Impuls am Montag im Juni

Wenn wir moderne Menschen Gott wieder in uns neu entdecken würden, dann wären wir immer ruhig, immer gelassen, immer geborgen.

~ Pater Kentenich

Stellt euch vor, ihr wäret immer ruhig, gelassen und geborgen. Stellt euch das ein Mal vor. Ihr wärt vermutlich immer fröhlich und glücklich, lustig und lebensfroh, optimistisch und selbstbewusst.

Auch in der Bibel ist immer wieder die Rede von der Freude, die den Gläubigen erfüllt. Wer Gott gefunden hat, der kann also offenbar in seinem tiefsten Innern nicht mehr unzufrieden sein.

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Habe ich Gott noch nicht gefunden, wenn ich nicht immer fröhlich und zufrieden bin?

Heißt das jetzt, dass ich Gott noch nicht gefunden habe, weil ich mich manchmal über meinen Mann oder meine Kinder ärgere? Weil ich manchmal wütend werde, wenn mein großes Kind das kleine Kind aufweckt? Weil ich traurig werde, wenn ich höre, dass es anderen Menschen schlecht geht?

Ich denke nicht. Denn das hieße ja, dass derjenige, der Gott findet, seine Empathie verliert. Aber zur Empathie, zum Mitgefühl, sind wir doch schließlich auch berufen. Ich glaube nicht, dass Pater Kentenich uns mit diesem Zitat unter Druck setzen wollte: „Wie? Du bist gerade genervt? Dann hast du aber Gott noch nicht wirklich gefunden!“ Wir sind Menschen und als Menschen sind wir manchmal genervt, oder gereizt, oder traurig, oder alles zusammen.

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Der Unterschied zwischen temporären und grundsätzlichen Gefühlen

Ich glaube, der Pater möchte uns etwas ganz anderes damit sagen. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen spontanen und temporären Gefühlen und grundsätzlichen Gefühlen. Weißt du, was ich meine? Ich kann zornig werden, wenn jemand eine rassistische Bemerkung von sich gibt. Ich kann traurig werden, wenn jemand krank ist. Ich kann ängstlich werden, wenn ein großer Hund mein Kind anknurrt. Das sind spontane, temporäre Gefühle. Sie kommen und sie gehen auch wieder.

Grundsätzliche Gefühle sind die, die unsere Lebenseinstelllung ausmachen. Bin ich dankbar dafür, dass Gott mich mit einem Ehemann und Kindern gesegnet hat – auch wenn der Mann vielleicht manchmal verständnisvoller sein könnte, die Kinder mich Kraft kosten und wir mit wenig Geld auskommen müssen? Habe ich Vertrauen, dass Gott uns auf unserem Lebensweg führen wird – auch wenn ich mir Sorgen darüber mache, ob meine Kinder später in der Schule gemobbt werden?

Ich denke, Pater Kentenich meinte genau diese Grundhaltung zum Leben meinte. Wer Gott gefunden hat, fühlt sich bei ihm geborgen. Und in dieser Geborgenheit kann er ruhig und gelassen sein. Auch wenn er sich ärgert, genervt oder traurig ist. Das kann daran gar nichts ändern.

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