Medien und Kinder – ein Gastartikel von Mama Juja

Vor einigen Wochen haben Mama Juja und ich uns über das Thema Kinder und Medien ausgetauscht. Mein eigener Artikel zum Thema will so gar nicht gelingen, aber zum Glück hat Julia vorgeschlagen ihren Text hier mit euch zu teilen.

Los geht’s:

Ida von abullerbuelife fragte auf Twitter nach unsren Mediengewohnheiten, Frau Papa erzählte unlängst frank und frei bei Tollabea  davon und Natascha von der Familienbegleitung Köln hat eigentlich schon die schönsten Gedanken  dazu aufgeschrieben. Gut finde ich bei all dem die Richtung, die sich da herauskristallisiert: Man wird zumindest nicht mehr sofort gesteinigt, wenn man ehrlich auf die Frage von Ida antwortet. Das heißt hoffentlich, dass nach und nach auch bei diesem Thema die Hüllen und die falsche Scham fallen. Darum dachte ich mir, ich mache mit. Also, bei den fallenden Medien-Hüllen. Und in gespannt, was Ida dazu sagt…!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir machen das aber recht kurz und schmerzlos, ja? Ich laufe sonst Gefahr, es eben doch wieder beschönigen zu wollen… Die Rahmendaten sind: K1 ist grade vier, K2 eins. Der Herr Wikinger und ich, wir sind alt, so alt, dass wir uns noch an Fernsehen mit Werbung erinnern. Aber sowas antiquiertes nutzen wir nicht mehr. Ich bin ursprünglich Germanistin, der Herr Wikinger eigentlich sowas wie ein Programmierer. Was er heute tut, verstehe ich nicht ganz aber irgendwie ist es damit entfernt verwandt. Manchmal. Also. Nein, ich verstehe es nicht. Was ich sagen wollte: Wir haben in jedem Raum zig Bücher und zwei Monitore stehen. So.

Jetzt ist es raus.

Aber wie genau ist das jetzt, mit diesen Medien? Streng genommen müsste ich Euch erstmal den Begriff Medium definieren und mitteilen, dass Radio bei uns keine Größe ist, Bücher unbegrenzt zur Wahl stehen (immer!) und Hörspiel eigentlich auch. Allerdings hören wir zumeist Drei??? und da will ich dann auch mithören. Also gibt es das meistens im Auto, auf Ausfahrten, weil das Großkind dann beschäftigt ist, ich mich freue und in Ruhe kucken kann weil das Kleinkind die Geräuschkulisse ebenfalls mag und manchmal sogar dabei einschläft. Ich höre fiese Kommentare von der Seite, der Vierjährige könne nie und nimmer Drei??? verstehen und wenn sei es zu gruselig? K1 ist (wie K2 auch) letztlich damit aufgewachsen, denn das Hörspiel und meine Autofahr-und-Geschichte-hör-Leidenschaft gibt es schon länger als ihn. Und als er nach etwa acht bis zehn Monaten dann auch endlich mal einige Kilometer ohne Geschrei im Auto zurücklegen konnte, wurde das sofort wieder etabliert. Ich mag es einfach zu gerne, um dauerhaft ohne zu leben. Wie so ein kleiner Kurzurlaub.

Gefahren werden, lauschen, kucken.

Früher ist er, wie sein Bruder jetzt, meistens dabei eingeschlafen. Später haben wir einfach immer mit ihm über das Gehörte gesprochen, wenn möglich. Ein bisschen anstrengend. Denn ab dem Moment, wo er auch nur das kleinste bisschen verstanden hatte, hat er auch nachgefragt. „Warum? Und was hat Peter Shaw jetzt gemacht? Warum? Und was passiert jetzt? Warum?“ Ich war stellenweise kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Der Kerl ist dabei zum Glück geduldiger. Und so hat er dem Kind um und bei 160 Folgen Drei??? erklärt. In Echtzeit. Immerhin, er fuhr dabei und ich auch.

Kinder und Medien, Kinder und Medien-YouTube killed the TV-Show
AutoAusflugsFoto *imHintergrundDrei???*

Und heute? Heute versteht er die Folgen, er fiebert mit, er kann Justus Jonas übersetzen und auch sonst hat er sich ganz praktisch entwickelt und fragt immer mal wieder nach einer Ausfahrt mit Geschichte. Aber auch wenn er nicht zur Tagespflege geht und ich den kleinen Bruder ins Bett bringen möchte, sind die Drei??? oft meine Rettung. Denn außer bei diesem Hörspiel ist es wirklich schwierig, das Großkind still (bewegungsarm und geräuscharm) zu bekommen. Ist gar nicht seine Aufgabe, ich weiß das schon aber… In den Anfangszeiten zu viert habe ich auch versucht, die für den Kleinwikinger nötige Ruhe zum Schlafen über Tablet oder Fernseher für K2 zu erreichen. Hat nicht so gut geklappt. Müsst gar nicht empört schnaufen. Funktioniert tatsächlich so selten, dass es nicht mehr Mittel der Wahl in solchen Fällen ist.

Butter bei die Fische: Tablet und TV!

Ja, da sind wir nun. Und ich kann leider keine pauschale Antwort geben. Aber allein die Formulierung zeigt: das Kind hat ein Tablet und es sieht auch im weitesten Sinne fern. Im engeren Sinne heißt das Netflix und Amazon Prime. Und der Teufel höchst persönlich: YouTube. Ich meine das tatsächlich so. Denn was als gute Idee angefangen hat ist inzwischen ganz nahe an diesem Fernsehen mit Werbung dran, das ich als so antiquiert bezeichnet habe. Und damit auch an dem Teil, den ich an Fernsehen und Medien wirklich gefährlich finde. Denn was das Kind kuckt und welche Filme es sich aussucht, das bespricht er mit uns, das zeigt er uns, das ist präsent und nachvollziehbar. Welche Werbung YouTube dazwischen schaltet und wie die bei ihm ankommt- DAS ist kniffliger.

Oder halt der Teufel höchstpersönlich.

Kinder und Medien, Kinder und Medien-YouTube killed the TV-Show
Buch. Nicht der Teufel.

Ernsthaft: Das ist wirklich scheiße. Ich bin froh, dass er diesen Medienkanal schon nutzte, bevor diese Werbung so weit verbreitet war und quasi mit der Werbung mitgewachsen ist. Dass er unbeeindruckt davon seine Serien anklickt und meistens die Serien kuckt und nicht die Werbung. Aber ganz gruselig finde ich halt, dass er den Jingle von Check24 singt, wenn ich mit dem Wikingergatten Versicherungen bespreche. Oder mir ganz zutraulich ins Ohr flüstert: „Ernstings Family ist von glücklichen Familien empfohlen.“  Oder dem kleinen Bruder Flaschennahrung zum Geburtstag schenken will, weil die gesagt haben, dass das Babies klug macht.

Wir sind darin überein gekommen, dass die kleine Matschrübe von selber klug werden wird.  Und nach und nach dämmert ihm auch, dass Werbung nicht dasselbe ist wie ein guter Rat. Ein wichtiger Entwicklungsschritt und ich finde toll, wie er den meistert. Wünschen würde ich mir, er müsste es nicht. Aber weil ich ihm das eigenverantwortliche Tablet-Kucken erlauben will, lernt er es. Und freut sich darüber, was er auf YouTube alles entdecken und uns zeigen kann: Dino-Songs. My little Pony-Songs. Gummibärenbande. Und Minecraftanleitungen. Über Minecraft weiß das Kind dank dem Tablet mehr, als der ProgrammiererPapa.

Minecraft-Profi und Mixel-König

Kinder und Medien-YouTube killed the TV-Show
Minecraft als FamilienHobby

Und genau das macht, dass ich in Bezug auf das Kind und seine Medien relativ entspannt bin: Der Großwikinger entwickelt ein Interesse. Minecraft. Und er findet wirklich jedes.verdammte.Video, das YouTube dazu zu bieten hat. Jedes. Er kuckt sich an, wie einer dieser … äh… wie heißen die?… Spieler (?) sich durch ganz Minecraft spielt, merkt sich Tricks und Kurioses, setzt sich neben seinen Minecraft spielenden Papa und gibt erstmal großspurig Tips. Er verliebt sich in Lego Mixels und findet jedes.verdammte.Video dazu, packt das Tablet aufs Hochbett und baut erstmal zwei Stunden lang zehn Mixels. Dann ist der Akku leer, er merkt es gar nicht und kommt nach einem halben Tag Mixels bauen mit hochroten Wangen ins Wohnzimmer und fragt, warum eigentlich schon Nacht ist.

Und auch wenn Ihr es nur schwer glauben wollt: Das war schon immer so. Der Großwikinger saß noch nie mucksmäuschenstill vor dem Fernseher. Er rannte immer mit, wenn irgendwo einer rannte. Er hüpfte folgenweise (!) auf dem Trampolin mit, wenn die Gummibärenbande lief. Und er sammelte ganz aufgeregt das ganze Feuerwehrkabinett zusammen, wenn bei (diesem unfassbar doofen, Durchfall soll sein Erfinder bekommen!) Feuerwehrman Sam ein Notfall sich anbahnte. Seine Cousine wird manchmal wahnsinnig, wenn sie mit ihm Paw Patrol kucken will und er nur rumhibbelt. Ich bin da schwer bei ihr. Mich macht es auch irre. Aber es ist auch ziemlich cool, so von dem Mütterstandpunkt aus gesehen.

Kinder und Medien: Interaktiv

Insofern mache ich mir auch wenig Gedanken über die Dauer, die der Großwikinger vor dem Tablet verbringt. Stattdessen mache ich mir täglich Gedanken, ob der Herr genug Auslauf hatte. Denn unser Zusammenleben wird maßgeblich davon beeinflusst, ob er ausgelastet ist oder nicht. Inzwischen ist er zwar alt genug, um auch mal einen (verregneten, kalten oder einfach nur faulen) Tag zu Hause zu verbringen. Aber es rächt sich. Jedes Mal. Und zwar nicht um sechs. Nicht um sieben. Sondern zwischen elf und drei Uhr nachts.

Es lohnt sich für uns, bei nahezu jedem Wetter nochmal ein paar Minuten auf den Spielplatz zu gehen, eine Nachtwanderung zu machen oder einfach nur nochmal kurz zum Einkaufen zu laufen. Und es entspannt mich in der Diskussion, ob das Kind zu viel fernsieht. Oder das Falsche. Oder überhaupt, manche Leute stellen diese Fernseh-Frage doch nur, um stänkern zu dürfen. Da kann ich dann auch nicht helfen. Die dürfen dann jetzt einfach stänkern, oder?

Kinder und Medien, Kinder und Medien-YouTube killed the TV-Show
Hauptsache, der Auslauf stimmt.

Jetzt habe ich fast den ganzen Beitrag geschafft, ohne zu erwähnen, dass das Kind auch ein Medien-Detox bravourös und fast ohne Tränen überstanden hat. Und ich auch. Ich habe auch nicht erzählt, dass das Kind gar nichts dagegen hat, wenn der Fernseher momentan frühstens nach dem Abendessen zur Debatte steht. Ich bin tiefenentspannt mit dem Thema, oder?!

So far, Ihr Lieben, küsst die Kinder und bleibt auch entspannt.

Eure Julia

 

Wie geht ihr mit Medien in eurer Familie um?

 

 

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