Familienplanung – ein bunter Markt der Möglichkeiten?

„43% aller Ehen wurden laut Statistik Austria 2012 in Österreich geschieden. […] Lebt ein Paar die Natürliche Empfängnisregelung, dann sind die Scheidungszahlen (laut einer aktuellen Studie) unter 3%!“

~ Hubert Weißenbach,

Ganz Mann sein – Natürliche Empfängnisregelung aus der Sicht eines Mannes

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Es ist sicher ein ungewöhnlicher Einstieg in das Thema der Familienplanung, die individuelle Wahl der Verhütungsmethode mit der Stabilität der Ehe in Verbindung zu bringen. Dennoch ist dieses Zitat – und mehr noch die Fakten, die dahinter stehen – beeindruckend und einen Gedanken wert.

Hat die Methode der Familienplanung einen Einfluss auf die Stabilität der Ehe?

Im 20. Jahrhundert wurden eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden zur Empfängnisverhütung (weiter)entwickelt und nach und nach gesellschaftsfähig. Gleichzeitig verbreitete sich eine neue Einstellung zur Sexualität, Werte und Normen wurden hinterfragt und oftmals über Bord geworfen. Diese weithin als „Befreiung“ bezeichnete Entwicklung führte zu einer ganzen Reihe weitergehender und weitreichender gesellschaftlicher Veränderungen und Verhütung wurde ein ganz selbstverständlicher Bestandteil der allermeisten Menschen in Westeuropa und Nordamerika.

Ehe und Familie verloren den Stellenwert, den sie vorher in der Gesellschaft und im Leben der meisten Menschen hatten. Seit Sexualität nicht mehr ausschließlich in der Ehe akzeptiert ist, hat sich der Umgang und das Bild von Sexualität in der Gesellschaft verändert. Sexualität ist Teil des „Lifestyles“ geworden und nicht mehr selbstverständlich mit Familiengründung und Schwangerschaft verbunden. Um diesen Lebensstil zu ermöglichen, nutzen die allermeisten Menschen in den westlichen Ländern heute Verhütungsmittel.

Die verschiedenen Verhütungsmittel und ihr Umgang mit der Fruchtbarkeit

Verhütungsmittel setzen auf unterschiedliche Art und Weise die Fruchtbarkeit – die einer ungehemmten, „befreiten“ Sexualität ja im Wege steht – außer Kraft. Hormonelle Verhütungsmittel, die am häufigsten verwendeten Verhütungsmittel überhaupt, verändern die hormonellen Kreisläufe im Körper der Frau so, dass eine Schwangerschaft verhindert wird – bspw. durch die Verhinderung des Eisprungs. Intrauterine Verhütungsmittel, wie die Kupferspirale oder die Gynefix, greifen nicht in den Hormonkreislauf ein, sondern verhindern vermutlich durch Freisetzung von Kupferionen die Einnistung einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutter (sog. Nidationshemmung). Barrieremethoden (bspw. Kondom, Diaphragma, Portiokappe) greifen noch weniger in die Abläufe der Fruchtbarkeit ein. Wirksam werden sie, indem sie einen mechanischen Schutz – eben eine Barriere – zwischen den Spermien und dem Gebärmutterhals bilden. Abgesehen von diesen drei großen Gruppen von Verhütungsmitteln gibt es u.a. noch chemische Verhütungsmittel oder die Möglichkeit der Sterilisation, also die vollkommene Aufhebung der Fruchtbarkeit durch Operation.

Das Ziel künstlicher Verhütungsmittel ist, Sexualität jederzeit verfügbar zu machen. Anwender von künstlichen Verhütungsmitteln erhoffen sich durch ihre Anwendung Unbeschwertheit und Freiheit in Bezug auf ihre Sexualität.

Wie funktioniert Natürliche Familienplanung?

Einen anderen Ansatz verfolgen die verschiedenen Methoden der natürlichen Familienplanung (NFP). Zu diesen Methoden gehören die Temperaturmethode nach Döring, die Schleimbeobachtungsmethode nach Billings und die symptothermalen Methoden nach Rötzer bzw. die Methode sensiplan®. NFP setzt die Fruchtbarkeit nicht außer Kraft, sondern ermöglicht ein Leben im Einklang mit der ihr. Paare, die NFP anwenden, lernen die fruchtbare von der unfruchtbaren Zeit im Zyklus zu unterscheiden und ihre Sexualität darauf auszurichten. Sexualität ist so zwar nicht immer verfügbar, dafür werden andere Bereiche der Beziehung zwischen Mann und Frau gestärkt– wie bspw. die Kommunikation – und die Verantwortung für Familienplanung und Fruchtbarkeit gemeinsam getragen. Und genau dieser Aspekt scheint für stabile Ehen zu sorgen.

Hier noch ein Zitat von Hubert Weißenbach zum Abschluss:

„Verhütung macht zügellos“ – sagte schon Mahatma Ghandi. Durch eine übertriebene Sexualisierung gehen viele Werte in unserer Kultur verloren. Werte wie Ehe, Familie, Vaterschaft, Mutterschaft, etc. sind nicht mehr länger ein Ziel, das viele Menschen anstreben. Sexualität kann mit Verhütung scheinbar: ohne Verantwortung, ohne Bindung gelebt werden, nach dem Motto: „Warum soll ich noch heiraten, wenn ich alles auch so haben kann?“ Dass dieser Weg nicht zielführend ist, zeigen die vielen Trennungen. Der Mensch scheint mir für eine solche Lebensweise nicht geschaffen zu sein.“

~Hubert Weißenbach, Ganz Mann sein, Natürliche Empfängnisregelung aus der Sicht eines Mannes

Wie denkt ihr über Familienplanung?

 

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