Waldorfpädagogik – auch für unsere Kinder? Für und Wider

[Eine Anmerkung vorweg:

Dieser Artikel ist schon etwas älter. Unsere Haltung hat sich zwar nicht merklich geändert, dennoch ziehen wir mittlerweile Waldorf-Einrichtungen für unsere Kinder in Betracht. Warum? Darüber erzähle ich euch bald eine ganze Menge in einer neuen Artikel-Serie…]

Spätestens seit dem „PISA-Schock“ im Jahr 2001 interessieren sich viele Eltern für Privatschulen und -kindergärten und alternative Bildungskonzepte. Einer der bekanntesten dieser Ansätze ist die Waldorfpädagogik. Eltern (und Kindern) gefällt die vielfältige und ganzheitliche Förderung in Waldorfeinrichtungen, die starke musische und künstlerische Ausrichtung, die Naturverbundenheit und natürlichen Spielmaterialien.

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Waldorfpädagogik steht für eine ganz unkonventionelle pädagogische Herangehensweise

Das Lernen ohne Leistungsdruck in der Schule, das Erlernen vielfältiger Ausdrucksmöglichkeiten durch Kunst, Handwerk und Musik, die ökologische Grundhaltung und die Vermittlung von idealistischen Werten werden immer wieder lobend erwähnt.

Die Waldorfpädagogik erscheint vielen Familien aus diesen Gründen als großartige Alternative zu konventionellen Kindergärten und Schulen – und das ist sie für einige Familien sicher auch. Auch wir fühlen uns durch die oben erwähnten Punkte angesprochen und bedauern, dass sie in den meisten konventionellen Einrichtungen deutlich kürzer kommen als in der Waldorfpädagogik.

In Waldorfeinrichtungen werden unsere Kinder deswegen aber nicht gehen.

Warum?

Die Waldorfpädagogik wurde von Rudolf Steiner entwickelt, der auch Begründer der Anthroposophie ist – einer esoterisch-okkultistischen Weltanschauung mit christlichem Anstrich. Bis heute hat sich die Waldorfpädagogik von der Anthroposophie weder distanziert noch emanzipiert. Auch wenn heute nicht mehr jeder Waldorfpädagoge Anthroposoph ist, spielt Steiners Weltanschauung und seine doch recht eigene Interpretation des Christentums nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Rolle in den meisten Waldorfeinrichtungen.

Steiner begründete mit seiner Anthroposophie eine „Menschenkunde“, die er auch als eine Art Entwicklungspsychologie verstand und die bis heute – ungeachtet aller neueren entwicklungs- und lernpsychologischen Erkenntnisse – die Grundlage der Waldorfpädagogik ist. Ausgehend von dieser Theorie steht nicht das Kind selbst im Mittelpunkt, sondern Steiners Ideologie, anhand derer das Kind interpretiert wird – nicht umgekehrt!

Die Waldorfpädagogik ist mit dieser Haltung eher ideologisch verbrämt als kindorientiert.

Die ideologische Ausrichtung und mangelnde Kindorientierung einerseits, sowie der esoterisch-okkultistische Hintergrund und die fragwürdige Etikettierung der Anthroposophie als christlicher Weltanschauung sprechen für uns eindeutig gegen den Besuch von Waldorfeinrichtungen – trotz der ausgezeichneten musisch-künstlerischen Förderung.

Was für uns dagegen für Waldorfeinrichtungen spricht, lest ihr hier.

Wie denkt ihr über Waldorfpädagogik? Was sind eure Erfahrungen?

 

 

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0 Comment

  1. Reply
    lenimo
    2. Juni 2016 at 12:33

    Sehr gut zusammengefasst – exakt aus den gleichen Gründen wird unser Kind keine Waldorf-Einrichtungen besuchen, auch wenn es viele positive Seiten gibt.

    Das Verharren in Ideologien und dogmatisches Denken lehne ich generell ab, denn kein wissenschaftlicher Ansatz ist jemals perfekt und an seinem Ende angekommen. Ideen, Methoden, Einstellungen müssen immer wieder hinterfragt, überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Das möchte ich auch meinem Kind lehren bzw. es selbst erfahren lassen.

    Welcher (Schul-)Weg es letzlich sein wird, das steht noch sehr offen. Staatliche Regelschulen verursachen mir oft genug auch Bauchschmerzen 🙁

    Liebe Grüße
    Martina

    1. Reply
      livingacatholicfairytale
      2. Juni 2016 at 12:36

      Die Entscheidung, welche Schulform für die Kinder die beste ist, ist wirklich schwer.
      Leider sind in Deutschland schulfreie Alternativen ja nicht legal – ganz im Gegensatz zu vielen unserer Nachbarländer.

  2. Reply
    Lena
    23. Juni 2016 at 18:09

    Wie schade, dass die Waldorfpädagogik in diesem Artikel so falsch verstanden wurde.
    Grundlage der Waldorfpädagogik ist die Individualität des Kindes und der individuelle Entwicklungsweg des Kindes. Wer das nicht versteht, hat es nicht verstanden.
    Schade! In der Waldorfpädagogik steckt so viel wertvolles, welches so aktuell und wichtig ist in der heutigen Zeit. Durch solche Berichte wird ein Scheuklappendenken unterstützt und verbreitet, welches nur den Kindern schadet.
    Sicher gibt es Menschen, die Waldorfpädagogik und die Anthroposophie falsch verstehen und benutzen, um ihre eigene Starrheit damit zu begründen. Aber das kann man nur unterscheiden, wenn man sich damit auseinander setzt – wie so oft im Leben, oder?
    Ich bin nicht davon überzeugt dass es richtig ist, solche Artikel zu veröffentlichen wenn man demThema so wenig Verständnis und Interesse entgegen bringen kann. Andere zu verurteilen und abzulehnen, weil man sie nicht versteht, ist auf jeden Fall der falsche Weg!

