Vereinbarkeit – Muss ich denn alles auf einmal wollen?

Allerorten wird über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie debattiert und gestritten. Auch ich habe mich an dieser Debatte bereits beteiligt. Wir sind es in unserer Generation gewöhnt, alles haben zu wollen – und auch alles zu bekommen. Wir haben kein Problem damit, Dinge für uns einzufordern und fühlen uns ungerecht behandelt, wenn wir sie nicht bekommen.

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Aber muss ich denn wirklich alles auf einmal wollen?

Muss ich mich denn zwangsläufig um meine berufliche Zukunft sorgen und mich ungerecht behandelt fühlen, weil mein Mann jeden morgen mit der Aktentasche das Haus verlässt, während ich mit den Kindern, dem Wäscheberg und dem üblichen Chaos zu Hause bleibe?

Was ist denn wenn ich das nicht tue? Was ist denn, wenn ich diese Lebenssituation freudig und dankbar annehme, wie sie eben ist, und einfach froh bin, dass alles ist wie es ist? Auch mit furchtbar wenig Geld?

Unser Entscheidungsweg – der Ausstieg aus einem Gedankenkarussel

Wir haben uns als Familie ganz bewusst gegen die Vereinbarkeit entschieden. Als Kind1 unterwegs war, löste diese Frage noch ein wildes Gedankenkarussel in uns aus. Wie können wir es schaffen, allem gerecht zu werden: Uns als Ehepaar? Uns als Familie? Vor allem aber unseren Kindern? Und dem Haushalt? Den Freunden? Hobbies, Freizeit, Interessen? Dem ganzen Leben?

Schaffen wir es, unser Leben so durch zu organisieren, dass wir alles unter einen Hut bekommen?

Doch irgendwann gelangten wir an den Punkt, wo wir uns keine Sorgen mehr machten. Wir begannen darauf zu vertrauen, dass wir ja nicht allein sind in diesem Leben. Da ist jemand, der für uns sorgt und der möchte, dass wir Familie sind. Er hat uns ein (bzw. mittlerweile zwei) wunderbare Geschenke gemacht: Unsere Kinder.

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Was heißt es eigentlich, Eltern zu sein?

Und unsere Aufgabe ist es, diese Kinder zu begleiten und ihnen zur Seite zu stehen und ihnen dabei zu helfen, die Menschen zu werden, als die sie geschaffen sind. Das ist eine große Aufgabe. Für uns war sie zu groß, um sie neben hundert anderen Aufgaben noch irgendwie mit unter zu bringen.

Als Eltern geht es uns weniger darum, was wir gern alles haben würden, was wir gern alles tun würden – es geht uns insgesamt weniger um uns, sondern mehr um unsere Kinder. Und wir glauben, dass diese Kinder nicht einfach zufällig bei uns gelandet sind, sondern dass uns eine Aufgabe mitgegeben wurde, als sie zu uns kamen.

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Unser Leben ohne Vereinbarkeit

Wir haben uns bewusst für diesen Weg entschieden – für diesen Weg mit wenig Geld, ohne Luxus und mit viel Unverständnis von außen. Aber auch mit so vielen unendlich kostbaren Momenten und mit dem Wissen, etwas wirklich Sinnvolles zu tun: Unsere Zukunft prägen.

Versteht mich nicht falsch, ich verurteile keine Familie, die sich für ein wie auch immer geartetes Modell von Vereinbarkeit von Familie und Beruf entscheidet. Ich verurteile keine Familie, die aus welchen Gründen auch immer, ihre Kinder ungefragt in fremde Hände gibt. Ich möchte nicht über die Wege anderer Familien urteilen, das steht mir gar nicht zu.

Ich möchte nur dazu ermuntern, das Thema Vereinbarkeit aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Ich möchte dazu ermutigen, auch Wege abseits des gesellschaftlichen Konsens ins Auge zu fassen. Ich möchte dazu anregen, nicht vorschnell Entscheidungen zu treffen, die ja eben alle treffen und ich möchte Mut dazu machen, selbstbewusst Eltern zu sein. Denn Eltern sein ist eine Berufung.

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0 Comment

  1. Reply
    Ssuanna
    23. Juni 2016 at 08:46

    Ein sehr schöner und ermutigender Artikel. Ich bin Großmutter und empfinde das als ein sehr, sehr großes Geschenk.Also möchte ich als Großmutter zu diesem Gedanken etwas beitragen Auch als Großmutter kann man sich berufen fühlen. Meine Bemühung geht in die Richtung eine verständnisvolle und geduldige Großmutter zu sein. Nicht die Großmutter mit den größten Geschenken, sondern die Großmutter mit den schönen Einfällen im Gepäck. Kürzlich brachte ich meinen Enkeln blanko Bücher mit und wir gestalteten sie gemeinsam. Mit großem Eifer haben wir Tiere und Pflanzen gemalt und ich konnte mich an dem Gestaltungseifer meiner Enkel erfreuen. Es muss nicht immer teuer und das Neueste auf dem Spielzeug – Markt sein, sondern wenn wir Großeltern mit Zeit und Beobachtungsfreude erscheinen, haben die Enkel sehr viel davon, denn auch die Erinnerung zählt. Ich hoffe, es ist nicht zu stark am Thema vorbei, aber ich wollte einfach mal ein Großmutter bzw Großeltern Statement abgeben.

    1. Reply
      Ida
      23. Juni 2016 at 08:51

      Ich bin mir sicher, dass deine Enkel die Zeit sehr genossen haben!

