Stillen in der Öffentlichkeit – Mein Gastbeitrag für Motherbirth

Dieser Artikel ist ursprünglich bei meiner Bogger-Kollegin Motherbirth erschienen.

Vor der Geburt meines ersten Kindes war mir gar nicht bewusst, was Stillen für ein großes Thema ist. Wie viel darüber debattiert und gestritten wird. Wie viel jeder mitreden möchte. Obwohl stillen eigentlich etwas ganz Persönliches ist – zwischen Mutter und Kind. Und sonst niemandem.

Und so unkompliziert wie ich vom Stillen dachte, wurde es für mein Kind und mich dann tatsächlich auch. Erst im Laufe der Zeit wurde mir klar, dass das gar nicht so selbstverständlich ist. Wir stillten einfach so vor uns hin, als ob es das Normalste der Welt wäre (und das ist es ja auch), bis ich sage und schreibe vier (!!) Wochen nach der Geburt zum ersten Mal gefragt wurde: „Stillst du denn noch?“

Ich fiel aus allen Wolken

Und so ging es dann munter weiter. Ob das Kind denn nur Milch bekomme? Ob es im Sommer nicht mehr Flüssigkeit brauchen würde, ein bisschen Fencheltee hätte doch nun wirklich noch niemandem geschadet? Ob das Kind denn auch mal was „Richtiges“ bekomme? Ob ich denn immer noch stillen würde, obwohl mein Kind schon Zähne habe? Ob es mich denn nicht beißen würde?

Und das war noch harmlos.

„Jetzt musst du aber aufhören zu stillen!“, „Das Kind isst ja gar nichts!“ und ähnliche Ratschläge wurden mir alsbald auch zuteil. Ich traute meinen Ohren nicht. Und stillte trotzig weiter. Zum Glück.

Mein Kind gedieh prächtig. Es begann tatsächlich erst sehr spät zu essen. Und oft höchstens mikroskopische Mengen. Aber es gedieh. Und die Kinderärztin war zufrieden. Und das wurde meine stoische Standard-Antwort: „Die Kinderärztin ist zufrieden.“ Punkt. „Naja, es ist ja auch das Beste!“ antworteten dann viele weise Menschen beflissen – obwohl sie ganz offensichtlich das Gegenteil annahmen.

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Heute stille ich immer noch. Oder wieder.

Ich habe gelernt gar nicht mehr hinzuhören, wenn ich mit weisen Ratschlägen bedacht werde. Ich ignoriere sie. Ich tue nicht einmal so, als ob ich zuhören würde. Und das finde ich noch nicht einmal respektlos – im Gegenteil: Ich finde es respektlos sich in derart persönliche Dinge einzumischen. Zumal wenn die Kinder ganz offensichtlich prächtig gedeihen. Und es der Familie gut geht.

„Wie lange möchtest du denn stillen?“ wurde ich oft gefragt. Ich konnte die Frage nie beantworten. Wie auch? Kann man das denn planen? „Ich weiß nicht so genau, vielleicht bis ich wieder schwanger bin.“ war meist meine Antwort. Und so kam es tatsächlich auch.

Was ich für zukünftige Stillbeziehungen gelernt habe

Eine Hebamme prophezeihte mir vor einiger Zeit, dass man mit jedem Kind selbstbewusster wird. Und zumindest für mich stimmt das auch. Blicke, Kommentare, hochgezogene Augenbrauen – all das prallt an mir ab. Ganz gleich ob es ums Stillen, Tragen, Schlafen, kleinkindliche Wutanfälle oder worum auch immer geht.

Und genau das nehme ich mit in zukünftige Stillbeziehungen. Diese Ruhe. Denn Ruhe ist das Allerwichtigste für die Stillzeit.

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Das kam davor

5 Comment

  1. Reply
    Corinne
    22. August 2016 at 21:15

    Toller Beitrag. Ich konnte mir vor dem ersten Kind nicht vorstellen so lange zu Stillen, fand das irgendwie komisch. Meinen Sohn habe ich dann bis er 21 Monate alt war gestillt, und das obwohl er ein guter Esser war. Aber irgendwie haben wir diese gemeinsame Zeit gebraucht. Die vielen Kommentare und Nachfragen wie „stillst du immer noch?!“ und „willst du das ewig machen?!“ prallten an mir ab. Jetzt beim zweiten Kind möchte ich das auch wieder so machen. Egal was die Leute sagen und denken. Für mich ist es das natürlichste der Welt und ein Geschenk. Diese gemeinsame, innige Zeit geht so schnell vorbei und wird nie wieder kommen.
    LG

    1. Reply
      Ida
      22. August 2016 at 21:34

      Und sie tut Mutter und Kind unendlich gut!
      Alles Gute für dich!!

  2. Reply
    Lieblingsmensch
    23. August 2016 at 08:23

    So ein schöner Beitrag!
    Meine Motte ist jetzt knapp 17 Monate und wird auch noch gestillt…ich denke, bestimmt auch noch eine ganze Weile 🙂 Ich kenne diese „Stillst du noch“ Fragen daher also auch nur allzu gut und ich habe mir mittlerweile schon ein dickes Fell zugelegt (muss man wohl auch als langzeitstillende Mutter, die dazu noch trägt und das Kind im Familienbett schlafen lässt :-). Wäre ja schön, wenn sich bald mal etwas ändert mit diesen Einstellungen….vielleicht helfen ja genau solche Beiträge. Danke dafür!
    viele liebe Grüße,
    Carina

    1. Reply
      Ida
      23. August 2016 at 08:49

      Ich würde mich freuen wenn ich mit meinen Artikeln zu einem Wandel beitragen kann!

  3. […] einiger Zeit habe ich schon einmal ein paar Gedanken zum Stillen mit euch geteilt. In diesem Text möchte ich noch bisschen weiter in die Tiefe gehen. Denn bevor […]

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