Warum ich meinen Kindern so viel Freiheit lasse – Wie ist es eigentlich katholisch zu sein?

Unsere Familie scheint für viele unserer Mitmenschen manchmal etwas seltsam zu sein: Einerseits sind wir katholisch und wertkonservativ und stehen hinter all diesen katholisch-wertkonservativen Werten, die in unserer liberalen Gesellschaft für so viele Kontroversen sorgen – und andererseits wachsen unsere Kinder sehr freiheitlich auf. Wir leben bindungs- und bedürfnisorientiert mit ihnen zusammen, es ist uns wichtig sie respektvoll und achtsam zu behandeln und wir sind auch noch sehr an Themen wie Nachhaltigkeit und Konsumkritik interessiert.

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Wie passt das bloß alles zusammen?

Ich würde sagen, das alles passt sogar sehr gut zusammen. Nur irgendwie nicht in den Köpfen vieler Leute. Und das finde ich offen gestanden etwas merkwürdig. Wir lassen uns in unserem Leben ganz besonders von einem Bibelvers leiten:

„Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.  „

~ Matthäus 25,40

Im Umkehrschluss bedeutet das für uns, dass wir all unsere Mitmenschen so behandeln möchten, wie wir eben auch Christus behandeln würden, wenn er auf einmal vor unserer Tür stünde. Und wenn wir das als Lebens-Maxime annehmen, dann bleibt uns beispielsweise gar nichts anderes übrig als konsumkritisch zu sein – denn unsere Konsumgüter werden unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert. Aber dazu ein andermal mehr.

Natürlich gilt diese Maxime aber eben auch dafür, wie wir mit unseren Kindern umgehen.

Würden wir Christus weinen lassen, wenn er nachts aufwacht und nicht wieder einschlafen kann? Würden wir ihm Nahrung verweigern oder aufdrängen, weil ein Kind angeblich in einem bestimmten Stundenrhythmus eine ganz bestimmte Menge Nahrung zu sich nehmen muss? Würden wir ihn verzweifelt vor die Tür stellen, wenn er wüted auf ist?

Würden wir ihn bestrafen, wenn er anders handelt als wir uns das vorstellen? Würden wir ihn beschimpfen oder lächerlich machen? Bloßstellen?

Nein. Wir würden ihn respektieren. Wir würden nachfragen, wenn wir etwas nicht verstehen. Wir würden diskutieren, wenn wir uns uneinig sind. Und genau so behandeln wir auch unsere Kinder.

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Was bedeutet es für uns unsere Kinder freiheitlich aufwachsen zu lassen?

Unsere Kinder dürfen eigene Entscheidungen treffen – wenn sie das selber wollen, die Konsequenzen schon tragen und überblicken können und nicht die Grenzen eines anderen überschritten werden. Sie dürfen Fehler machen. Sie müssen nicht mit uns einer Meinung sein. Sie dürfen Erfahrungen sammeln. Sie dürfen sie selbst sein.

Wir glauben, dass Gott uns diese Kinder anvertraut hat, damit wir sie auf ihrem Lebensweg begleiten. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Er hat sie geschaffen zu seinem Bilde – nicht wir. Nicht zu unserem Bilde. Wir maßen uns nicht an sie formen zu wollen.

Unsere Kinder sind ein Geschenk – aber sie gehören uns nicht

Wir staunen und bewundern sie jeden Tag, wenn wir sie beobachten. Wenn wir mit ihnen Zeit verbringen. Wenn wir sehen, was sie tun. Wie sie sind. In Psalm 127,3 heißt es

Kinder sind eine Gabe des Herrn, / die Frucht des Leibes ist sein Geschenk.

Und genau das empfinden wir. Unsere Kinder sind ein Geschenk und es ist ein Geschenk sie begleiten zu dürfen. Aber sie gehören uns nicht, sie sind nicht unser Besitz. Sie sind frei, denn Gott hat sie frei geschaffen. Zur Freiheit gibt es viele Bibelzitate, drei davon sind für uns besonders bedeutsam:

Zur Freiheit hat uns Christus befreit.

