Und was machst du so?

„Und was machst du so?“ – wer kennt diese Frage nicht. Sie wird uns gestellt, wenn wir Freunde von Freunden kennen lernen, Arbeitskollegen unserer Ehepartner treffen, neue Bekanntschaften schließen. Und bei so vielen anderen Gelegenheiten.

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Manchen von uns fällt es leichter sie zu beantworten, anderen schwerer. Und einige verabscheuen sie geradezu.

Warum eigentlich?

Manchmal werden wir einfach aus ehrlichem, aufrichtigem Interesse gefragt, was wir denn so tun. Oft aber ist mit dieser Frage eine gewisse Kategorisierung verbunden. Dann schwingen so viele andere Fragen heimlich im Hintergrund mit.

Was bist du denn so für ein Mensch? Entspricht dein sozialer Status meinem sozialen Status? Ist das sinnvoll was du tust? Wie bewerte ich das, womit du den lieben langen Tag beschäftigt bist?

Immer wieder höre ich von Müttern, die mit ihren Kindern zu Hause bleiben, dass sie sich ganz besonders vor dieser Frage fürchten. Beziehungsweise vor den Reaktionen auf ihre Antwort.

Du bist Hausfrau!?

„Ach schön! So viele junge Frauen wollen das ja nicht mehr. Genießen Sie die Zeit!“ höre ich zum Teil – meist von älteren Damen. „Reicht dir das denn?“, „Wofür hast du denn studiert?“, „Denkst du auch an deine Rente?“ höre ich auch. Eine Freundin musste sich Aussagen wie „Da muss der Papa aber viel arbeiten, damit die Mama zu Hause bleiben kann!“ oder „Eigentlich seid ihr doch Sozial-Schmarotzer!“ gefallen lassen.

Was ich mir wünschen würde

Ich selbst wünsche mir eigentlich weder besonders viel Anerkennung noch Kritik an meiner persönlichen Entscheidung mit meinen Kindern zu Hause zu bleiben. Denn sie ist einfach meine persönliche Entscheidung. Und die meines Mannes.

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Sie ist richtig für unsere Familie. Für andere Familien wäre sie das vielleicht nicht.

Müssen andere gut finden was ich tue?

Als ich zum ersten Mal Mutter wurde, traf mich die Urteilsfreudigkeit meiner Umwelt mit ganzer Wucht. Und sie traf mich vollkommen unerwartet, denn ich hatte gar nicht damit gerechnet. Jeder schien eine Meinung zu dem zu haben, was ich tat. Jeder schien zu wissen, wie man das, was ich tat, besser tun könnte. Und all die wohlmeinenden Ratschläge widersprachen sich zu meiner Verzweiflung.

Auf diese schmerzhafte Weise lernte ich, dass andere eben nicht gut finden müssen, was ich tue. Ich lernte, mich eben nicht an der Anerkennung anderer zu orientieren, sondern an dem, was ich selbst für richtig halte. Auch wenn andere das anders sehen mögen als ich. Denn andere leben eben ihr Leben und nicht meins.

Was tue ich denn eigentlich?

Mit meinen Kindern spreche ich darüber, dass der Papa zur Arbeit gehen muss und wann er wieder nach Hause kommt. Wir sprechen auch darüber, dass die Oma, die Paten und andere Freunde zur Arbeit gehen. Und dass sie diese Arbeit nicht von zu Hause aus erledigen können. Im Gegensatz zu mir.

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Denn ich spreche mit meinen Kindern auch darüber, dass auch ich arbeite. Auch wenn ich nicht erwerbstätig bin. Ich denke, ich muss nicht im Einzelnen aufzählen was Hausfrauen und Mütter, die mit ihren Kindern zu Hause bleiben, den lieben langen Tag tun. Denn wir alle wissen es. Wir alle wissen, wie viel Arbeit ein Haushalt mit einer Reihe kleiner Kinder beinhaltet.

