Kita-Frei – Warum unsere Kinder (bisher) nicht in den Kindergarten gehen

„Geht dein Kind schon in den Kindergarten?“ – diese Frage wird Eltern, deren Kind ein Jahr oder älter ist, regelmäßig gestellt. Manchmal wird sie auch nicht gestellt, dann geht das Gegenüber einfach davon aus, dass das Kind schon in die Kita geht.

Auf die Antwort „Nein, unser Kind geht noch nicht in die Kita.“ folgt oft eine zweite Frage: „Wann muss sie/er denn?“

Faktisch müssen Kinder überhaupt nicht in die Kita gehen. Die meisten kommen zwar spätestens nach dem dritten Geburtstag in den Kindergarten, einige bleiben aber auch zu Hause bei ihren Familien – oder verbringen Zeit bei einer Tagesmutter, Nachbarn und Freunden der Eltern oder mit den Großeltern und anderen Familienmitgliedern.

Das ist jedoch selten geworden.

Warum eigentlich?

20160319_090424In den meisten Familien tragen beide Elternteile zum Familieneinkommen bei, oft ist das eine äußere Notwendigkeit, damit die Familie gut über die Runden kommt, oft spielt aber auch das Bedürfnis der Eltern nach einer beruflichen Tätigkeit, die Angst vor dem sozialen Abstieg und andere Faktoren eine Rolle. Abgesehen von diesen Gründen fühlen sich allerdings viele Eltern auch gar nicht in der Lage ihren Kindern all das zu bieten, was diese für ihre Entwicklung brauchen.

Nicht wenige Eltern befürchten, dass Kinder, die ihre Kindheit zu Hause bei ihrer Familie verbringen und den Großteil ihres Alltags spielend verbringen, weniger leistungsfähig sein könnten und in der Schule schlechtere Leistungen erbringen könnten als ihre Altersgenossen, die in „professionelle Hände“ abgegeben werden.

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Unsere Kinder gehen nicht in den Kindergarten.

Das bedeutet allerdings mitnichten, dass sie ihren Altersgenossen in ihrer Entwicklung (sozial, emotional, kognitiv oder motorisch) irgendwie nachstünden. Unsere Kinder verbringen ihren Alltag so, wie sie selbst es möchten. Wir arrangieren keine Bildungsangebote für sie, wir überwachen nicht, ob sie einen gewissen Kompetenzkatalog abgearbeitet haben – wir lassen sie einfach spielen. Und entdecken. Und experimentieren. Und ausprobieren. Und Fehler machen.

Und Unsinn machen.

Unsere Kinder organisieren, gestalten und arrangieren sich ihre Lernumgebung selbst – und das sehr erfolgreich. Wir unterstützen sie dabei, wir nehmen daran teil, wir lassen sie an unserem Alltag teilhaben und mitmachen. Aber wir geben nichts vor. Und das müssen wir auch gar nicht.

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Unsere Kinder sind – wie auch alle anderen Kinder – sehr wissbegierig. Sie sind neugierig und lernwillig, sogar lernbegeistert. Sie möchten lernen, sie möchten all das lernen, was wir tun. Und sie möchten all das lernen, was sie interessiert.

(U.a.) aus diesem Grund gehen sie nicht in den Kindergarten.

Diese Haltung unseren Kindern gegenüber heißt Unschooling.

 

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0 Comment

  1. Reply
    unserlebenmitemily
    14. April 2016 at 05:58

    Ich finde das super! Kinder lernen alleine aus ihrem eigenen inneren Antrieb heraus.
    Liebe Grüsse,
    Isabelle

    1. Reply
      livingacatholicfairytale
      14. April 2016 at 10:25

      Ganz genau! Irgendwie muss das aber immer mal wieder in Erinnerung gerufen werden, denn aktuell gerät das zum Teil ein bisschen in Vergessenheit.

      1. Reply
        unserlebenmitemily
        14. April 2016 at 10:45

        da hast du leider recht :(. Ich finde diese Entwicklung sehr besorgniserregend.

        1. Reply
          livingacatholicfairytale
          14. April 2016 at 11:00

          Das ist sie auch! Deswegen ist es mir so wichtig diese Frage und die ganze Thematik immer wieder ans Licht zu zerren und darauf aufmerksam zu machen. Kinder sind kleine, großartige Menschen. Keine Gefäße, die gefüllt werden müssen und auch keine Maschinen mit Betriebsanleitlung.
          Kind sind Akteure ihrer eigenen Entwicklung und wir sind ihre Begleiter.

  2. Reply
    Frauke
    22. Mai 2016 at 06:20

    Ich bin selbst Erzieherin und akzeptiere jede Entscheidung von Eltern. Leider gibt es bestimmt viele Kitas, die Eltern Angst oder Sorgen machen. Ich finde es sehr schade. Dein Satz: „Unsere Kinder organisieren, gestalten und arrangieren sich ihre Lernumgebung selbst – und das sehr erfolgreich. Wir unterstützen sie dabei, wir nehmen daran teil, wir lassen sie an unserem Alltag teilhaben und mitmachen. Aber wir geben nichts vor. Und das müssen wir auch gar nicht.“ …trifft z.B. auf unsere Kita voll zu. Es ist etwas Neues und es findet ein Umdenken statt, aber nur so können Kinder und Erzieher im Alltag glücklicher und gelassener werden.

    1. Reply
      livingacatholicfairytale
      22. Mai 2016 at 08:15

      Ich bin selbst Erziehungswissenschaftlerin und weiß, dass nicht alle Kinder die gleichen Voraussetzungen haben. Und ich wollte nicht aussagen, dass die Kita per se eine schlechte Entscheidung sein muss. Ich wehre mich nur dagegen, dass angeblich alle Kinder in die Kita gehen müssten, um gebildet „zu werden“.

  3. Reply
    UrWeib
    23. Mai 2016 at 05:48

    Hat dies auf Spirituelles Leben mit Kindern ~ Doulas im Saarland ~ YogaTara´s Blog rebloggt und kommentierte:
    Wir teilen diese Gedanken zum Thema Kigafrei und Unschooling 😉 Aber lest selber bei Abullerbuelife <3

  4. Reply
    steffiiscooking
    24. Mai 2016 at 21:31

    Ich finde es toll gleichgesinnte Mamas zu erfahren. Wir werden ggf. auch auf die Kita verzichten. Allerdings bin ich von Natur aus ziemlich strukturiert in meinem Alltag. Ich bin mit zwei Kleinstkindern (1 und fast 3) daheim und habe vorrangig für den Älteren einen Wochenablauf geplant , in denen wir auch Projekte/Experimente etc bearbeiten, stets zu neuen interessanten Themen, wir gehen zu einen Leseclub, sprechen Englisch, Schwimmen, Bewegungsspiele, Turnverein, Backen, gemeinsames Singen, Basteln, Kneten, Tuschen .. alles hat einen Raum unter der Woche bei uns gefunden, neben anderen Aktivitäten.. Selbst eine Spielgruppe habe ich ins Leben gerufen, um auch ohne Kita den Austausch mir anderen Kids und die geistige, körperliche Entwicklung zu fördern. Mich würde freuen, wenn auch weitere Mütter so denken und ihre natürliche Bestimmung annehmen würden,nach einer Geburt auch Mutter zu sein und nicht Organisatorin , wo das Kind gleich hingegeben werden kann.. Schaut euch unsere kranke Gesellschaft an. Irgendwie müssen wir starten. Und durch Bindung zur Mutter , nicht nur in den ersten Jahren stärken wir das Selbstvertrauen unserer Kinder, deren körperliche und geistige Gesundheit und fördern eine nachhaltige Gesellschaft. Ja, hierfür müsste der Eine oder Andere auch auf nicht wenige materiellen Dinge verzichten. Wir haben zu lange an das Materielle geglaubt und geglaubt dies wird unsere Leere füllen. Glaubt an Euch und eure Kinder. Nur Bindung stimmt uns nachhaltig glücklich. Gruß Steffi

