Ein Plädoyer für die Bildungsfreiheit

Dies ist ein Plädoyer für die Bildungsfreiheit. Und da fängt es auch schon an: Was ist denn eigentlich Bildung? Und was ist Freiheit? Und was zum Kuckuck ist bloß Bildungsfreiheit? Und warum sollte man dafür überhaupt ein Plädoyer halten?

Fragen über Fragen – und verhältnismäßig wenige Antworten.

Wenn etwas aus meinem Studium in meinem Kopf hängen geblieben ist, dann das: Bildung lässt sich nicht definieren. Es gibt 100.000 verschiedene Ansätze und Versuche, das zu tun – am Ende bleibt es immer höchst nebulös. Was Bildung so undefinierbar macht, ist die Tatsache, dass sie so ganzheitlich ist. Sie betrifft den ganzen Menschen. Sie kann überall geschehen und in jedem Moment – oder eben auch nicht.

Und genau das macht die Tatsache, dass es in diesem Land eine der restriktivsten Formen der Schulpflicht gibt, so unglaublich widersinnig.

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Schafft Schulpflicht Bildung?

Mit den Schulen haben wir uns Institutionen geschaffen, in denen Bildung stattfinden soll. Das Problem ist nur: Leider ist das oft gar nicht der Fall. Dieser Artikel wird ganz bestimmt kein Schul-Bashing oder Lehrer-Bashing – Schulen und Lehrer leisten meist ganz großartige Arbeit. Mit viel Engagement und Herzblut.

Das Problem ist nur, dass ich eben von außen nicht festlegen kann, dass genau in diesem Gebäude, montags bis freitags von 8 bis 15 Uhr Bildung statt zu finden hat. Das funktioniert ganz offensichtlich nicht.

Bildung findet unweigerlich statt – aber oft nicht so, wie wir das gerne hätten

Manch ein Elternpaar gerät in Verzweiflung weil der jugendliche Sohn mit seinem Wissen über Flugzeuge, Programmierung, verschiedenste umwelt- oder wirtschaftspolitische Fragen oder was eben seinem Interessengebiet entspricht Bücher, vielleicht sogar Bibliotheken, füllen könnte. Cosinus, Tangens und Integralrechnung, Versmaße, Mendelsche Gesetze und impressionistische Kunstwerke hingegen bleiben für ihn böhmische Wälder.

Offenbar sind die allermeisten Menschen sehr lernbegeistert und bildungswillig – nur eben nicht zwangsläufig so, wie wir uns das institutionell vorstellen.

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Was ist denn nun eigentlich Bildung?

Doch kommen wir erst einmal zum Begriff Bildung zurück. Alle Definitionsversuche stellen durch die Bank fest, dass folgende Aspekte zur Bildung dazu gehören:

  • Bildung ist der Erwerb von Wissen
  • Bildung bildet den ganzen Menschen, ist also keine rein kognitive Leistung, geschweige denn das Auswendiglernen willkürlicher Fakten
  • Bildung bildet auch die Persönlichkeit und trägt zu ihrem Reifungsprozess bei
  • Bildung ist Entwicklung

In diesen Punkten stimmen Bildungsforscher durchaus überein, auch wenn sie ganz unterschiedliche Konsequenzen aus ihren Erkenntnissen ziehen. Allerdings hat sich in den letzten Jahren vermehrt der Kompetenzbegriff in die Bildungsforschung und vor allem in die Bildungspolitik geschlichen – und Kompetenzen und Bildung sind offen gestanden einfach zwei Paar Schuhe.

Kompetenzorientierung hat mit Bildung nicht viel zu tun…

Eine Kompetenzorientierung in der Bildung führt dazu, dass genau abgesteckte kleinere Ziele erreicht oder zumindest angestrebt werden, das große Ganze tritt dagegen in den Hintergrund. Persönliche Entwicklung, Reifung, persönliches Wachstum und Persönlichkeitsbildung sind dann auf einmal gar nicht mehr auf der Agenda.

Stattdessen wird sehr kleinschrittig (und äußerst wirtschaftsfreundlich) festgelegt, was ein Mensch wissen und können muss, um wirtschaftlich interessant zu sein. Nicht mehr und auch nicht weniger. Ganzheitlichkeit? Fehlanzeige. Freiheit? Wird nicht einmal erwähnt. Bildungsfreiheit? Ach bitte…

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Bildung kann nur in Freiheit geschehen!

Wenn wir jedoch von Bildung sprechen und auch tatsächlich Bildung meinen, dann kommen wir an der Freiheit im Prinzip nicht vorbei. Denn wenn Bildung nicht nur Wissens- und Kompetenzerwerb ist, sondern eben auch Wachstum, Reifung und Entwicklung, dann kann das nur in Freiheit geschehen. Wir können Kinder und Jugendliche nicht dazu zwingen bzw. sie dazu verpflichten, sich zu entwickeln und zu reifen. Und diese Prozesse können wir auch nicht von außen steuern. Sie müssen aus unseren Kindern selbst kommen.

Ich bin beileibe kein Schulgegner. Es gibt tolle Schulen. Und es gibt tolle Lehrer. Institutionen, die tatsächlich kindorientiert arbeiten, mit echtem Interesse, mit Leidenschaft und Herzblut. Ich denke allerdings, dass wir gerade im Interesse unserer Kinder und im Sinne der Bildungsfreiheit vom Zeitalter der Schulpflicht zum Zeitalter des Bildungsrechts übergehen sollten.

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Von den Erfahrungen anderer lernen

In vielen Ländern – darunter die USA, Australien, Kanada, Neuseeland, UK, Dänemark und Norwegen – ist Homeschooling erlaubt. Und damit echte Bildungsfreiheit. Kinder und Jugendliche können selbst entscheiden, ob sie zur Schule gehen möchten oder lieber zu Hause lernen. Oder in der Bibliothek, in Museen, im Park, auf dem Bauernhof oder im Wald.

Die oben genannten Länder haben ausgezeichnete Erfahrungen mit dieser Freiheit gesammelt – ganz im Gegensatz zu unseren Erfahrungen mit unserer Unfreiheit. Sollte uns das nicht zu denken geben?

Wie denkt ihr darüber?

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3 Comment

  1. Reply
    shutupkeks
    27. August 2016 at 13:15

    Es ist wirklich interessant darüber nachzudenken, wie es wäre wenn Schüler selbst entscheiden, wo , wann und wie sie lernen. Ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht um ehrlich zu sein. Ich gehe ja selbst noch zur Schule.

    Ein schöner Beitrag. Gut gelungen 🙂

    1. Reply
      Ida
      27. August 2016 at 13:29

      In manchen Ländern funktioniert das ausgezeichnet!

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