    1. Reply
      Ida
      23. Juni 2016 at 18:33

      Danke für deinen kritischen Kommentar!
      Inwiefern habe ich die Waldorfpädagogik falsch verstanden?

      Ich habe selbst persönliche Erfahrungen in der Waldorfpädagogik sammeln dürfen – die weder ausschließlich negativ, noch ausschließlich positiv waren. Dass es um die Individualität des Kindes geht würde ich aus diesem Grund nur bedingt unterschreiben. Die Individualität wird sicherlich gefördert und respektiert – aber eben nur im Rahmen bestimmter Grenzen. Grenzen, die durch die pädagogische Philosophie, die hinter der Waldorfpädagogik steht. vorgegeben werden.

      Was ich damit meine? Ich erinnere mich an eine Situation, die einige 11-Klässler einer renommierten Waldorfschule betraf. Wie du sicher weißt, ist es üblich in der 12. Klasse im Plastizier-Unterricht (dem Kunstunterricht, der sich mit Ton beschäftigt) Köpfe zu plastizieren. Die erwähnten 11-Klässler mochten nicht noch ein Jahr warten und baten ihre Lehrerin schon in der 11. Klasse Köpfe plastizieren zu dürfen. Die Antwort war: „Das geht nicht. Ihre Seele ist noch nicht so weit.“

      Für mich spricht das deutlich dafür, dass eben nicht die Bedürfnisse, Interessen und die Individualität der Kinder bzw. Jugendlichen im Vordergrund stand, sondern die anthroposophische Entwicklungspsychologie.

      Welche Form von Scheuklappendenken unterstütze ich mit meinem Artikel? Ich mache deutlich, dass ich vieles für wertvoll erachte in der Waldorfpädagogik. Ganz besonders die kreativen Fächer in der Schule, der weitgehende Verzicht auf Schulnoten (zumindest bis zur Oberstufe) und die Ganzheitlichkeit finde ich großartig. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht andere Aspekte sehr kritisch sehen kann.

      Welche Starrheit unterstellst du mir genau? Und inwiefern verstehe ich Anthroposophie und Waldorfpädagogik falsch? Es ist nicht so, dass jeder, der sich mit Anthroposophie auseinander setzt, sie entweder falsch versteht oder Anthroposoph wird. Man kann sich auch damit auseinandersetzen und trotzdem kritisch bleiben.

      Und verstehe ich das richtig, dass du mir unterstellst, ich hätte mich nicht mit der Waldorfpädagogik auseinander gesetzt? Mit Verlaub, das kannst du nicht beurteilen. Denn ich habe mich sogar intensivst damit beschäftigt. Und darüber hinaus langjährige persönliche Erfahrungen sammeln dürfen.

      Woraus schließt du, dass ich dem Thema wenig Interesse und Verständnis entgegen bringe? Ich verurteile und lehne im Übrigen niemanden ab. In unserem Land herrscht Meinungs- und Religionsfreiheit, die ich sehr schätze. Aber die Waldorfpädagogik und die Anthroposophie beweisen gerade dann Stärke, wenn sie Kritik aushalten können. Und nicht sofort mit der Behauptung aufwarten, man hätte ja kein Interesse, Verständnis und hätte sich gar nicht damit auseinandergesetzt.

      Ich freue mich sehr, wenn du weiter diskutieren möchtest.

  3. […] kontroverser Artikel über die „Waldorfpädagogik“ hat euch in diesem Monat sehr beschäftigt. Um das hier noch einmal klar zu stellen: Es gibt viele […]

  4. Reply
    ErbstückLiebe
    9. Juli 2016 at 18:40

    Ich hatte das Glück auf eine sehr liberale Waldorschule besucht zu haben. Es ist ein toller Ansatz der so viele Möglichkeiten bietet Kindern viel mit auf den Weg zu geben. Steiner war zu seiner Zeit einfach ein genialer Mann und ich bin mir sicher, dass er sehr betrübt wäre zu sehen, dass sein Denken nicht (oder fast nicht) weiter entwickelt worden ist.
    Wie wahrscheinlich viele, habe ich einiges aus der Waldorfpädagogik übernommen, mir jedoch erlaubt es neu zu interpretieren. Gerade durch meine eigenen Erfahrungen denke ich, dass nicht für jeden dieses Konzept, das sich auf Steiner begründet, passt. Dennoch würde ich jedem der sich damit auseinandersetzt raten, sich eine nahegelegene EInrichtung anzusehen (es scheint hier doch sehr imense Unterschiede zu geben).

    1. Reply
      Ida
      9. Juli 2016 at 21:04

      Waldorf-Einrichtungen sind wirklich sehr verschieden – ich denke dass du Recht hast und es am besten ist, jede individuell zu beurteilen.
      Waldorf kann eben sehr unterschiedlich verstanden und interpretiert werden.

  5. […] verschiedenen pädagogischen Ansätzen beschäftigt, unter anderem Montessori und Waldorf. Über unsere Haltung zur Waldorfpädagogik habe ich ja schon einmal einen Artikel geschrieben. Wenn du diesen Artikel kennst, wird es dich […]

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