    1. Reply
      livingacatholicfairytale
      25. Mai 2016 at 06:46

      Ich finde die Kita wie gesagt nicht per se schlecht, aber eben auch nicht per se notwendig. Sollten unsere Kinder irgendwann von sich aus in die Kita wollen, suchen wir ihnen einen Platz.
      Ich finde deine Schilderung sehr spannend: Familien sind so unterschiedlich! Wir sind nicht so durchstrukturiert und zu uns passt das auch nicht. Zu euch aber schon.

  5. Reply
    Lyn
    2. Juni 2016 at 11:20

    Hallo, auch ich finde es schön wenn Kinder die ersten Jahre im geschützten familiären Umfeld verbringen dürfen uns nicht etwa nach neun Monaten irgendwo abgegeben werden, am besten noch mit dem Argument, es sei besser für ihre Entwicklung. Mein Sohn war die ersten drei Jahre zu Hause und kam dann in eine kleine Elterninitiative mit 15 Kindern von 2-6 Jahren, darunter einige Geschwisterpaare. Erweiterte Familie sozusagen. Ich finde in unserem Fall profitiert er schon von der Kita. Wir wohnen in der Stadt und kannten bisher wenige andere Familien mit kleinen Kindern. Durch die Kita hat sich unser gesamtes soziales Umfeld sehr positiv erweitert und wir haben tolle Freunde gefunden, nicht nur unter den Kindern. Hier zu Hause wäre es sicher schwierig geworden

    1. Reply
      livingacatholicfairytale
      2. Juni 2016 at 11:57

      Das ist doch wunderbar!
      Das Thema „Kita“ oder „kitafrei“ ist immer schwierig zu diskutieren, weil es schnell so wirkt als ob man absolute Positionen vertreten würde. Ich hoffe, dass mein Artikel so nicht angekommen ist. Natürlich gibt es Kinder und Familien, die von der Kita profitieren. Natürlich gibt es Kinder, die sehr gern und ganz ohne Zwang in die Kita gehen. Und es gibt Familien, für die es einfach keine Alternative zur Kita gibt.
      Ein Kind, das gern in die Kita geht, sollte nicht aus ideologischen Gründen von ihr ferngehalten werden.

      Wogegen ich mich aber immer wieder wende ist, dass in einigen gesellschaftlichen Gruppen der Kita-Besuch als alternativlos angesehen wird, dass der Kita-Besuch nicht ausgewogen und unkritisch genug betrachtet wird. Ein Kind MUSS nicht in die Kita gehen und manchen Kindern tut ein Kita-Besuch auch einfach nicht gut. Ein Kind MUSS aber auch nicht zu Hause bleiben, wenn es sich denn in der Kita wohl fühlt.

      Die meisten Eltern haben die Kompetenz sich gut um ihre Kinder zu kümmern und gut für sie zu sorgen. Mit ausreichend Sozialkontakten, einer anregungsreichen und kindgerechten Umgebung und einem bindungs-, bedürfnis- und beziehungsorientierten Umgang mit dem Kind ist eigentlich alles getan, was für die gesunde und gute Entwicklung des Kindes notwendig ist. Wenn all das gegeben ist, ist ein Kita-Besuch nicht zwangsläufig notwendig.

  6. […] „Kitafrei „– Wie im letzten Monat haben wir auch im Juni ausgiebig darüber diskutiert, warum unsere Kinder (bisher) nicht in den Kindergarten gehen und wie das bei euch so ist. […]

  7. Reply
    Angela
    5. Juli 2016 at 09:22

    Dass es sowas noch gibt! Ich war auch nicht im Kindergarten, weil meine Eltern uns in der DDR nicht der Ideologie aussetzen wollten und weil meine Mutter eh zuhause war. In der Schule waren meine Geschwister und ich gut bis sehr gut. Allerdings hab ich mich in Gruppen nie wohl oder sogar unsicher gefühlt und fühle mich bis heute (Mitte 30) deutlich wohler mit älteren Menschen als mit Gleichaltrigen. Ich werde es wohl nie wissen, aber frage mich schon, ob das anders wäre wenn ich in den Kindergarten gegangen wäre.
    Trotzdem wollte ich meine Kinder auch zuhause lassen, aber da mein Mann das anders sieht (er war gerne im KiGa) und wir in unserem Umfeld die einzigen wären mit unschooling, kam unsere Große doch mit reichlich drei in den Kiga und geht auch gerne (9-12).
    Nun überlegen wir zum Herbst, wenn auch die Mittlere drei wird, aus logistischen Gründen einen KiGa Wechsel, und bei mir kommt nochmal die unschooling Thematik auf. Das hinbringen und abholen ist nämlich durchaus ein Stressfaktor, und nicht zuletzt zahlen wir dann für zwei Kinder 100€ im Monat, und die Gebühren werden gerade jährlich erhöht. Nicht, dass wir es uns gar nicht leisten könnten, aber für die 1200€ im Jahr hätte ich auch eine andere Verwendung.
    Allerdings würden unsere Kinder dann außer in der Gemeinde und ab und zu mal auf dem Spielplatz keinen Kontakt zu anderen Kindern haben, da ich kein Fan von Spielplätzen (in unserem Großstadt Ghettoviertel) oder von „Playdates“ bin, und ich frage mich schon ob das gut wäre, oder ob sie dann nicht in der ersten Klasse absolute Außenseiter sind…

    1. Reply
      Ida
      5. Juli 2016 at 09:50

      Fühlt sich dein Kind denn im Kindergarten wohl? Und hast du das Gefühl, dass die Erzieherinnen liebevoll mit den Kindern umgehen? Denn dann spricht ja nichts gegen den Kindergarten.

      In der Schule können viele neue Freundschaften entstehen – ganz egal ob die Kinder sich vorher schon kannten oder nicht. Vielleicht gibt es auch Spielgruppen bei euch? Oder Spielplätze in anderen Stadtteilen, die dir angenehmer sind? Das sind ja auch immer gute Kontaktmoglichkeiten.

  8. Reply
    kinderbilden
    18. Juli 2016 at 11:27

    Danke für den Artikel. Ich bin auch immer wieder am Hin- und Herüberlegen, was besser ist, zu Hause oder KiTa. Aber wahrscheinlich gibt es das einfach nicht. Meine Tochter kam mit 1,5 Jahren in die Krippe, da ich studieren wollte, zu diesem Zeitpunkt für alle die beste Entscheidung.
    Ob ich bei einem zweiten Kind und anderen Voraussetzungen diese Entscheidung wieder so treffen würde, wage ich zu bezweifeln.
    Daher finde ich es toll, dass du den oft schon so gesellschaftlich eingeschränkten Blick für viele öffnest. Jeder sollte sich mit diesem Thema beschäftigen bevor er eine Entscheidung trifft und ich glaube, dass das viel zu selten geschieht.
    Liebe Gruß
    Kathrin

    1. Reply
      Ida
      18. Juli 2016 at 20:34

      Liebe Kathrin,
      ich habe auch den Eindruck, dass die Kita-Entscheidung oft vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Konventionen und Erwartungen des Umfeldes getroffen wird. Nicht immer natürlich. Viele Eltern machen sich Gedanken – und genau das ist für mich das Entscheidende: Dass man sich Gedanken macht. Dass man gut abwägt. Dass man sich über seine Prioritäten klar wird.
      Die Entscheidung kann dann im Einzelnen sehr unterschiedlich aussehen – aber es wird eine gute und für alle Beteiligten tragbare Entscheidung sein, wenn das die Basis ist.
      Danke für deinen Kommentar!
      Liebe Grüße
      Ida

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