“Unser Leben sei ein Fest” – oder der Glaube im Familienalltag

Jede Familie ist anders. Das ist eine recht banale Erkenntnis, die vermutlich jeder sofort unterschreiben würde. Für die Gestaltung des Alltags in der Familie – und damit auch des Glaubenslebens im Familienalltag – ist sie jedoch nicht von der Hand zu weisen. Denn in jeder Familie funktioniert das Glaubensleben anders.

Es wäre müßig darüber zu spekulieren, welcher Weg der bessere sei, denn für jede Familie funktioniert ein anderer. Dennoch suchen viele Familien Inspiration, denn der Glaube in der Familie ist oft bemerkenswert sprachlos und ritualarm. Im Extremfall beschränkt er sich auf die Feier der größten Feste und hin und wieder einen Gottesdienstbesuch. Aber auch Familien, denen der Glaube im Alltag wichtig ist, sind oft ratlos wie sie ihn lebendig in der Familie leben können.

Das Glaubensleben ist genauso bunt und vielfältig wie jede Familie. Ich habe ein paar Anregungen für euch.

Ich schlage euch kein 10-Punkte-Programm vor, wie das Glaubensleben in eurer Familie “auf jeden Fall” lebendiger werden kann und lege ebensowenig “Basics” fest, die in einer christlichen Familie “einfach da sein müssen”. Stattdessen stelle ich euch eine Reihe bewährter Ansätze vor, wie der Glaube in der Familie lebendig werden kann – ohne Wertigkeit, ohne Rangfolge – und möchte damit Familien auf der Suche inspirieren ihren ganz eigenen Weg zu finden.

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Gebete

Viele Familien strukturieren ihren Alltag mit Gebeten, bspw. dem Morgengebet, dem Tischgebet vor dem Mittagessen und einem Gebet vor dem Schlafengehen. Je nach Familie können das altbewährte Gebete aus dem Gesangbuch und der christlichen Tradition sein oder auch freie, offene Gebete – oder eine Kombination aus beiden. Diese von Gebeten begleitete Tagesstruktur kann ohne großen Aufwand helfen, Momente der Ruhe, des Besinnens und Innehaltens zu finden. Und schon diese kurzen Momente können den Glauben in der Familie präsenter und lebendiger machen. Manch einer Familie mag das schon ausreichen – oder aber es ist ein erster Schritt hin zu einem ritualreicheren Glaubensleben in der Familie.

Segen

Neben dem Gebet hat auch der Segen in vielen christlichen Familien einen festen Platz. Oft segnen Eltern ihre Kinder bspw. bevor diese das Haus verlassen oder abends vor dem Schlafengehen – oder auch “einfach so” bzw. wenn das Kind sich einen Segen erbittet. Je nach Familie kann der Segen eine kurze Geste sein (bspw. ein Kreuzzeichen auf der Stirn) oder auch ein freies gemeinsames Segensgebet. Traditionell wird auch das Brot vor dem ersten Anschneiden mit einem Kreuzzeichen gesegnet.

Andacht

Viele Familien nehmen sich im Alltag Zeit für kurze oder auch längere Andachten oder Lobpreiszeiten. Es gibt zahlreiche Bücher, in denen fertig ausgearbeitete Andachten “zum Nachbeten” zu finden sind, andere Anregungen können bspw. in Gesangbüchern gefunden werden. Familien können aber auch ihre ganz eigenen Andachten entwickeln. Eine Andacht in der Familie besteht meist aus der Lesung eines Bibelverses, einer kurzen Besinnung und eines Gebets – zusätzlich können Lieder gesungen werden. Familien, denen diese eher traditionellen Andachtskonzepte zu einengend sind oder die sich in ihnen aus anderen Gründen nicht wiederfinden können, können auch freiere Lobpreiszeiten gestalten – bspw. mit Schriftlesungen, freien Gebeten und Gesang. Manche Familien nehmen sich ein paar Mal im Jahr Zeit für solche Andachten und Lobpreiszeiten (z.B. im Advent oder in der Fastenzeit), andere beten jeden Morgen eine kurze Andacht.

Bibel

In manchen christlichen Familien spielt die Bibel eine große Rolle, in anderen ist sie nicht ganz so präsent. Es gibt zahlreiche Bibelbilderbücher, Kinderbibeln, Bibellexika, Studienbibeln und ganz gewöhnlichen Bibeln, die die verschiedenen Altersgruppen in der Familie ansprechen können. Manche Familien haben eine feste Bibelzeit in der Woche, in der sie gemeinsam die Bibel lesen. Manche Familien tun das sogar jeden Tag. Andere finden vor den großen Festen und in der Advents- und Fastenzeit Zeit dafür. Es gibt verschiedene Konzepte zum gemeinsamen Bibellesen, u.a. das sog. “Bibel Teilen”, die aber nur bedingt für Familien mit kleinen Kindern funktionieren. Manche Familien setzen sich über längere Zeit mit bestimmten biblischen Lesungen auseinander, bspw. indem sie sie lesen und diskutieren, aber auch mit jüngeren Kindern Kunstwerke zum Thema der Lesung basteln.

Fürbitte

Viele Familien halten miteinander Fürbitte. Oft werden Fürbitten bspw. für Familienmitglieder und Freunde einfach in die gemeinsamen Gebete integriert, in manchen Familien ist es aber auch üblich ein anderes Familienmitglied um ein Gebet für ein bestimmtes Anliegen zu bitten. Fürbitten können das Glaubensleben in der Familie sehr lebendig machen, da sie ein sehr persönliches intensives Gebet ermöglichen. Eine ganz besondere Form der Fürbitte ist es, wenn Eltern ihre Kinder, die schon selbständig beten können, um ein Gebet für sich selbst bitten.

Stille Zeit

Die Stille Zeit kann mit anderen Ritualen kombiniert werden, bspw. mit dem persönlichen Bibelstudium oder der Fürbitte für ein anderes Familienmitglied. Die Stille Zeit kann aber individuell auch ganz anders gestaltet werden. Familien, in denen es die Stille Zeit gibt, nutzen diese Zeit am Tag, um sich einen Moment der Ruhe und Stille zu nehmen und sich ganz auf Gott zu konzentrieren. Manche beten oder meditieren, andere lesen in der Bibel. Die Stille Zeit hat jeder ganz für sich und kann sie so für sich gestalten, wie er sie braucht.

Vorbereitung von Festen

Sich auf Feste vorzubereiten bietet immer auch die Chance den eigenen Glauben zu vertiefen. Vor vielen größeren Festen ist es üblich, das Haus oder die Wohnung zu schmücken und verschiedene Speisen vorzubereiten. Es kann dann eine gute Gelegenheit sein, sich in dieser Zeit gemeinsam damit auseinander zu setzen, warum das jeweilige Fest gefeiert wird und welche Bedeutung es hat.

Feste

Ähnlich wie schon bei der Vorbereitung der Feste, kann auch das Fest selbst eine Chance zur Vertiefung und Reflexion des eigenen Glaubens sein. Gut ist es, während des Festes einen Zeitpunkt zu finden, an dem genau das stattfinden kann – bspw. durch das gemeinsame Lesen der betreffenden Bibelstelle, gemeinsames Singen und Beten.

Gottesdienste

Zuguterletzt soll der Gottesdienst nicht unerwähnt bleiben. Viele Familien gehen jeden Sonntag in die Kirche, manche auch unter der Woche, andere nur ein paar Mal im Jahr. Der Gottesdienstbesuch als festes und liebgewonnenes Ritual im Familienalltag kann neben dem innerfamiliären Glaubensleben den Kontakt zur Gemeinschaft stärken. Der christliche Glaube ist ein Glaube der Gemeinschaft, der sonntägliche Gottesdienstbesuch hilft sich dies immer wieder bewusst zu machen und sich sowohl von anderen im Glauben bestärken zu lassen als auch andere in ihrem Glauben zu stützen.

 Wie gestaltet ihr euer Glaubensleben? Was habt ihr für Anregungen?

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