Bleiben wir kitafrei? Warum wir darüber nachdenken unsere Kinder in Waldorf-Einrichtungen zu geben

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel über unsere Haltung zur Waldorfpädagogik geschrieben. Verständlicherweise waren nicht alle auf diesen Artikel Reaktionen positiv, da ich einige Aspekte der Waldorfpädagogik zwar sehr schätze, andere aber auch offen kritisiert habe. Unsere Haltung und unsere Einstellung hat sich gar nicht geändert – und trotzdem denken wir mittlerweile darüber nach unsere Kinder in Waldorf-Einrichtungen zu schicken.

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Wie konnte es denn dazu kommen?

Eigentlich finde ich diese Entwicklung gar nicht so verwunderlich, denn viele Aspekte der Waldorfpädagogik haben uns schon immer sehr gut gefallen. Es bleibt eine Abwägungsfrage. Überwiegen für uns die negativen oder die positiven Aspekte? Im Moment sind es eher die positiven. Aber wir haben noch keine Einrichtung gefunden und wir sind uns auch noch gar nicht sicher, was genau wir eigentlich wollen.

Was wollen wir denn jetzt eigentlich?

Mal sehen. Vielleicht werden unsere Kinder eine Vormittagsgruppe in einem Waldorfkindergarten besuchen. Wenn wir einen Platz bekommen. Und wenn wir pädagogisch mit dem Team überein stimmen. Und wenn unsere Kinder sich dort wohl fühlen. So einen Platz haben wir noch nicht gefunden. Aber wir halten Ausschau.

Es gibt immer noch so viele offene Fragen

Die allererste Frage bleibt die nach der konkreten Einrichtung, also dem Kindergarten. Ob wir zusammen passen, ob wir das wirklich für unsere Kinder wollen, ob unsere Kinder das wollen. Die zweite große Frage ist: Wann? In welchem Alter sollen unsere Kinder in den Kindergarten kommen? Mit 3, 4, 5 – oder gar nicht?

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Und was mögen wir jetzt an Waldorf?

Ein Waldorfkindergarten versucht in einem pädagogischen Kontext das abzubilden, was natürlicherweise in einer Großfamilie tagsüber vor sich gehen würde. Die Erzieherinnen gehen verschiedenen Hausarbeiten nach (backen, waschen, wolle kämmen, bügeln, nähen, filzen – you name it), an denen die Kinder Anteil haben können. Wenn sie möchten. Und nur dann. Kein Kind ist angehalten an den Aktivitäten der Erzieher teilzunehmen, denn dem Freispiel wird in der Waldorfpädagogik viel Raum gegeben.

Und nicht nur das: Ich bin ein großer Freund der Spielmaterialien in der Waldorfpägogik. Stoffpuppen, Kastanien, Holzklötze (oft mit Rinde, in naturbelassener Form), Bänder und Schnüre, Tücher. Das ganze Spielzeug ist aus Naturmaterialien hergestellt – oft von den Erziehern selbst. In Zusammenarbeit mit den Kindern.

Förderung der Phantasie

Die Spielmaterialien lassen viel Raum für Phantasie und sind vielseitig bespielbar. Außerdem stehen Bienenwachsknete, Wachsstifte und Aquarellfarben zur Verfügung. Die Kinder können sich also kreativ austoben. Oft gibt es sogar eine Ecke für Schnitzarbeiten.

In Waldorfkindergärten wird außerdem viel gesungen – und es geht ruhig zu. Das alles spielt für uns eine Rolle, das alles spricht für die Waldorfpädagogik. Das alles könnte ich aber auch zu Hause zur Verfügung stellen.

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Unsere Kinder brauchen keinen Kindergarten

Auch Kontakt mit anderen Kindern gibt es außerhalb des Kindergartens, genauso wie vielseitige natürliche Spielmaterialien, gemeinsames Singen, gemeinsame sinnvolle Tätigkeiten (kochen, backen, waschen, Handarbeit, etc.) Unsere Kinder brauchen keinen Kindergarten.

Aber sie müssen eines Tages zur Schule gehen und das Waldorfschulkonzept gefällt uns ebenso gut, wie das des Kindergartens (auch wenn wir die Anthroposophie, die hinter der Waldorfpädagogik steht nach wie vor sehr kritisch sehen). Ob unsere Kinder allerdings einen Platz in einer Waldorfschule bekämen, ohne vorher einen entsprechenden Kindergarten besucht zu haben, steht in den Sternen.

Womit wir wieder beim Anfang wären.

Wir drehen uns im Kreis. Kennt ihr diese Gedanken? Wie geht ihr damit um? Welche Lösungen habt ihr gefunden?

 

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4 Comment

  1. Reply
    Kathrin
    24. September 2016 at 14:39

    Unsere Kinder besuchen beide einen Kindergarten, seit Anfang an. Wir passen gut zusammen, also die Kita und unsere Familie. Und wir erleben es als fruchtbaren Austausch! Es ist toll, wie die Kinder sich auch dort entwickeln und wie die Betreuer dort unsere Kinder sehen und erleben. Es ist als würden unsere Kinder dort einen weiteren Teil ihrer Persönlichkeit entfalten!

    1. Reply
      Ida
      24. September 2016 at 16:28

      Schön, dass ihr einen Weg gefunden habt, der so gut zu euch passt!

  2. […] Was für uns dagegen für Waldorfeinrichtungen spricht, lest ihr hier. […]

  3. […] und überhaupt mit euch. Im September habe ich euch erzählt, dass wir uns fragen, ob ein „Waldorfkindergarten“ das Richtige für unsere Kinder sein könnte. Demnächst erfahrt ihr, wie wir uns […]

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