  2. Reply
    steffiiscooking
    24. Juni 2016 at 13:50

    Toller Artikel – und auch für mich ermutigend. Denn gerade meine Umwelt lebt das, was ich mir nicht wünsche- Kinder in die Krippe- Eltern Vollzeit los und Wochenende gibt es riesen Unternehmungen.. zum Ausgleich vllt? Einige sagen, die Zeit mit ihren Kids sei dann viel intensiver, als in der Elternzeit davor. . Verstehen kann ich das nicht wirklich, aber dafür gehe ich ja auch einen anderen Weg. Ich höre dann gleichzeitig oft, ob ich mir sicher sei, wieder in den Beruf zu finden oder- ich Müsse ja auch mal wieder an mich denken und was alleine unternehmen (war nich mehrlich seit vihr Jahren alleine los- seit Geburt des 1.- für mich völig ok.), ich Müsse mal wieder was alkoholisches oder Kaffee trinken (stille die beiden kleinen ja noch, deshalb achte ich sehr auf gute Ernährung – und vermisse nichts dergleichen ) .. Für diese Entscheidung Vollzeit Mutter sein zu dürfen brauche ich wirklich Nerven aus Stahl- nicht wegen des Alltags, sondern wegen meiner Umwelt.. Erstaunlich finde ich dann immer, wie natürlich es für die anderen ist und wie eingebrannt es in den Köpfen ist, Familie und Beruf vereinbaren zu MÜSSEN. Jeder sollte seinen Weg gehen dürfen, ohne sich ständig rechtfertigen zu Müssen. Alles Kann, nichts Muss . 🙂

    1. Reply
      Ida
      24. Juni 2016 at 13:57

      Schön, dass ich dich ermutigen konnte! Die Entscheidung ganz für die Familie da sein zu WOLLEN scheint mittlerweile tatsächlich sehr exotisch zu sein – ich kenne diesen gewissen Rechtfertigungsdruck auch. Aber ich habe für mich beschlossen, dass es keinen Grund gibt sich für diese Entscheidung zu rechtfertigen.

  3. Reply
    Maria von OstSeeRäuberBande
    24. Juni 2016 at 22:07

    Hallo Ida,
    das hast du mir quasiaus der Seele geschrieben. Warum den Idealen anderer hinterherrennen und dabei eins der kostbarsten Geschenke im Leben übersehen: die intensive Zeit mit den Kindern. Obwohl weder ich noch meine Umwelt es kommen sehen haben, leben auch wir intensiv mit den Kindern aber dafür mit wenig Geld. Und ich bin so zufrieden, so „angekommen“ wie niemals vorher in meinem Erwachsenenleben.
    Leider hört dieses enge Zusammenleben dank Schulpflich für unsere Große und mich plus die Kleinen im Herbst auf. Wir haben keinen legalen Weg für uns gefunden. Vielleicht sind wir auch zu wenig mutig (zum auswandern) bzw. mein Mann ist dafür zu wenig von der Notwendigkei überzeugt. Er geht als klassischer Papa ja leider täglich arbeiten, genießt zwar die tollen Kinder aber führt es nicht unbedingt auf unseren Alltag zurück. Schreib doch einmal darüber, wenn ihr einen Weg aus der Schulpflicht gefunden habt.
    Viele Grüße,
    Maria von OstSeeRäuberBande

    1. Reply
      Ida
      25. Juni 2016 at 07:52

      Einen Weg, die Schulpflicht zu umgehen, haben wir auch (noch) nicht. Mal sehen was noch kommt. Ich wünsche euch alles Gute!

  4. Reply
    Maria
    27. Juni 2016 at 17:06

    Hallo Ida,
    ich bin ja so glücklich, dass ich vor ein paar Monaten deinen Blog gefunden habe! Du schreibst mir immer aus der Seele, sei es bzgl. des Glaubens, der Umwelt (wobei ich hier noch eher passiv bin und erst noch Know-how brauche) oder der vermeintlichen Notwendigkeit von Beruf und Familie. Ich will da gar nichts vereinbaren. Ich weiß zwar noch nicht, wie es wird, mit merkbar weniger Geld, aber wenn andere das schaffen, dann schaffen wir das auch. Mein Mann und ich, haben uns auch zu Beginn unser Beziehung sehr intensiv damit auseinander gesetzt, was Familie für uns bedeutet und wie wir das machen wollen. Glücklicherweise sind wir da gleich gepolt. Ich bin gespannt, ob und wann ich Gegenwind von der Umwelt zu spüren bekomme, bislang ist noch alles gut. 🙂
    Liebe Grüße Maria

    1. Reply
      Ida
      27. Juni 2016 at 18:09

      Vielleicht kommt ja auch gar kein Gegenwind, das wäre doch auch schön!

      Ich freue mich jedenfalls, wenn ich dich auf deinem Weg ermutigen kann!

  5. Reply
    immortal
    21. Juli 2016 at 11:42

    Ich betrachte mich weder als Konservativ noch als Gläubig oder gar Religös, kann deinen Worten aber trotzdem sehr viel abgewinnen. Ich habe mich auch für einen ähnlichen Weg entschieden.

    1. Reply
      Ida
      21. Juli 2016 at 12:02

      Man kann diesen Weg ja auch aus ganz unterschiedlichen Motivationen wählen.

  6. Reply
    Mamis Abenteuer Blog
    21. August 2016 at 22:00

    Das ist ein sehr schöner Beitrag der mich zum Nachdenken angeregt hat. Danke dafür und liebe Grüße

    1. Reply
      Ida
      21. August 2016 at 23:28

      Wie schön! Liebe Grüße zurück. 🙂

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