Meine Erfahrungen als langzeitstillende Mama – gastgebloggt bei geborgen und geliebt

Das Thema „Langzeitstillen“ ist immer mal wieder in aller Munde. Das ist an sich gar nicht so neu, denn auch meine Mutter erinnert sich noch lebhaft an Diskussionen über Stillen, Ernährung mit der Flasche, Beikost, Familientisch und die optimale Dauer der Stillzeit, die sie in der Zeit geführt hat als ich selbst noch klein war.

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Mein subjektiver Eindruck ist jedoch, dass sich die Diskussionen verändert haben. Dass die gesellschaftliche Stimmung dem Thema gegenüber deutlich offener und freundlicher geworden ist. Dass Mütter heute weniger angegriffen werden als noch vor ein paar Jahrzehnten. Um diese Entwicklung weiter zu unterstützen hat Lisa von geborgen und geliebt eine Blogreihe ins Leben gerufen, die die Erfahrungen langzeitstillender Mütter in den Mittelpunkt stellt. Und dabei möchte ich sie heute unterstützen.

Denn ich habe auch lange gestillt. Und tue es immer noch.

Vor einiger Zeit habe ich schon einmal ein paar Gedanken zum Stillen mit euch geteilt. In diesem Text möchte ich noch bisschen weiter in die Tiefe gehen. Denn bevor ich selbst Mutter wurde habe ich mir über das Stillen an sich nie viele Gedanken gemacht. Ich fand es einfach normal, dass eine Mutter ihr Kind stillt. In meiner ersten Schwangerschaft begann ich erstmals zu ahnen, mit wie vielen Emotionen und vor allem Vorstellungen von richtig und falsch das Stillen überladen ist.

Bis kurz vor der Geburt meines ersten Kindes hatte ich mir gar keine großartigen Gedanken darüber gemacht, wie lange ich es stillen wollte. Und warum auch? Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass man zum Stillen tatsächlich einen Plan braucht. Meine Umwelt sah das anders. Nach vier Wochen (!) wurde ich zum ersten Mal gefragt, ob ich denn noch stillte und ob ich denn nicht zumindest schon mal etwas Fencheltee zufüttern würde. Und so ging es weiter.

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„Jetzt hat dein Kind die ersten Zähne. Jetzt MUSST du aber abstillen, sonst beißt es dich!“ Was für eine Aussage. Ich musste milde lächeln, denn müsste ich nicht als allererstes merken, wenn mein nun bezahntes Kind mich beim Stillen beißen würde? „Wenn du dein Kind nicht langsam abstillst, wird es nie vernünftig essen!“ und „Jetzt bist du wieder schwanger, jetzt musst du aber wirklich abstillen!“ – so ging es weiter.

Und ich habe einfach mit den Schultern gezuckt.

Langzeitstillen ist eine persönliche Entscheidung – genau wie Kurzzeitstillen oder gar nicht stillen.

Interessanterweise wurden solche (wie ich finde ziemlich übergriffigen) Aussagen mit dem zweiten Kind weniger. Und ich gehe fest davon aus, dass sich bei einem nächsten Kind schon gar keiner mehr für diese Fragen interessieren wird.

Was ich daraus gelernt habe?

  1. Stillen ist eine persönliche Entscheidung. Es spricht sehr viel dafür zu stillen (und lange zu stillen) und trotzdem wird das nicht für jeden die richtige Entscheidung sein. Zu einer Stillbeziehung gehören immer zwei (bzw. mindestens, bei Mehrlingen natürlich entsprechend mehr) und es muss allen Beteiligten gut damit gehen. Einflüsse von außen sind ganz und gar unangebracht, außer natürlich wenn die Mutter ausdrücklich um Rat gebeten hat.
  2. Stillen ist immer wieder anders. So wie jedes Kind, jede Schwangerschaft und jede Geburt anders ist, so ist auch jede Stillbeziehung anders. Manch ein Kind möchte lange gestillt werden und zeigt erst sehr spät Interesse an fester Nahrung. Ein anderes Kind dagegen ist schon früh neugierig auf Beikost und Familientisch und zeigt gar nicht mehr so viel Interesse am Stillen. Und wieder ein anderes Kind geht ganz und gar anders mit dem Stillen um.
  3. So wie jede Stillbeziehung verschieden ist, so ist auch die Dauer einer jeden Stillbeziehung unterschiedlich. Geschwister sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Bedürfnisse. Aber auch die Bedürfnisse der Mutter sind bei jedem Kind anders. Und die Begleitumstände: Der Altersabstand der Geschwister, eine neue Schwangerschaft, Berufstätigkeit, Eingewöhnung in Kindergarten oder Schule, ein Umzug. All das hat Einfluss auf uns und unsere Stillbeziehungen.

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Mein Wunsch an die Gesellschaft…

Keiner Mutter und keinem Kind ist mit ungebetenen und dazu noch übergriffigen Ratschlägen geholfen, denn Kommentare dieser Art verunsichern nur. Viel schöner fände ich es, wenn wir alle uns als Gesellschaft bemühen würden, Mütter und Kinder zu bestärken und zu unterstützen. Natürlich auch mit Ratschlägen (wenn diese denn ausdrücklich gewünscht werden), vor allem aber mit Offenheit, Interesse, Anteilnahme und Warmherzigkeit.

Was hättest du dir für deine Stillzeit gewünscht und was wünschst du dir jetzt? Erzähl es mir! Ich bin neugierig.

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