Impuls am Montag, 01.06.2015

„Mein Bauch gehört mir!“

~ Schlagwort der feministischen Bewegung der 1970-er Jahre

Und wem auch sonst? Erscheint diese Erkenntnis nicht auf den ersten Blick höchst banal? Natürlich gehört mein Bauch mir! Er ist doch Teil meines Körpers, wem sollte er sonst gehören? Wenn wir uns jedoch die Geschichte dieses Schlagwortes der feministischen Beweguing der 1970-er Jahre näher ansehen, dann bekommt dieser Ausspruch einen ganz schalen Beigeschmack.

Über etwas, das mir gehört, darf ich auch selbst bestimmen. Ich muss niemanden um Rat fragen und auf niemandes Einwände hören. Streng genommen ist hier aber nicht der menschliche Bauch an sich gemeint – es geht hier nicht darum frei und unabhängig zu entscheiden, wie dieser Bauch gekleidet, ernährt oder gepflegt werden soll. Es geht um das Leben, das möglicherweise in diesem Bauch heranwachsen könnte.

So wahr der Ausspruch „Mein Bauch gehört mir!“ auf den ersten Blick sein mag, so beängstigend wird er, wenn wir klar ausformulieren, was eigentlich gemeint ist:

„Dein Leben gehört mir!“

Angesprochen wird nur der Bauch, die äußere Hülle und die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper. Verschwiegen wird, dass es gar nicht um die Frau geht, sondern um ihr Kind. Das Kind ist eben nicht Besitz der Frau und die Frau hat eben nicht das Recht über das Leben dieses Kindes zu entscheiden. Was würde geschehen, wenn wir uns einen neuen Spruch auf die Fahnen schreiben:

finnland 2011 16

„Mein Bauch gehört dir!“

Und wie wäre es, wenn wir dabei, nicht nur an unsere Kinder sondern auch an folgendes Zitat denken:

„Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“

~1. Korinther 6, 19-20


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0 Comment

  1. Reply
    Susanna
    3. Juni 2015 at 16:33

    Eine aufrüttelnde Interpretation, die sehr gelungen ist. Ich kann mich gut an die Schlagzeile „Mein Bauch gehört mir“ erinnern, in der viele Prominente gestanden haben , eine Abtreibung hinter sich zu haben. Sie waren mit Bild und Geständnis zu sehen und zu lesen. Die einzelnen Gesichter und Geständnisse sind mir entfallen, aber das Gefühl ist noch gegenwärtig. Ich war noch recht jung und habe nicht sehr intensiv über dieses Thema nachgedacht, aber später schon und bin ganz deutlich der Meinung, dass wir Frauen nicht einfach über das werdende Leben entscheiden können. Es gibt immer Ausnahmesituationen, über die auch nachgedacht werden muss, wie zum Beispiel, wenn durch Vergewaltigung ein Leben entsteht. Da wüsste ich jetzt keinen Rat,aber vielleicht gibt es Meinungen zu diesem Thema von anderen Lesern!

    1. Reply
      abullerbuelife
      3. Juni 2015 at 17:48

      Es geht A Bullerbü Life ausdrücklich nicht um eine Verurteilung der Frauen, die eine Abtreibung hinter sich haben, sondern ausschließlich um einen Impuls zum Umdenken und zum Schutz des Lebens.

  2. Reply
    Elisabeth
    4. Juni 2015 at 08:00

    Finde, ihr sprecht da einen neuen Gedanken und ein neues Bewusstsein an, dass ganz langsam immer mehr Raum bekommt.
    Aber damals, vor ja mittlerweile 40 Jahren hatte der Satz „Mein Bauch gehört mir“ wohl seine „Zeit“, hat das Lebensgefühl vieler Frauen auf den Punkt gebracht.
    Heute sehen wir ein Stück weiter und sind, vielleicht gerade weil sich ein Teil der Frauen damals in den 70er so stark für „ihr Bauchgefühl“ einsetzte, heute allmählich in der Lage, zu sagen:
    „Mein Bauch gehört dir.“

    1. Reply
      abullerbuelife
      4. Juni 2015 at 14:39

      Danke für den Kommentar! Wir hoffen auch, dass dieses Bewusstsein mehr Raum bekommt.

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