Mein Kind kann das schon alleine! – Ein Beitrag zur Blogparade von Papaleaks

Alex von Papaleaks hatte die großartige Idee eine Blogparade zum Thema „Ratschläge aus der Hölle“ zu starten. Nachdem ich mit euch ja bereits meine Gedanken zum respektvollen Umgang mit Kindern und verschiedene Gedanken zur Bindungsorientierung geteilt habe, finde ich, dass diese Blogparade eine gute Gelegenheit ist, all das noch einmal auf den Punkt zu bringen.

„Gute Ratschläge“ bekam ich schon in meiner ersten Schwangerschaft, mit der ersten Geburt wurden sie jedoch nicht weniger. Und mit der zweiten auch nicht. Meine Fähigkeit auf Durchzug zu schalten nahm allerdings zu. Und meine Erfahrung half mir auch, denn Kind1 ist ein fröhliches, aufgewecktes Kind. So viel scheine ich also gar nicht falsch zu machen.

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Viele finden unseren Umgang mit unseren Kindern merkwürdig

Unsere Art mit unseren Kindern umzugehen ist für einige Menschen eine ziemliche Herausforderung – im besten Fall reagieren sie mit Neugier und Interesse, im schlimmsten (und anstrengendsten) Fall mit Ablehnung und Besserwisserei.

Unsere Erziehungsmethoden lesen sich vermutlich wie das 1×1 des Attachment Parenting: Stillen, Tragen, Familienbett, Stoffwindeln nebst Windelfrei-Anflügen, etc. Dass das so viel Gegenwind hervorrufen könnte, hätte ich niemals gedacht.

Die Standardkommentare

„Legst du das Kind jetzt mal in den Kinderwagen? Im Tragetuch bekommt es einen ganz krummen Rücken!“

„Schläft es immer noch bei euch? Wenn du so weiter machst, schläft es noch im Schulalter bei euch!“

„Stillst du immer noch? Das Kind muss doch mal was essen!“

„Geht es denn in den Kindergarten? Es muss doch andere Kinder sehen!“

Ich denke, ihr habt einen Eindruck gewonnen. Das Tolle mit zwei (oder noch mehr) Kindern ist, dass man aus eigener Erfahrung weiß, dass die klugen Menschen, von denen diese Ratschläge stammen, Unrecht haben.

Unsere Erfahrungen mit Attachment Parenting

Kind1 wurde ausschließlich getragen, bis sich Kind2 auf den Weg zu uns machte. Heute läuft Kind1 gern und viel zu Fuß, ist motorisch gut entwickelt und hat eine exzellente Körperhaltung. Natürlich wird Kind2 auch getragen. Und wenn irgendwann Kind3 (und Kind…) da sein sollte, werden wir es wieder genauso machen.

Kind1 schläft bis heute bei uns im Bett. Genauso wie Kind2. Kind1 ist ein eher unruhiger Schläfer und schläft auch heute noch nur hin und wieder durch, Kind2 schlief bereits im ersten Lebenshalbjahr durch. So unterschiedlich ist das. Und am Familienbett liegt es offensichtlich nicht. Sollten unsere Kinder noch im Schulalter bei uns schlafen wollen, müssen wir wohl anbauen. Aber dann ist das eben so. Wo ist denn da eigentlich das Problem?

Kind1 wurde 13 Monate lang gestillt – 11 Monate davon ausschließlich. Heute hat Kind1 ein gutes Gespür dafür, was es braucht und wie viel, ist weder zu dick noch zu dünn, ist neugierig und probiert alles, was wir auch essen. Manchmal isst Kind1 viel, dann wieder ganz wenig. Wir verlassen uns auf sein Gespür und greifen nicht ein. Und nein, wir kontrollieren nicht wie viel es  gegessen und getrunken hat. Mal sehen, wie lange Kind2 gestillt werden möchte.

Weder Kind1 noch Kind2 gehen in den Kindergarten und bisher ist auch nichts dergleichen geplant. Beide Kinder sind aufgeschlossen und kontaktfreudig. Kind1 fällt dadurch auf, dass es ausgesprochen sozial ist – welches Kind läuft schon im Spielkreis umher und achtet darauf, dass auch jedes Kind etwas zum Spielen hat? Welches zweijährige Kind sucht für das Geschwisterchen ein Spielzeug, wenn dieses sich etwas geangelt hat, was es nicht haben darf?

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Was ich euch damit sagen möchte?

Ganz einfach: Wie vermutlich jeder andere Pädagoge habe auch in meinem Studium gelernt, dass das Kind der Akteur seiner Entwicklung ist. Und das ist keine nette Floskel, sondern ein Fakt. Kinder steuern ihre Entwicklung selbst. Sie brauchen uns Erwachsene als Begleiter, Unterstützer, Berater und Beschützer – entwickeln tun sie sich aber selbst.

Das können sie allein.

Kind1 darf sich selber ein Brot schmieren (mit einem Messer), Kind1 darf mit der Gabel essen, auf dem Klettergerüst klettern das Geschirr abtrocknen. Und „Nein!“ sagen.

Kind2 darf jederzeit auf den Arm oder ins Tragetuch, darf jederzeit stillen und schläft, wenn es müde ist.

Unsere Kinder fallen immer wieder durch ihre Ausgeglichenheit und Zufriedenheit auf. Vielleicht sind sie einfach glücklich – und Kinder dürfen doch glücklich sein, oder?

Mehr Beiträge zum Thema findet ihr bei Papaleaks.

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0 Comment

  1. Reply
    Susanna
    25. Mai 2016 at 06:11

    Ein ganz wunderbarer Artikel zum Thema „Wie begleite ich mein Kind“ Auch ich bin der Meinung , dass wir unsere Kinder begleiten dürfen auf ihrem Weg in unsere Welt. Es gibt wirklich kluge Aussagen wie „Gebt den Kindern Wurzeln und Flügel“ diese zu beherzigen ist nicht immer leicht, aber wenn wir ein Gespür für unsere Kinder entwickeln, zeigen sie uns den Weg. Ich bin schon länger Großmutter und kann nur sagen, meine Enkelkinder sind sehr ausgeglichen und fröhlich. Sie werden nicht in irgendwelche Formen gepresst und es ist so wundervoll zu beobachten, wie und wann sich das Eine oder Andere entwickelt. Liebe Schreiberin, verfolge deinen Weg weiter, auch mit den vielen „Besserwissern“ die man immer wieder antrifft.

    1. Reply
      livingacatholicfairytale
      25. Mai 2016 at 06:49

      Danke für deinen ermutigenden Kommentar. Ich würde sagen wir begleiten uns als Eltern und Kinder gegenseitig und lernen voneinander. Das sind zwar ganz unterschiedliche Dinge, aber ich glaube ich habe von niemandem bisher mehr gelernt als von meinen Kindern.

      1. Reply
        Susanna
        25. Mai 2016 at 16:50

        Von unseren Kindern lernen……… da ist was dran. Ich lerne immer noch von meinen Kindern und verstärkt auch von meinen Enkelkindern. Es ist ein Geschenk dabei sein zu dürfen, wenn so kleine Menschen ins Leben schreiten. Es ist für mich auch ganz beglückend die Ernsthaftigkeit beim Spielen beobachten zu dürfen.

        1. Reply
          livingacatholicfairytale
          25. Mai 2016 at 17:13

          Deshalb hat Maria Montessori das Spiel ja auch als „Arbeit“ bezeichnet.

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