Wie denkst du über das Thema?

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2 Comment

  1. Reply
    Supersansa
    15. Dezember 2016 at 20:36

    Ja und amen.

    Sollte man dazu neigen, die Geburtsmethoden anderer Menschen zu be- und verurteilen, kann man sich ja folgenden Selbsttest überlegen: man stelle sich die Frage: „Würde ich mich auch berufen fühlen, eine Entscheidung meines Gegenübers zu einer Blinddarmoperation zu be- oder verurteilen?“.
    Die Antwort wird wohl in den meisten Fällen ein lautes, schallendes „NEIN!“ sein. Komischerweise gilt eine Entscheidung in vielen medizinischen Bereichen als privat und persönlich, aber im Bereich der Geburt (und recht viel privater und persönlicher geht es nimmer!) fühlt sich die halbe Welt berufen, sich zu diesbezügliche zu äußern – oft negativ, manchmal abwertend, gelegentlich verletzend.
    Warum glauben manche, es steht ihnen zu, hier auch nur den Mund aufzumachen?
    Ich versteh’s nicht.

    1. Reply
      Ida
      15. Dezember 2016 at 22:12

      Ich glaube, dass der ganze Bereich der Elternschaft irgendwie so ein Thema ist, das aus welchem Grund auch immer aus dem Bereich des Privaten herausgezerrt und zum Politikum erklärt wird. Das finde ich furchtbar schade. Denn dadurch entsteht dieser schreckliche Wettstreit zwischen Eltern, den ich immer wieder beklage…

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