“Nur Mutter” oder Mutterschaft als Berufung

Ich arbeite in der wichtigsten Werkstatt des Atomzeitalters, wo die Zukunft gestaltet wird und die Gegenwart ihren Gehalt bekommt. Ich bin Hausfrau und Mutter von drei Kindern.“

~ Antwort einer Hausfrau auf die Frage nach ihrem Beruf

So selbstbewusst wie die Mutter, von der dieses Zitat stammt, antworten die meisten Mütter leider nicht. “Nur-Mutter” zu sein ist irgendwie altbacken, konservativ, ewiggestrig. Eine moderne Frau gibt sich nicht mehr damit zufrieden nur für ihre Familie da zu sein – auch nicht in den ersten Lebensjahren der Kinder. Eine moderne Frau bringt alles unter einen Hut: Arbeit, Kinder, Hobbies, Ehe, Freundschaften – und sie sieht auch noch toll dabei aus. Interessanterweise wird nur selten danach gefragt, wie denn das moderne Kind zu diesen Fragen steht.

Vielleicht hätte es ja lieber eine altmodische Mutter, die zu Hause ist und ihm Geborgenheit schenkt?

Was erwarten unsere Kinder eigentlich von uns? Erwarten sie, dass wir im Beruf erfolgreich sind, viele Freunde haben, Hobbies und Interessen nachgehen und viel Geld nach Hause bringen für neues Spielzeug, schicke Klamotten und tolle Urlaube?

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Oder wünschen sie sich vielleicht einfach Wärme, Geborgenheit – und Zeit?

Geborgenheit ist ein vielschichtiges Phänomen, das gleichzeitig auf mehreren Ebenen erreicht werden muss: Auf körperlicher Ebene durch Wärme, Wohnung, Nahrung und Kleidung, auf seelischer Ebene durch Interesse und liebevolle Zuwendung und auf geistiger Ebene durch eine sichere Orientierung und Sinn-Erleben. Geborgenheit geben ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die sich nur schlecht in einen gut gefüllten Terminkalender eintakten lässt. Denn sie braucht in erster Linie eins: Zeit.

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Trotzdem ist Geborgenheit in aller Munde – und natürlich ist das Phänomen Geborgenheit so vielschichtig, dass es nicht nur einen einzigen Weg gibt, der Kinder Geborgenheit erleben lässt. Natürlich kann auch eine berufstätige Mutter ihr Kind geborgen aufwachsen lassen – wenn auch unter wesentlich widrigeren Umständen. Viele Mütter sind heute aus wirtschaftlichen Gründen dazu gezwungen schon in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder – zum Teil in Vollzeit – berufstätig zu sein, auch wenn sie lieber bei ihren Kindern bleiben würden. Oftmals haben Mütter aber auch nicht mehr den Mut, die notwendige Geduld und Freude an der Arbeit in der Familie, um mehrere Jahre aus dem Erwerbsleben auszusteigen.

Frauen haben heute mehr Wahlmöglichkeiten als früher – aber wirklich freier sind sie nicht

Papst Johannes Paul II. geht in seiner Enzyklika Familiaris Consortio u.a. auf diese Situation ein. Im Laufe des letzten Jahrhunderts haben Frauen viele Freiheiten für sich gewonnen, wozu auch das Recht auf eine Aufgabe und Tätigkeit im öffentlichen Bereich gehört. Der Papst betont, dass dies jedoch nicht auf Kosten der Anerkennung der häuslichen und v.a. mütterlichen Aufgaben der Frau geschehen dürfe. Der Zugang der Frau zu den außerhäuslichen Berufsfeldern müsse in Freiheit geschehen. Die Frau solle also nicht dazu genötigt sein berufstätig zu sein, sondern auch die Möglichkeit haben sich ganz ihrer Familie zu widmen, wenn das ihr Wunsch sei. Leider genießen “Nur-Mütter” jedoch wenig Ansehen in unserer Gesellschaft – denn das Ansehen hängt vielfach vom beruflichen Erfolg ab.

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Erziehung ist eine anspruchsvolle Aufgabe

Dabei ist die Erziehung von Kindern eine anspruchsvolle Aufgabe, die Anerkennung verdient. Eine Vollzeit-Mutter ist rund um die Uhr im Einsatz – ohne Urlaub, ohne feste Arbeits-, geschweige denn Pausenzeiten und ohne Bezahlung. Die Aufgaben, die eine Mutter erfüllt, sind dabei äußerst vielfältig und reichen von der körperlichen Pflege und Ernährung, über die Anregung der seelischen und geistigen Entwicklung des Kindes bis hin zur Versorgung des Haushalts und der Pflege von sozialen Kontakten und der Ehe der Eltern. Die Mutter leistet viel, um zu gewährleisten, dass ihre Kinder alles bekommen, was sie brauchen, um sich gut zu entwickeln, sich wohl und angenommen zu fühlen und glücklich zu sein.