~ Galater 5,1

Wir haben als Eltern gar kein Recht dazu, unseren Kindern gegenüber autoritär aufzutreten, denn Christus hat uns alle zur Freiheit befreit – auch unsere Kinder. Wir respektieren diese Freiheit und wir lernen aus ihr und in ihr und mit ihr. Unsere Kinder, und wir auch.

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Zur Freiheit berufen – von Gott selbst

Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder.

~ Galater 5,13

Wir alle sind zur Freiheit berufen – auch unsere Kinder. Wir sind aber nicht nur dazu berufen selbst frei zu sein, sondern auch anderen ihre Freiheit zuzugestehen. Auch unseren Kindern. Deshalb dürfen sie in ebenjener Freiheit bei uns aufwachsen.

„Alles ist mir erlaubt“ – aber nicht alles nützt mir. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.  

~ 1. Korinther 6,12

Frei zu sein bedeutet nicht frei von Verantwortung zu sein…

Das ist ein bisschen der springende Punkt – frei zu sein bedeutet eben nicht frei von Verantwortung zu sein. Wir alle sind frei alles zu tun was wir möchten, aber wir sind nicht frei von der Verantwortung für das, was wir tun. Und dieser Punkt zieht zwei Konsequenzen nach sich:

  1. Echte Freiheit ist das Gegenteil von Egozentrismus, denn sie muss den anderen immer mit denken – da wir für ihn mit verantwortlich sind
  2. Kinder freiheitlich zu erziehen heißt nicht, ihnen alles zu erlauben. Denn Kinder sind keine Erwachsenen und können eben noch nicht die volle Verantwortung für sich und das, was sie tun, übernehmen.

Wir überlassen unseren Kindern viele Entscheidungen, wir lassen sie Fehler machen und aus ihren Erfahrungen lernen – aber wir bürden ihnen nicht mehr Verantwortung auf, als sie tragen können.

Wie haltet ihr es mit der Freiheit?

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6 Comment

  1. Reply
    Bianka
    29. Oktober 2016 at 11:07

    Ach liebe Ida! Sehr sehr schön!
    Vor allem der Gedanke, dass die Kinder nach seinem Ebenbild geschaffen wurden – und somit eben nicht von klein auf an fiese Tyrannen die wir brechen müssten.
    Liebe Grüße
    Bianka

    1. Reply
      Ida
      29. Oktober 2016 at 11:36

      Mir ist so wichtig, diesen Gedanken zu teilen, weil es gerade in christlichen Kreisen immer noch viele Eltern gibt, die meinen man müsse autoritär mit Kindern umgehen.
      Dabei geht Gott mit uns auch nicht autoritär um!

      1. Reply
        Bianka
        29. Oktober 2016 at 11:39

        Ich weiß 🙁 dabei sollte Liebe das oberste Gebot sein..

        1. Reply
          Ida
          29. Oktober 2016 at 18:17

          Ja,genau!

  2. Reply
    Judith
    9. Dezember 2016 at 10:25

    Hallo Ida!
    Ich finde deinen Blog wunderschön!
    Man findet eine Kombination wie eure allerdings wirklich selten. Ich kann mich jedenfalls total damit identifizieren und handhabe auch viele Dinge ähnlich wie ihr!
    Man wird allerdings natürlich oft in Schubladen gesteckt! Wenn man mich so äußerlich betrachtet (Piercings, meistens bunte Haare,..) würde man vllt auch nicht auf die Idee kommen das wir so ein,, konservativen “ Lebensstil gewählt haben (Mann geht arbeiten, ich bleibe möglichst lange zu Hause, keine Kita usw.) und ich auch christliche Werte sehr wichtig finde und lebe. Vielleicht sieht es auf den ersten Blick nicht so aus, aber ich bin so wie du der Meinung das das alles sehr sehr gut zusammen passt 🙂 manchmal muss man über den Tellerrand schauen 😉
    Liebe Grüße!

    1. Reply
      Ida
      11. Dezember 2016 at 22:03

      Liebe Judith,

      wie schön! Ich freue mich immer, wenn ich höre, dass auch andere vermeintliche Gegensätze verbinden können! Und eigentlich ist das ja auch gar nicht so gegensätzlich – wie du schon schreibst.

      Bis bald und ganz liebe Grüße
      Ida

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