Für euch gelesen: Die Ehe von Christiane Florin

Die Ehe von Christiane Florin

Die Ehe von Christiane Florin

Christiane Florin bemüht sich in ihrem Buch über die (katholische) Ehe um eine kritische Diskussion über Ehe, Zeitgeist und unsere Gesellschaft. Bemerkenswert bleibt dabei, dass sich ihre Kritik ausschließlich in Richtung Rom und zu keiner Zeit in Richtung Zeitgeist bewegt.

Ebenso bemerkenswert wie traurig bleibt auch die Tatsache, dass sich Florin in ihrer Beschäftigung mit dem Sakrament der Ehe, das die gesamte Weltkirche bewegt und betrifft, ausschließlich im westlichen Kontext bewegt. Und dass obwohl der Großteil der Katholiken weltweit nicht in Westeuropa und Nordamerika, sondern in Asien und Afrika lebt.

Dennoch erscheint ihre recht eindimensionale Kritik nicht nur hochgradig eurozentristisch und ignorant gegenüber der kulturellen Vielfalt der katholischen Weltkirche, sondern mit ihren mehr oder weniger impliziten Forderungen nach einer Neubewertung von verschiedenen strittigen Punkten nahezu imperialistisch.

Gott selbst ist kaum Gegenstand ihrer Diskussion. Florins Argumente finden ihren Ausgangspunkt in ihrer sehr unkritischen Haltung gegenüber dem aktuellen (westlichen) Zeitgeist – der jedoch in der Weltkirche weitaus weniger Gewicht hat, als Florin einsehen mag. Die Erkenntnis, dass die römische Kirche eben keine westliche und damit auch nicht eine den westlichen Ansprüchen genügende Institution ist, sondern eine globale, der gesamten Menschheit verpflichtete Einrichtung, wird leider ausgeblendet.

Dieser leise kulturell-chauvinistische Unterton ihres als progressiv vermarkteten Werkes ist leider unübersehbar. Florin bemüht sich um Ausgewogenheit, bleibt dabei jedoch eindimensional, ignorant und selbstzentriert.

Das spannende und brisante Thema ihres Buches konnte sie nur höchst unzureichend in Worte fassen