Muss ich da jetzt eingreifen?

Es gibt so Momente, da sitzt mir die imaginäre Stasi im Nacken. Zum Beispiel, wenn ich im strömenden Regen mit meinen Kindern spazieren gehe und eins meiner Kinder voller Freude in eine Pfütze springt. Ohne Gummistiefel.

Oder wenn es durch den Regen läuft ohne Regenjacke. Und mit zusammengeklappten Kinderregenschirm. Dann sehe ich all die (vielleicht ja auch nur vermeintlich) kritischen Blicke der Menschen um uns herum. Und dann frage ich mich:

Müsste ich da jetzt eingreifen?

Müsste ich meinem Kind jetzt verbieten so in die Pfütze zu springen? Ohne Gummistiefel? Müsste ich mein Kind jetzt unter den Regenschirm zwingen? Müsste ich? Und dann schaue ich in das Gesicht meines Kindes, sehe es strahlen von einem Ohr bis zum anderen. Und ich frage mich: Was ist denn das Schlimmste, was jetzt passieren kann?

Die Füße könnten nass und kalt werden. Der Walkanzug könnte durchweichen und mein Kind könnte anfangen zu frieren. Das wäre blöd, wenn wir weit von unserem Haus entfernt wären. Aber was ist, wenn wir ganz in der Nähe sind?

Ich entscheide situationsbedingt

Es macht einen Unterschied, ob mein Kind 10 Minuten oder eine ganze Stunde lang frieren muss. Es macht einen Unterschied, ob ich Wechselkleidung dabei habe oder nicht. Ich glaube, dass die Situation den Ausschlag gibt und nicht ein „Aber-Eigentlich-Müsste-Ich“-Prinzip.

Das gilt für so viele Situationen. Geschwister-Streit, Zähne putzen, Kekse essen. Ausgeschlafene Kinder gehen anders mit Konflikten um als müde Kinder, ein todmüdes Kind darf auch mal ausnahmsweise keine Zähne putzen und zu Weihnachten essen wir alle deutlich mehr Süßes als sonst.

Fünfe gerade sein lassen können

Und trotzdem habe ich immer mal wieder ein schlechtes Gewissen, wenn ich meine Kinder einfach machen lasse. Und ihnen dabei zusehe. Und sehe, dass es ihnen gut geht. Verrückt, oder?

Wie ist das bei euch? Habt ihr auch diese kritischen Stimmen im Hinterkopf?

 

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4 Comment

  1. Reply
    Mama will Schoko
    3. Januar 2017 at 22:22

    Hallo!

    Oh ja, diese Stimmen höre ich ständig…und greife im Zweifelsfall ein, nur um mir Minuten später auf die Zunge zu beißen, weil das Kind lautstark protestiert. Es ist echt schwierig…aber so wie du schreibst, hängt es sehr von der Situation ab. Ich glaube, es ist ein steter Lernprozess. Ich habe da noch vieeel zu lernen.

    Liebe Grüße
    Schokomama

    1. Reply
      Ida
      3. Januar 2017 at 22:55

      Mama sein ist einfach ein steter Lernprozess. So erlebe ich das auch. Und sich seine Schwächen bewusst zu machen, ist doch schon ein ganz großer erster Schritt.

      Ganz liebe Grüße
      Ida

  2. Reply
    Vivian
    11. Januar 2017 at 12:51

    Ja, ich denke auch, dass situationsabhängig ist. Andererseits gibt es Dinge, die einfach immer gefährlich sind, bzw. das Kind auch noch nicht enschätzen kann, ob es in dieser Situation gefährlich ist oder nicht.
    Es gibt bei uns ein paar wenige Verbote, die aber immer gelten (z. B. nicht an elektronische Geräte gehen wie den Fernseher). Unserem Kind (1,5 Jahre alt) scheint es leichter zu fallen, wenn diese Regeln immer gelten und nicht mal so mal so. (Beim Herd haben wir es nämlich verpasst, ist bei uns kein Problem, weil er nicht heiß wird, bei den Großeltern aber schon – diesen Unterschied versteht er aber noch nicht.)
    Lange Rede kurze Sinn, es ist vor allem auch vom Kind abhängig.

    1. Reply
      Ida
      11. Januar 2017 at 21:26

      An solche Situationen hatte ich gar nicht gedacht – ich gebe dir hundertprozentig Recht: Bei uns gibt es auch einige wichtige und klare Verbote. Das finde ich ganz wichtig, denn sie sind ja zum Schutz des Kindes da.

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