Darum geht es mir auch gar nicht. Ich möchte nicht aufwiegen, ob ich nun härter arbeite, als eine berufstätige Mutter oder ob es genau anders herum ist. Ganz im Gegenteil. Ich möchte, dass meine Kinder sehen, dass Erwerbstätigkeit keine Voraussetzung dafür ist, selbstbewusst zu sein.

Wertschätzung fängt bei uns selbst an

Ich möchte nämlich, dass meine Kinder lernen, andere Menschen zu wertschätzen – ganz gleich ob sie erwerbstätig sind oder nicht, ob sie viel Geld verdienen oder nicht, ob sie studiert haben oder nicht. Und ich glaube, dass ich ihnen diese Art von Wertschätzung nur dann vermitteln kann, wenn ich sie mir selbst entgegen bringe. Wenn ich selbstbewusst genug sein kann, dass was ich tue, als wertvoll anzusehen.

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Ich möchte ihnen zeigen, dass Menschen wertvoll sind – einfach weil sie Menschen sind. Dass es wertvoll ist, berufstätig zu sein. Dass es aber auch wertvoll ist zu Hause zu bleiben und sich dort um die Familie zu kümmern.

Wir brauchen unter uns Eltern keinen Wettkampf darum, wer die besseren Entscheidungen trifft. Ein bisschen Wertschätzung reicht schon.

Wie seht ihr das?

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7 Comment

  1. Reply
    Ricarda
    1. September 2017 at 22:06

    Liebe Ida,
    Du hast so recht – warum sollen wir uns etwas von der Gesellschaft sagen lassen? Seitdem ich Mutter bin (habe eine 15 Monat alte Tochter) reflektiere ich viel mehr, was wirklich mein Wille, meine Vorstellung von Dingen ist, mein Weg. Ich stelle mehr in Frage und fühle mich viel selbstbewusster.
    Allerbeste Wünsche für deine Genesung! Ich mag deinen Blog sehr.
    Liebe Grüße, Ricarda

    1. Reply
      Ida
      2. September 2017 at 20:44

      Liebe Ricarda,

      danke für deine Worte! Ich wünsche mir so sehr, dass ich andere Eltern mit meinem Blog ermutigen kann – und wenn ich höre, dass es mir bei dem einen oder anderen gelingt, freue ich mich.

      Ganz liebe Grüße
      Ida

      1. Reply
        Ricarda
        3. September 2017 at 23:39

        Ja das ist dir wirklich gelungen – du ermutigst mich mit deinem Blog! Die Themen entsprechen genau dem, was mich interessiert und beschäftigt. Besonders auch der Glaubensbezug. Mach weiter so 🙂
        Alles Liebe, Ricarda

        1. Reply
          Ida
          4. September 2017 at 20:49

          Das ist so schön zu lesen – und damit hast du mich auch ermutigt! <3

          Ganz liebe Grüße
          Ida

  2. Reply
    Anna-Lena Stöwhase
    1. September 2017 at 22:11

    Ich bin auch Hausfrau und je nachdem mit wem ich spreche, ist mir diese Tatsache manchmal peinlich. Aber wenn ich bedenke, dass ich vier Kinder großziehe, mein Mann viel und lange arbeitet und alle Großeltern 4 Stunden entfernt wohnen, quasi alles auf meinen Schultern lastet, dann denke ich, dass ich doch genauso viel leiste, wie eine berufstätige Mutter.

    1. Reply
      Ida
      2. September 2017 at 20:46

      Liebe Anna-Lena,

      du leistest sehr viel, da bin ich mir ganz sicher! Ich finde es immer wieder schade, wenn ich sehe, dass Eltern in Konkurrenzkampf miteinander treten. Zum Beispiel beim Thema Vereinbarkeit/Berufstätigkeit. Viel sinnvoller wäre es doch, wenn wir uns gegenseitig unterstützen würden.
      Ich versuche mit meinem Blog einen Beitrag dazu zu leisten.

      Ganz liebe Grüße
      Ida

  3. […] gleich, ob wir berufstätige Eltern sind oder mit unseren Kinder zu Hause bleiben können – unsere Aufgabe als Eltern kostet uns jede Menge Kraft. Jeden Tag stehen wir vor der […]

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