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Mutterschaft ist mit einem enormen Arbeitsaufwand und großen Leistungen verbunden. Eine engagierte Mutter, die ihren Beruf als Mutter ernst nimmt, leistet nicht nur hauswirtschaftliche, pflegerische und pädagogisch-psychologische Arbeit, sie muss sich auch intellektuell fortwährend weiterbilden. U.a. setzt sie sich differenziert mit Erziehungsfragen auseinander, mit psychologischen und entwicklungspsychologischen Themen, Fragen der Ernährungswissenschaften, mit sozialhygienischen Themen, mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und mit ökologischen und ökonomischen Fragen. Eine Vollzeitmutter, die ihren Beruf ernst nimmt und mit Würde und Engagement ausübt, ist vermutlich eine der am vielseitigsten gebildeten Frauen unserer Gesellschaft. Würde diese Leistung angemessen entlohnt werden, müsste keine Mutter mehr arbeiten gehen, da Mutterschaft dann eine der bestbezahlten Dienstleistungen wäre.

Elternschaft ist eine Berufung, die viel von uns verlangt

Wer ist bereit sich in seinem Beruf selbst zu reflektieren, streng mit sich ins Gericht zu gehen und sich “selbst zu erziehen”, sodass man selbst durch das eigene Handeln und Verhalten zum Vorbild für andere werden kann? Sicherlich viele Menschen, die ihren Beruf mit Engagement und Herzblut ausüben. Wer ist bereit in seinem Beruf dies und noch mehr zu leisten ohne gesetzliche Schutzregelungen, ohne Aufwandsentschädigungen, ohne gesonderte Erwähnung im Lebenslauf und ohne entsprechende Honorierung? Vermutlich kaum jemand.

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Vollzeitmütter leisten jedoch genau das. Auch ohne die Anerkennung, die durch unseren materialistisch geprägten Zeitgeist in erster Linie der bekommt, der “gut” verdient. Zu diesem Weg gehört viel Mut – viel mehr Mut als dazu nötig ist, die meisten anderen Berufe zu ergreifen. Und es gehört noch eins dazu: Der Mut, sich nicht nur um sich selbst, seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu drehen, sondern das Wohl, die Bedürfnisse und Wünsche des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen, das einem anvertraut wurde. Kindheit vom Kind aus zu denken erfordert in unserer Gesellschaft nicht nur viel Mut, sondern auch ein dickes Fell. Deshalb macht es umso mehr Mut, dass sich nach wie vor viele Mütter nicht entmutigen lassen und entschlossen diesen Weg gehen. Viele sogar so selbstbewusst, wie die Mutter, von der das eingangs erwähnte Zitat stammt.

 

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0 Comment

  1. Reply
    Sarah
    31. März 2015 at 07:57

    Der Vater ist also nur der Erzeuger? Ich habe da eine etwas modernere Vorstellung: Elternschaft. Da gehört der Vater ebenso dazu wie die Mutter.

    1. Reply
      abullerbuelife
      31. März 2015 at 09:58

      Es war nie das Anliegen von A Bullerbü Life die Rolle des Vaters zu unterminieren. Das ist im betreffenden Artikel offensichtlich nicht ausreichend deutlich gemacht worden. Allerdings vertritt A Bullerbü Life durchaus die Ansicht, dass sich die Rollen von Mutter und Vater unterscheiden.

  2. Reply
    Susanna
    31. März 2015 at 16:42

    Aus dem Artikel geht nicht hervor, dass der Vater nur der Erzeuger ist, finde ich. In unserer Gesellschaft wird immer wieder propagiert, dass Frauen Kinder und Karriere unter einen Hut bringen können und das glaube ich nicht. Ich denke, wir alle ob Frauen oder Männer müssen uns entscheiden ob Karriere oder Familie. ALso einer muss das Management der Familie übernehmen und der andere macht Karriere. Da kann man noch so modern denken, aber die Leidtragenden sind bei Karriere – Eltern immer die Kinder. Es wird immer Situationen geben, da gibt es keine andere Möglichkeit, aber es sollte nicht unser Bestreben sein, Kinder von anderen erziehen zu lassen. Kinder brauchen Liebe und Zeit, materielle Dinge werden in dem Überfluss, wie uns allen weißgemacht werden soll, nicht gebraucht. Kinder sind auch mit wenig glücklich , vor allem können sie dann ihre Fantasie entdecken.

    1. Reply
      abullerbuelife
      31. März 2015 at 19:54

      Es stimmt schon, dass in unserem Artikel die Perspektive der Väter zu kurz kommt – wir nehmen diesen Hinweis dankend an und bemühen uns in einem zukünftigen Artikel unsere Sichtweise zur Rolle der Väter (die auf keinen Fall nur Erzeuger sein sollen!) darzulegen. Andererseits beziehen wir uns in unserem Artikel in erster Linie auf Familien mit Kinder unter drei Jahren – und in dieser Zeit übernimmt meist die Mutter die Hauptsorge für die Familie. Aus gutem Grund: Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist in diesem Alter wesentlich intensiver als zwischen Vater und Kind. Das ändert sich je älter das Kind wird.
      Um noch eines klarzustellen: A Bullerbü Life plädiert dafür, dass Mütter nach Möglichkeit Vollzeit zu Hause sind, solange sie Kinder unter drei Jahren haben. A Bullerbü Life spricht sich nicht gegen die Berufstätigkeit von Müttern aus, deren Kinder älter sind!

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