Gerechtigkeit, Gleichheit und Individualität im Umgang mit Kindern

„Es ist gar nicht so einfach die Kinder immer gleich zu halten!“

sagte mir mal eine Mutter zweier Söhne, die mit „gleich halten“ allerdings eher materialistische Gesichtspunkte meinte und mit deren Weltsicht ich auch nicht unbedingt übereinstimme.

Recht hat sie aber trotzdem. Nur meiner Meinung nach eben nicht ganz genau so wie sie es gemeint hat.

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Gleichheit, Gerechtigkeit und Individualität

Ich stelle mir oft die Frage, ob ich meine Kinder gleich behandle, ob ich sie gerecht behandle, ob ich etwas besser machen könnte. Und natürlich ist die Antwort „Nein.“ Nein, ich behandle meine Kinder nicht gleich. Nein, ich bin nicht immer gerecht. Und ja, ich könnte einiges besser machen.

Die Frage ist aber auch: Muss ich denn meine Kinder überhaupt gleich behandeln?

Sie sind immerhin unterschiedliche Menschen. Und davon abgesehen ist es wohl weder möglich noch sonderlich erstrebenswert ein Baby und ein Kleinkind gleich zu behandeln. Aber es gibt noch etwas anderes als ihren unterschiedlichen Entwicklungsstand, der mich unsere Kinder ungleich behandeln lässt: Für Kind1 bin ich nach wie vor eine Art Erstmutter oder Erstlingsmutter, für Kind2 bin ich dagegen die erfahrene Mehrfachmutter.

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Das harte Los der Erstgeborenen

Kind1 teilt das harte Schicksal aller erstgeborenen Kinder: Eine unerfahrene und zum Teil übervorsichtige Mutter, die noch nicht weiß wann es sinnvoll ist einzugreifen und wann nicht. Die noch nicht die Gelassenheit hat, die sie bei Kind2 hat – durch die Erfahrung mit Kind1.

Ich weiß, dass ich mit Kind1 viel strenger bin als mit Kind2. Und ich weiß, dass ich von Kind1 viel mehr einfordere als von Kind2. Kind1 soll nicht schreien, wenn das Baby schläft, damit es nicht aufwacht. Kind1 soll dem Baby kein Spielzeug wegnehmen, weil das sonst weint. Kind1 soll mittags schnell einschlafen, weil das Baby sonst unruhig wird.

Kind2 darf einfach es selbst sein.

Und wenn irgendwann (hoffentlich) Kind3 und Kindx bei uns sein werden, dann werden sie noch mehr als Kind2 heute von meiner Erfahrung mit den großen Geschwistern profitieren. Aber um zu meinen Ausgangsfragen zurück zu kommen: Nein, das ist nicht gerecht. Und ja, ich könnte es besser machen. Und das probiere ich auch jeden Tag.

Aber Gleichheit ist nicht Gerechtigkeit

Und das ist etwas, das ich im Nachhinein zur eingangs zitierten Mutter gern gesagt hätte. Und nicht nur das: Gerechtigkeit bemisst sich eben nicht in erster Linie in materiellen Werten. Besagte Mutter pflegte genau Buch zu führen was und wie viel ihre Söhne von ihr bekamen – damit sie für beide Kinder in etwa gleich viel Geld ausgab.

Ich glaube nicht, dass das Gerechtigkeit ist. Gerechtigkeit hat nur bedingt etwas mit materieller Gleichheit zu tun. Wenn sich Kind1 eine Puppe wünscht und Kind2 aber lieber mit Bauklötzen spielt, werden sie es nicht als ungerecht empfinden, dass die Puppe teurer war als die Klötze. Sie werden nicht einmal darüber nachdenken – weil es unwichtig ist.

Kinder sind Individuen, deswegen ist es nur in begrenztem Maße sinnvoll sie gleich zu behandeln. Das ist nicht ungerecht. Ungerecht ist es nur dann, wenn die Bedürfnisse des einen Kindes in stärkerem Maße berücksichtigt werden als die des anderen.

 

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3 Comment

  1. Reply
    Jenny
    5. Juni 2016 at 18:25

    Liebe Ida,

    trotz aller Tipps, Rituale, Globuli und jeglicher Musik will unsere kleine Prinzessin (jetzt 11 Monate) einfach nicht länger als 2-3 Stunden am Stück schlafen bzw. dann alleine einschlafen. Von Durchschlafen wollen wir gar nicht erst sprechen…

    Bekannte von uns hatten vor einigen Jahren so eine Baby Einschlafhilfe, wussten aber den Namen nicht mehr… Nach eigener Recherche sind wir dann auf das Produkt gestoßen, es nennt sich Sleepy Relax. Im Shop des Hersteller (http://www.sleepy-relax.com) ist es allerdings ausverkauft! Man hat lediglich die Möglichkeit sich per Newsletter über die Verfügbarkeit informieren zu lassen, hab schon beim Hersteller angefragt…

    Nun zu meiner Frage: Hast du, oder eine deiner Leserinnen, eine Ahnung, ob das das richtige ist? Und wenn ja, vielleicht weiß sogar jemand wie ich da ran komme (lebe in Frankreich…)???

    Danke vorab, müde Grüße und einen schönen Sonntag euch allen,
    Jenny

    1. Reply
      Ida
      5. Juni 2016 at 18:47

      Liebe Jenny,

      leider kenne ich diese Einschlafhilfe nicht und kann dir daher dahingehend keinen Tipp geben.
      Beruhigt es denn die kleine Maus, wenn ihr in ihrer Nähe seid (Stichwort Familienbett)? Vielen Kindern hilft das ruhiger zu schlafen.
      Dass sie noch nicht durchschlaeft ist in ihrem Alter nicht ungewöhnlich, viele Kinder schlafen selbst mit drei Jahren noch nicht durch – so anstrengend das auch für uns als Eltern sein kann, das ist tatsächlich ganz normal.

      Ich wünsche euch ganz viel Erholung!
      Mit den besten Wünschen
      Ida

  2. […] Kann man Kinder gleich behandeln? […]

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