Der Unterschied zwischen Wünschen und Bedürfnissen

Sobald wir uns mit dem Thema Attachment Parenting und damit verbunden mit Fragen nach Bindung, Bedürfnissen und Eltern-Kind-Beziehungen auseinander setzen, taucht sie auf, die Frage: „Muss ich immer zu allem „Ja“ sagen, was mein Kind möchte?“

people-1434210_1920

Nein.

Und ja, auch „Nein“ sagen gehört zur Bedürfnisorientierung dazu. Wie das? Es gibt einen Unterschied zwischen Wünschen und Bedürfnissen. Hinter jedem Wunsch steht ein Bedürfnis – aber nicht jeder Wunsch ist auch ein Bedürfnis.

Und Bedürfnisorientierung bezieht sich eben auch nicht nur auf die Kinder – auch Eltern haben Bedürfnisse und auch diese sind wichtig in einer bedürfnisorientierten Familie.

Bedürfnisorientiert „Nein“ sagen

Entscheidend ist nicht allen Wünschen nachzukommen, sondern wie man mit Wünschen umgeht. Ich muss meinem Kind nicht erlauben 5 mal am Tag ein Eis zu essen, mit Gummistiefeln ins Bett zu gehen oder mit meinem Handy zu spielen. Entscheidend ist wie ich damit umgehe, wenn ich Wünsche nicht erfülle.

Bestrafe ich mein Kind für seinen Frust? Drohe ich ihm? Lasse ich es mit seinem Frust alleine? Besteche ich es? Oder gebe ich nach, nur damit es ruhig ist aber ohne davon überzeugt zu sein, dass es richtig ist in diesem Fall nachzugeben?

fruit-jelly-539695_1920.jpg

Die Sache mit dem Frust…

Wir alle sind in gewissem Maße frustriert, wenn ein Wunsch von uns nicht in Erfüllung geht. Das ist bei uns Erwachsenen nicht anders als bei unseren Kindern. Wir werden unseren Frust zwar anders – oder auch gar nicht – ausdrücken, aber empfinden werden wir ihn trotzdem. Deshalb müssten wir unsere Kinder eigentlich verstehen können, wenn sie wütend und frustriert sind, weil wir „Nein“ gesagt haben.

Wir sollten ihnen mit Verständnis begegnen in solchen Momenten und ihren Frust akzeptieren. „Ich verstehe, dass dich das wütend macht, aber ich möchte das nicht.“ oder „Es tut mir Leid, dass du jetzt so traurig bist, aber ich denke, dass das keine gute Sache wäre.“ könnte genau diese Haltung zum Beispiel ausdrücken.

Unsere Kinder werden uns zeigen, ob sie von uns getröstet werden möchten oder ob sie lieber in Ruhe gelassen werden wollen und darauf können wir dann eingehen.

baby-22194_1920

Hinter jedem Wunsch steht ein Bedürfnis – und daran sollten wir uns orientieren

Das ist aber nur der erste Schritt. Der zweite und beinahe wichtigere Schritt ist, zu überlegen welches Bedürfnis hinter einem Wunsch steht. Ein Kind das gerne Eis isst, isst gerne Eis. Auch zehn mal am Tag. Vielleicht ist das alles. Vielleicht aber auch nicht.

Wenn es immer wieder am gleichen Punkt zum Konflikt kommt oder wenn ein Kind ganz besonders frustriert, wütend oder traurig auf die Nicht-Erfüllung eines Wunsches reagiert, kann noch ein ganz anderes Bedürfnis dahinter stehen. Vielleicht braucht es Anererkennung, Aufmerksamkeit, Nähe. Vielleicht fühlt es sich nicht genug wahrgenommen, ernstgenommen oder wertgeschätzt?

father-551921_1920.jpg

Darauf können wir reagieren und das sollten wir auch. Aber nicht zwangsläufig indem wir den konkret geäußerten Wunsch erfüllen – oft löst sich genau dieser Wunsch nach der Erfüllung des eigentlichen Bedürfnisses nämlich ganz von selbst in Wohlgefallen auf.

Wie seht ihr das?

 

You Might Also Like

Hier geht's weiter
Das kam davor

Schreibe einen Kommentar

*

%d Bloggern gefällt das: