Stillst du immer noch? Über die Einführung von Beikost

Kennt ihr diese Frage? Und die damit verbundenen Blicke? Ja? Aha, dann seid ihr auch aus der Langzeitstillen-Fraktion. Oder auch nicht. Ich habe diese Frage zum ersten Mal gehört als Kind1 gerade vier Wochen alt war.

breastfeeding-827169_1920.jpg

Nein, das ist kein Scherz.

So natürlich Stillen auch sein mag, so unnatürlich geht ein Teil unserer Gesellschaft damit um. Nach wie vor glauben Viele, dass es Kindern schade, so viel Nähe von ihren Eltern zu bekommen, wie sie einfordern. Beim Schlafen im Familienbett. Beim Getragen-Werden im Tragetuch. Und beim Stillen.

Aber was sollte Nähe – also Nähe, die beide Seiten suchen und die von keiner Seite erzwungen ist – anderes bewirken als pures Glück? Kann Glück den Charakter verderben? So mancher scheint das zu befürchten.

baby-21167_1920.jpg

Stillen und Beikost in unserer Gesellschaft

Rein medizinisch und psychologisch spricht rein gar nichts gegen das Langzeitstillen – so lange es Mutter und Kind damit gut geht. Und so lange das der Fall ist, kann gestillt werden. Ganz egal wie lange das dauert.

In unserer Gesellschaft hat man sich angewöhnt Babys, die noch nicht einmal selbständig sitzen können, an Brei zu gewöhnen. Fruchtbrei, Milchbrei, Getreidebrei, Fleischbrei – man hat allerhand ersonnen, um Kinder möglichst schnell an Nahrung zu gewöhnen, die sich außerhalb der Mutterbrust befindet. Es gibt genaue Pläne darüber, was wann eigeführt wird, wie viel gegessen werden muss und wann Milchmahlzeiten ersetzt werden sollen.

baby-1109331_1920.jpg

Unzählige Experten werden für diese Pläne befragt. Außer das Kind selbst.

Manche Eltern, Ärzte und Hebammen setzen jedoch auf einen anderen Weg: Sie lassen das Kind selbst entscheiden – so lange es Mutter und Kind damit gut geht. Kinder entwickeln irgendwann eine Neugierde für das Essen, manche früher, andere später. Sie probieren, sie spielen – irgendwann stellen sie fest, dass auch etwas anderes als Muttermilch satt machen kann.

All das geschieht ganz ohne Druck von außen, im Tempo des Kindes. Beikost bleibt so zunächst „Bei“Kost und wird nicht zur Ersatzkost für Muttermilch. Einige Kinder stillen sich so von ganz alleine ab, wenn sie merken, dass sie keine Muttermilch mehr brauchen. Andere werden von ihren Müttern irgendwann abgestillt, wenn die mütterlichen Kapazitäten an ihre Grenzen kommen.

Was spricht für euch dafür oder dagegen, das Kind beim Essen selbst entscheiden zu lassen?

You Might Also Like

Hier geht's weiter
Das kam davor

5 Comment

  1. Reply
    Corinne
    8. Oktober 2016 at 19:43

    Hallo Ida
    Für mich geht Stillen und Beikost Hand in Hand. Unsere Kleine bekommt mindestens einmal im Tag Brei, wenn ich Zeit und Lust habe auch zwei bis dreimal, und bekommt immer auch die Brust angeboten. So kann sie selbst wählen wieviel sie von was möchte. Jetzt beim zweiten Kind halte ich mich auch nicht mehr stur an die Empfehlungen. Wie du schon im vorhergehenden Artikel geschrieben hast, wird man Gelassener und Selbstbewusster. Und die Kommentare über das Stillen überhöre ich einfach. Es ist unser Leben und es muss für uns als Familie stimmen.

    1. Reply
      Ida
      9. Oktober 2016 at 21:56

      Hört sich doch gut an! Wichtig ist doch die Bedürfnisse des Kindes zu achten. Und das tust du doch.

  2. Reply
    Natalie
    8. Oktober 2016 at 21:34

    Hallo Ida,
    Ic h lebe hier mit äußerst verschieden Kindern mit verschiedenen Biographien. Daher kann kann ich dir sagen, der Satz „Was, du stillst etwa noch?“ ist nicht häufiger oder verletzender als „Was, du stillst etwa nicht?“ Manche Menschen mischen sich einfach gerne ein, wo es nicht nötig tut.
    Einfach weglächeln.
    Natalie

    1. Reply
      Ida
      9. Oktober 2016 at 21:58

      Liebe Natalie,

      letztens erst habe ich den Erfahrungsbericht einer Mutter gelesen, die nicht stillt und war ganz entsetzt, wie man mit ihr umging. Wie viele Vorwürfe sie sich anhören musste.
      Ich fände es so viel schöner, wenn wir als Eltern überlegen könnten, wie wir uns gegenseitig unterstützen können und nicht ständig versuchen würden uns zu übertrumpfen und irgendetwas „besser“ zu machen als andere Eltern.
      Von Leistungsdruck hat wirklich niemand etwas.

  3. Reply
    Natalie
    9. Oktober 2016 at 22:29

    So ist es! So schön und sinnvoll stillen ist, auch die Flasche kann liebevoll gegeben werden und Geborgenheit vermitteln.
    Ich habe übrigens die Beikosteinführung genau wie du bei deinem gestillten Kind gehandhabt und dem Kleinen die Flasche genauso zur Verfügung gestellt wie meinem leiblichen Sohn die Brust; deswegen füttere ich auch bis heute volladaptierte („pre“), Nahrung. Das Kind ist nun zweieinhalb, isst sehr gern, isst alles, lässt sich nicht mal von Chili o.ä. abhalten und trinkt vor demMittagsschlaf immer noch gern im Arm liegend ein Fläschchen.

Schreibe einen Kommentar

*

%d Bloggern gefällt das: