Impuls am Montag, 23.03.2015

Es gibt weder große Entdeckungen noch wahren Fortschritt, solange noch ein unglückliches Kind auf der Welt ist.

~Albert Einstein

Ist es nicht bemerkenswert, wenn ein weltbekannter Forscher und Nobelpreisträger sich auf diese Weise über Wissenschaft und Fortschritt äußert? Was meinen wir eigentlich mit Fortschritt?

england 2010 und 11 (20)

In unserer Gesellschaft gibt es recht unterschiedliche Verständnisse von Fortschritt. Mit Fortschritt kann einerseits die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse gemeint sein, neue technische Erfindungen oder aber andererseits die Etablierung neuer gesellschaftlicher Ideen und Normen gemeint sein. Fortschritt – das bringt die Gesellschaft voran, das ist eine Weiterentwicklung.

Leider fragen wir nicht immer nach dem Sinn von Fortschritt. Denn Fortschritt ist nicht gleich Fortschritt. Fortschritt kann Fluch und Segen zugleich sein. Es ist sicher faszinierend neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, aber wie weit sollte das Erkenntnisstreben gehen? Denn wissenschaftliches Erkenntnisstreben kann auch ethische Normen verletzen, neue technische Errungenschaften können bspw. zu Umweltbelastungen und Menschenrechtsverletzungen führen und die Etablierung neuer gesellschaftlicher Ideen und Normen kann eine Gesellschaft ins Chaos stürzen.

Genauso fatal wie manch “fortschrittliche” Entwicklung kann jedoch auch das Verharren, Stehenbleiben oder auch auch der Rückschritt sein. Es gibt höchstwahrscheinlich nur sehr wenige Menschen auf dieser Welt, die sich wirklich “zurück” in eine andere Zeit sehnen oder auf dem Status Quo unbeweglich verharren möchten. Die meisten Menschen wünschen sich, dass sich zumindest einige Aspekte ihres Lebens, in der Gesellschaft, weltpolitisch oder ökologisch zum Besseren wenden. Und auch das ist eben eine Form von Fortschritt.

Einstein jedoch konstatiert, dass Fortschritt gar nicht möglich sei, solange es noch ein unglückliches Kind auf der Welt gäbe. Wenn wir uns das zu Herzen nehmen, dann können wir wirklich nach Fortschritt streben. Denn dann werden wir nach dem Sinn von Entwicklungen, Erkenntnissen und Entdeckungen fragen – und was wir damit für andere tun können.

 

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0 Comment

  1. Reply
    Susanna Goyk
    24. März 2015 at 11:17

    Ich bin ja bekennender Impuls am Montag – Leser und freue mich nach wie vor auf jeden Montag, oder manchmal doch auch erst auf den Dienstag. Das Zitat von Albert Einstein kommt mir aus dem Herzen. Viele Male habe ich schon darüber nachgedacht, wie man unseren heutigen Zeitgeist bezüglich auf das Kinderkriegen beschreiben kann. Kürzlich erst fiel mir wieder auf, dass in einem Film eine Frau, die gerade erfahren hatte, dass sie schwanger sei, davon sprach ob sie das Kind behalten wolle. Ist das wirklich unser Zeitgeist? Ist ein Kind kein Geschenk mehr? Wird nur darüber nachgedacht ob ein Kind jetzt in die Lebenssituation passt oder nicht?Werden Kinder nur noch als Belastung angesehen? Sind wir zu grenzenlosen Egoisten mutiert? Gern würde ich auch mal andere Meinungen zu diesem Thema hier lesen.
    Den Herausgebern der Seite A Bullerbü Life wünsche ich weiterhin gutes Gelingen und möchte danke sagen für die vielen Gedankenimpulse.

    1. Reply
      abullerbuelife
      24. März 2015 at 19:57

      Es ist wirklich schade, wie sehr Kinder als Belastung wahrgenommen werden. Kinder sind irgendwie immer „im Weg“ – vielleicht weil sie manchmal unbequem sind? Weil sie sich eben nicht einfach wegorganisieren lassen, damit all die Abläufe der Erwachsenen reibungslos vonstatten gehen können? Wir organisieren und strukturieren unser Leben heute oft wie ein ehrgeiziges Projekt – es muss effizient sein und gutes Timing ist uns wichtig. Und leider entscheiden dann doch viele, dass ein Kind gerade nicht ins „Timing“ passt.
      Das gehört zu den großen Katastrophen unserer Gesellschaft.

  2. Reply
    mehr grün
    24. März 2015 at 13:10

    tolle Gedanken. ich denke das hat auch viel mit Entschleunigung zu tun, immer nur alles besser und schneller und anders haben zu wollen lässt den Augenblick an einem vorüberziehen oder dass man viel davon mitbekommt!

    viele grüße

    1. Reply
      abullerbuelife
      24. März 2015 at 19:59

      Entschleunigung ist ein guter Punkt! Wir leben in einer so schnellen, hektischen Zeit – wir hetzen durch unser Leben um auch ja alles mitzunehmen. Am Ende haben wir aber das Beste verpasst, weil wir uns einfach nciht genug Zeit genommen haben. Kinder fordern Entschleunigung ein, das ist so wertvoll.

  3. Reply
    Susanna Goyk
    26. März 2015 at 10:26

    Mir fällt zu diesem Thema noch ein erschreckendes Beispiel ein: es wird immer von einem Unfall gesprochen, wenn Frauen nicht geplant schwanger werden. Wie muss sich ein Kind damit fühlen, ein Unfall zu sein. Zum Glück kann eine Schwangerschaft nicht minutiös geplant werden, so bleibt immer noch ein wenig geheimnisvoller Zauber über dem Werden eines Kindes. Ich hoffe für uns alle, dass wir wieder dazu kommen, Kinder als ein Geschenk annehmen zu können und uns maßlos auf sie freuen zu können. Mir jedenfalls ist es so gegangen, ich habe mich unbeschreiblich über die Ankunft meines Kindes gefreut und freue mich immer noch.

    1. Reply
      abullerbuelife
      27. März 2015 at 19:45

      Oft wird davon ausgegangen, ein Elternpaar könne sich nur dann auf ein Kind freuen, wenn es „geplant“ gewesen sei. Dabei wird ein bisschen vergessen, dass es sich nicht um einen Hauskauf oder die Planung eines Projektes handelt, sondern das Leben eines anderen Menschen. Deshalb ist es so wichtig, dass Ehepaare grundsätzlich offen für das Leben sind und bleiben und Kinder bei ihnen immer willkommen sind.

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