Der Feind in meinem Gesicht

Still war es hier auf dem Blog in den letzten Monaten. Unheimlich still. Und ich habe lange überlegt, wie ich das, was hier im Verborgenen vor sich geht, in Worte fassen kann. Ob ich es in Worte fassen kann. Und möchte.

Doch dann wurde mir bewusst, wie vielen Menschen es ähnlich geht. Und wie wenig darüber geschrieben wird. Vielleicht kann ich anderen helfen, wenn ich erzähle, was mit mir passiert. Es geht um den

Feind in meinem Gesicht

Ein Tumor, der sich dort breit macht. Ein Tumor, der meint, dort sein Unwesen treiben zu dürfen. Erst heimlich und leise und dann immer unheimlicher und lauter. Und nach dem ersten Schock wurde mir eins bewusst: Es gibt so viele, denen es ähnlich geht. Und es gibt so viele, die nicht so viel Unterstützung und Rückhalt haben wie ich. Und ganz besonders für diejenigen ist dieser Text.

 

Tumor Krankheit Mutter Tod Sterben Hoffnung Medizin Ärzte Dankbarkeit

Das ist kein Text mit Mutmach-Parolen. Das ist kein Text im Sinne von „Es hätte dich aber noch schlimmer treffen können!“ Und das ist ganz sicher kein Text, der ganz genau weiß, wie man mit einer ernsten Erkrankung umzugehen hat. Denn manchmal passiert Erstaunliches, wenn das Leben eine unerwartete Wendung nimmt.

Von Experten umgeben

Als ich zum ersten Mal Mutter wurde, lernte ich mein Umfeld ganz neu kennen. Jeder wusste auf einmal, wie Mutter-Sein geht. Also wie es wirklich geht. Jeder war ein großartiger Erziehungsexperte und ich wurde mit Ratschlägen überhäuft, um die ich nie gebeten hatte. Mit meiner Krankheit darf ich mein Umfeld noch einmal ganz neu kennen lernen. Denn auch diesmal gibt es einige ungefragte Ratschläge und auch Menschen, von denen ich das niemals gedacht hätte, wissen auf einmal ganz genau was ich jetzt zu tun habe. Wie ich mich zu verhalten habe. Wie ich denken und fühlen muss. Was angemessen ist.

Welche Prioritäten ich zu setzen habe. Wie ich mit meiner Krankheit umzugehen habe. Solche Momente können enttäuschend sein. Aber auch diesmal reagiert der Großteil derjenigen, die mich umgeben, ganz wunderbar. Menschen fragen nach, hören zu, bieten Unterstützung an. Und vertrauen mir, dass ich die richtigen Entscheidungen fällen werde. Nicht alle trauen mir das zu, aber die meisten.

Als Mutter krank sein

…das geht eigentlich gar nicht. Schon eine Erkältung kommt eigentlich immer höchst ungelegen, denn Mama darf einfach nicht ausfallen. Aber man wird eben nicht gefragt, ob denn eine Krankheit ins Programm passt. Denn eine Krankheit passt nie. Und auf einmal steht alles in Frage – alle Ziele, alle Pläne, alles was immer als so selbstverständlich galt. Kann ich meine Kinder überhaupt bis ins Erwachsenenalter begleiten? Was ist wenn ich sterbe?

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Und auf einmal stelle ich fest, dass ich gar keine Angst davor habe zu sterben. Jung zu sterben. Immerhin hatte ich ein sehr schönes Leben. Ich habe nur Angst davor, meine Kinder im Stich zu lassen.

Wenn sich der Blickwinkel verschiebt

Alles steht in einem anderen Licht da – jeder Moment ist kostbar. Und ich bin so dankbar für all die kleinen Momente, dafür, dass ich so viel Zeit mit meinen Kindern verbringen darf. Dafür, dass es so viele Menschen um mich herum gibt, die mich wirklich unterstützen. Dafür, in einem Land mit einer ausgezeichneten medizinischen Versorgung zu leben. Dafür, dass die meisten Ärzte, denen ich in den letzten Wochen begegnet bin, ganz großartig waren. Sachlich, unaufgeregt, einfühlsam, ermutigend.

Meine Prognose sieht gut aus, sehr gut. Trotz des ziemlich steinigen Weges, der noch vor mir liegt. Trotz all der sichtbaren Spuren, die er zurück lassen wird. Ich werde meine Kinder nicht im Stich lassen. Und ich bin stärker als der Tumor.

 

Bleibt gesund,

Ida

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11 Comment

  1. Reply
    Mother Birth
    4. April 2017 at 18:43

    Liebe Ida,

    du hast wahnsinniges Glück, dass du so ein tolles Umfeld hast, dass dich trägt und unterstützt. Danke, dass du deine Gedanken in dieser schweren und aufwühlenden Zeit mit uns teilst ((()))

    Alles Liebe
    Andrea

    1. Reply
      Ida
      4. April 2017 at 22:12

      Ich habe wirklich großes Glück. Glück im Unglück. Und dafür bin ich so dankbar!

  2. Reply
    Sonnenshyn
    4. April 2017 at 21:50

    Es tut gut zu lesen, dass du so ein wunderbares Umfeld hast. Ich wünsche dir von Herzen alles Gute!

    Sonnige Grüße.

    1. Reply
      Ida
      4. April 2017 at 22:13

      Danke!!

  3. Reply
    Michaela
    4. April 2017 at 22:04

    Hallo Ida,

    ich wuensche Dir viel Kraft und Erfolg!

    Und noch ganz ganz viele wunderbare Jahre mit Deinen Kindern!

    Viele Gruesse

    Michaela

    1. Reply
      Ida
      4. April 2017 at 22:13

      Ich danke dir!

  4. […] zwei Tagen habe ich euch zum ersten Mal von meinem Tumor erzählt – und es gab ein überwältigendes Echo! So viel Zuspruch und Unterstützung hatte ich gar […]

  5. Reply
    Jule
    9. April 2017 at 13:15

    Liebe Ida,
    Ich wünsche dir von Herzen ganz viel Kraft für die nächste Zeit.
    Jeder Moment mit unseren Lieben ist ein Geschenk. Gerade in solchen Momenten, wo plötzlich nicht mehr alles so selbstverständlich ist wird einem das besonders bewusst.

    Liebe Grüße!

    1. Reply
      Ida
      16. April 2017 at 22:58

      Danke! <3

  6. […] Moment ist es sehr still hier auf dem Blog – und ich habe euch auch schon erzählt warum. Aber da ist noch etwas, was ich bislang noch nicht erzählt habe. Ein Geheimnis. Ein schönes […]

  7. Reply
    Veränderungen - A Bullerbü Life
    11. Juni 2017 at 21:57

    […] habt ihr es schon bemerkt – A Bullerbü Life verändert sich. Als vor einigen Monaten ein Tumor bei mir diagnostiziert wurde und ich viel Zeit in Arzt-Praxen verbrachte, wurde mir bewusst, dass so vieles, was für uns […]

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