#regrettingmotherhood? Ganz sicher nicht!

Vor einigen Wochen zog ein Gespenst durch die sozialen Netzwerke, die Presse und Freundeskreise: Es hieß #regrettingmotherhood. Einige Frauen hatten in Blogbeiträgen und Büchern, in öffentlichen und privaten Diskussionen und in den sozialen Netzwerken ihrem Frust und ihrer Enttäuschung über das Muttersein Ausdruck verliehen.

Viele Mütter hatten sich offensichtlich das Muttersein ganz anders vorgestellt

Sie klagten, dass das sogenannte „Mutterglück“ ins Reich der Legenden gehöre und dass sich ihr Leben durch ihre Kinder in einem Maße geändert habe, das sie sich nicht einmal im Traume ausgemalt hätten.

Warum eigentlich?

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In mir entstand der Eindruck, dass die meisten Frauen, die sich an der Debatte rund um #regrettingmotherhood beteiligten, gut ausgebildete, selbstbewusste und unabhängige Frauen waren, die in ihrem Leben schon so manche Herausforderung gemeistert hatten und ihren Weg stark und selbstbewusst beschritten.

Auf den ersten Blick erstaunte mich, dass ausgerechnet diese Frauen, die doch bereits so viel in die Mutterschaft mitbrachten, so an ihr verzweifelten. Aber dann kam mir ein anderer Gedanke in den Sinn: Elternschaft wird in unserer Gesellschaft oft verführerisch dargestellt, als ein großes und aufregendes Projekt, dass sich mit der richtigen Organisation gut neben anderen ebenfalls fordernden Projekten verwirklichen lässt.

Die „Vereinbarkeit“ von Familie, Beruf und Freizeit ist oft eine große Belastung

„Mit der richtigen Organisation geht alles!“ könnte man dieses verführerische Credo nennen. Und genau da treffen Realität und Traum aufeinander. Denn Elternschaft ist eben kein Projekt unter anderen. Und Familie, Ehe, Beruf, Hobbies, Freundschaften und andere Projekte lassen sich eben nicht problemlos nebeneinanderher organisieren.

Wenn wir Eltern werden verändert sich der Fokus unseres Lebens. Während es vorher noch hauptsächlich um uns selbst ging, geht es nun in erster Linie um das Wohl der Familie und ganz besonders der Kinder – die noch nicht selbst für ihr Wohl sorgen können. Es geht weniger um das Nehmen und mehr um das Geben.

Ich glaube fest, dass die meisten der #regrettingmotherhood-Mütter ganz großartige Mütter sein können. Sie haben oft einen reichen Schatz an Lebenserfahrung, aus dem sie schöpfen können. Sie haben einen Standpunkt, sind flexibel, kreativ und undogmatisch. Das ist großartig. Aber es reicht eben nicht aus.

Unsere Kinder brauchen uns nicht ein bisschen oder halbtags oder immer mal wieder – sie brauchen uns ganz

Unsere Kinder brauchen uns ganz. Sie sind nicht ein Projekt unter vielen und das unterscheidet sie so von unserem Leben, das wir hatten, bevor sie zu uns kamen. Kinder zu haben ist ein großes Geschenk und eine große Verantwortung.

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In unserer Kultur hat es einen hohen Stellenwert unabhängig und frei zu sein – der Begriff von Freiheit, den viele Menschen für sich entwickelt haben, ist allerdings recht oberflächlich, denn Freiheit geht immer mit Verantwortung Hand in Hand – je größer die Freiheit, desto größer ist auch die Verantwortung. Das ist jedoch ein Gedanke, den viele unserer Mitmenschen nur ungern denken.

Es ist tatsächlich wahr, dass sich das Leben mit Kind fundamental von dem Leben ohne Kind unterscheiden kann. Sobald wir Kinder haben, kann sich unser Leben nicht mehr nur um uns selbst drehen. Das empfinden viele Eltern als Verlust von Freiheit und Unabhängigkeit.

Aber kann das nicht auch eine Chance sein?

Warum fühlt es sich für viele so negativ an mehr für andere als für sich selbst da zu sein? Eine Familie zu versorgen und sich um Kinder zu kümmern kostet viel Kraft, aber gleichzeitig ist es eine wunderschöne und lehrreiche Aufgabe, an der man persönlich sehr wachsen kann.

Ich bereue es nicht, Mutter geworden zu sein. Ganz im Gegenteil.

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0 Comment

  1. Reply
    Sharela
    2. Juni 2016 at 19:18

    Vielen Dank für diesen sehr persönlichen und eindringlichen Blogeintrag. Er regt wirklich zur Selbstreflektion an.
    Toll geschrieben!

    1. Reply
      livingacatholicfairytale
      2. Juni 2016 at 19:27

      Schön dass er dir gefallen hat!

  2. Reply
    Angela
    7. Juni 2016 at 07:35

    Dein Beitrag entspricht ganz meiner Meinung und ist gut geschrieben. Danke!
    Wie kaputt ist diese Welt, wenn Frauen es bereuen, Mutter geworden zu sein. Wie du selbst schreibst, es ist natürlich auch herausfordernd. Dafür meiner Meinung nach aber auch befriedigender als jeder andere „Job“. Und auch verantwortungsvoller. Mir sagte mal eine junge Frau „I’m just too talented to stay at home.“ Treffender kann man die öffentliche Meinung über Hausfrauen nicht auf den Punkt bringen. Gott sei Dank habe ich eine Mutter, die selbst mit ganzem Herzen und Einsatz zuhause war für ihre Kinder, und einen Vater der gerne sagte „Mutter zu sein ist die höchste Berufung für eine Frau „. Ohne solche Vorbilder, Prägung und Wertschätzung ist es aber wirklich schwer in unserer Gesellschaft, den Sinn und Wert der Mutterschaft (als vollwertige Vollzeitbeschäftigung) zu sehen und entgegen der Norm zu leben.
    Deshalb vielen Dank für deinen kritischen und ermutigenden Blog!
    Viele Grüße
    Angela

    1. Reply
      Ida
      7. Juni 2016 at 10:10

      Liebe Angela,

      und dir vielen Dank für deinen ermutigenden Kommentar!
      Das ist genau mein Ziel mit diesem Blog: Familien ermutigen, ihren Weg zu gehen. Ich möchte gar nicht alle Frauen „zurück an den Herd“ kommandieren – das ist für viele Familien gar nicht leistbar. Und ich halte es auch nicht für sinnvoll, jemanden dazu zu drängen zu Hause zu bleiben, der das nicht möchte. Aber ich möchte dazu anregen, zumindest darüber nachzudenken und das negative Bild der Hausfrau in unserer Gesellschaft zu hinterfragen.
      Liebe Grüße und alles Gute
      Ida

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