Keine Angst vor Fehlern!

Bevor ich zum ersten Mal Mutter wurde, hatte ich mir geschworen niemals einen Eltern-Ratgeber in die Hände zu nehmen. Geschweige denn zu lesen. Ich wollte keine dieser Mütter werden, die regaleweise Ratgeber-Literatur verschlingen, aber vor lauter Unsicherheit ihrem eigenen Bauchgefühl nicht vertrauen können.

Doch dann kam selbstverständlich alles anders

Denn als wir unser erstes Kind erwarteten stieß ich durch Zufall auf Susannes Mieraus wunderbaren Blog Geborgen Wachsen – und nur wenige Wochen später fiel mir Julia Dibberns Buch Geborgene Babys in die Hände. Und schon war es um mich geschehen.

Fehler Attachment Parenting Bedürfnisorientiert Eltern Mama Mutter Erziehung Beziehung Kind

Die Ideen des Attachment Parenting faszinierten mich und ich begann zu lesen. Regaleweise zu lesen. Genauso wie ich es ursprünglich eben nicht tun wollte.

Die Angst vor Fehlern

Und obwohl ich feststellen musste (oder vielleicht eher durfte), dass Ratgeber-Literatur sehr wertvolle und bereichernde Gedanken enthalten kann, musste ich doch auch feststellen, dass meine ursprünglichen Befürchtungen nicht vollends von der Hand zu weisen waren: Je mehr ich las, desto größer wurde meine Unsicherheit.

Und meine Angst vor Fehlern.

Schadet es der Bindung zwischen mir und meinem Baby, wenn ich nicht innerhalb von 20 Sekunden sein Bedürfnis erkenne wie Dr. Sears sagt? Was für Spätfolgen wird es haben, wenn ich mein trotzendes Kleinkind angebrüllt habe? Handle ich gewaltsam, wenn ich den Süßigkeiten- und Fernseh-Konsum meiner Kinder reguliere? Was ist, wenn ich mal nicht auf ein Bedürfnis meiner Kinder eingehe?

Fehler mache ich jeden Tag

An manchen mehr, an anderen weniger. Und trotzdem geht es meinen Kindern meist relativ gut mit mir. Obwohl ich schon wieder gemeckert habe. Obwohl ich nicht alles ausdiskutiert und stattdessen immer wieder einfach angeordnet habe, was zu tun ist. Obwohl ich das Bild/den Bauklotz-Turm/die Sandburg gelobt habe anstatt sie nur positiv zu beschreiben.

Fehler Attachment Parenting Bedürfnisorientiert Eltern Mama Mutter Erziehung Beziehung Kind

Obwohl ich so viele andere Dinge jeden Tag aufs Neue tue, die ich eigentlich nicht gut finde. Die ich eigentlich besser machen könnte. Und trotzdem sind meine Kinder glücklich. Ich muss gar nicht perfekt sein, damit sie glücklich sind.

Fehler nicht bagatellisieren. Aber auch nicht dramatisieren

Unsere Fehler an sich sind oft gar nicht das Problem – sondern unser Umgang mit ihnen. Mir fallen immer wieder zwei problematische Weisen auf, wie mit Fehlern umgegangen wird: Bagatellisieren und dramatisieren.

“Naja, das ist halt so.”, “Das passiert doch jedem mal.”, “Mir hat es doch auch nicht geschadet.”, “Stell dich mal nicht so an.” – oder aber “Jetzt ist alles für die Katz.”, “Ich kriege das eh nicht hin.”, “Ich kann das einfach nicht.”, “Ich habe es ja versucht, aber das geht eben nicht anders.”

Beide Reaktionen werden unseren Fehlern nicht gerecht. Die erste nicht, weil sie verharmlost – und unsere Fehler sind eben nicht immer harmlos. Die zweite, weil sie zur Resignation führt. Weil sie viel zu pessimistisch ist und keinen Raum für Entwicklung lässt. Obwohl es den gibt. Immer.

Lernen. Sich entschuldigen. Verzeihen. Weiter gehen

Fehler einzusehen ist der erste Schritt. Sich zu überlegen, wie es besser gehen könnte der zweite. Und dann können wir in ganz vielen kleinen Schritten weiter gehen. Immer ein Stückchen weiter. Manchmal dauert das lange, manchmal geht es auch unerwartet schnell.

Grenzen Eltern Mama genervt Wut Frust Konflikte Warum fordern Pause Attachment Parenting Bedürfnisse

Und oft gibt es zwischendurch auch wieder Rückschritte. Das gehört dazu. Das darf so sein – so lange wir nicht aufgeben.

Keine Angst vor Fehlern

Ich denke, dass wir keine Angst vor Fehlern haben sollten – denn sonst vermitteln wir letztendlich unseren Kindern, dass Fehler etwas ganz schlimmes sind. Obwohl sie eigentlich gar nicht der Weltuntergang sind. Wenn wir aus ihnen lernen.

Eine kleine Theologie der Fehler…

Im Johannes-Evangelium heißt es:

Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

~ Johannes 3, 16

Wir müssen gar nicht perfekt sein, denn Perfektion ist keine Erlösung. Wir können uns nicht selbst erlösen – und das müssen wir auch gar nicht. Erlösung ist ein Geschenk. Wir müssen nicht gut handeln, um erlöst zu werden. Im Gegenteil: Weil uns Erlösung zugesagt ist, können wir gut handeln. Einfach so. Einfach weil es gut ist.

In diesem Sinne: Seid gut zu euch. Und zu anderen.

You Might Also Like

Hier geht's weiter
Das kam davor

Schreibe einen Kommentar

*

%d Bloggern gefällt das: