Erstgeborenen-Mama sein

Bevor ich Mutter wurde hätte ich nie gedacht, wie unterschiedlich es ist, für unterschiedliche Kinder Mutter zu sein. Ich bin ja nur ein Mensch und auch nur eine Mutter – oder? Ja und nein. Ich bin zwar nur eine Mutter, aber eben von mehreren Kindern. Und diese Kinder sind sehr unterschiedlich. Und gleichzeitig bin auch ich unterschiedlich.

Erstgeborene Geschwister Geschwisterposition Rolle Familie Eltern Kinder Älteste Erziehung Gerechtigkeit gleich behandeln

Mir fällt immer wieder auf, wie viel gelassener ich auf das reagiere, was mein kleines Kind tut. Und wie viel unentspannter ich mit dem bin, was mein großes Kind tut.

Erstgeborenen-Mama zu sein ist anders

Alles, was mein großes Kind tut, erlebe ich zum ersten Mal. Zumindest zum ersten Mal als Mutter. Natürlich habe ich viele Male  gesehen, wie Kinder laufen, essen, sprechen, klettern lernen. Aber eben nie bei meinem eigenen Kind. Bis mein erstes Kind auf die Welt kam.

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Mir fehlt die Erfahrung – die Erfahrung, die ich bei meinem kleinen Kind schon habe. Durch mein großes Kind. Susanne Mierau hat vor einiger Zeit einen wunderschönen Artikel zu genau diesem Thema geschrieben. Aber wie gehe ich damit um?

Das erstgeborene Kind in der Familie

Bei meinen eigenen Kindern ist mir deutlich geworden, dass Kinder ganz unterschiedliche Rollen in der Familie spielen. Und damit meine ich nicht, dass das eine Kind das fröhliche und das andere Kind das laute, oder das eine Kind das verträumte und ein anderes das kontaktfreudige Kind ist. Nein, mir ist aufgefallen, dass die Geschwisterposition einen großen Einfluss hat – auf so viele Dinge.

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Manchmal habe ich das Gefühl, dass die erstgeborenen Kinder es am schwersten mit uns Eltern haben. Zumindest glaube ich oft, dass mein erstgeborenes Kind es mit mir am schwersten hat. Vielleicht bin ich strenger, habe höhere Erwartungen, bin weniger geduldig und weniger gelassen?

Aber sieht mein Kind das auch so?

Ich kann es noch nicht fragen, denn für so eine komplexe Frage ist es noch zu klein. Aber ich glaube, dass mein Kind seine Rolle in unserer Familie ganz anders wahrnimmt als ich. Es ist mit dieser Rolle geboren und jede Rolle hat eben ihre Sonnen- und Schattenseiten. Und mein Kind wirkt meist ziemlich ausgeglichen und vergnügt auf mich.

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Sicherlich wird irgendwann die Zeit kommen, wo es mich ungerecht findet oder glaubt, dass die kleineren Geschwister es einfacher haben. Und höchstwahrscheinlich wird das allen unseren Kindern irgendwann so gehen. Aber dann werden auch wieder Zeiten kommen, in denen unsere Kinder die Sonnenseiten ihrer individuellen Geschwisterposition genießen werden – die jüngeren vielleicht, dass wir Eltern entspannter mit ihnen sind, und die größeren vielleicht, dass sie schon viel mehr tun dürfen als die kleineren Geschwister.

Kann man Kinder gleich behandeln?

Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Kinder sind einfach verschieden. Menschen sind verschieden. Ich glaube, es geht weniger um Gleichheit als vor allem um Gerechtigkeit. Wir sind nicht immer gerecht als Eltern und wir werden unseren Kindern nicht immer gerecht (was ähnlich, aber nicht das gleiche ist). Und manchmal werden wir auch uns selbst nicht gerecht.

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Aber wenn wir uns um Gerechtigkeit in unseren Familien bemühen, wenn wir uns an den individuellen Bedürfnissen unserer Familienmitglieder orientieren und aus unseren Fehlern zu lernen bereit sind, dann sind wir auf einem guten Weg. Und dann ist keine Rolle und keine Geschwisterposition besonders schattig oder besonders sonnig.

Wie geht ihr mit diesen Fragen um?

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6 Comment

  1. Reply
    Sonnenshyn
    9. Februar 2017 at 14:37

    Danke für den schönen Text. Du spiegelst vieles wieder, was ich in den letzten Tage denke.

    Auch ich bin der Meinung, dass es die Erstgeborenen tatsächlich schwerer haben, weil uns zunächst die Erfahrung fehlt. Wir lernen mit ihnen zusammen, trauen ihnen manchmal vielleicht zu wenig zu.
    Manchmal tut mir mein Großer richtig leid. Aber er hat mich zu der Mutter gemacht, die ich heute bin!

    Der Kleine profitiert also davon und seit das Baby da ist, bin ich auch entspannter mit dem Großen.

    Sonnige Grüße.

    1. Reply
      Ida
      9. Februar 2017 at 15:02

      Ja, genau! Mein großes Kind tut mir auch oft Leid. Aber ich glaube, dass es sich selbst eben nicht Leid tut. Also dass es das alles ganz anders wahrnimmt.
      Liebe Grüße zurück!

  2. Reply
    Lottissima
    9. Februar 2017 at 22:51

    Das ist ja witzig, ich denke es mir oft genau anders rum… ich habe 3 Kinder, die ersten beiden recht schnell hintereinander und ich denke mir oft, wie gemein, dass Nr. 1 alles als erster erlebt und bei den anderen beiden ist es dann „nur noch Abklatsch“ (doof formuliert). Radfahren, erstes Mal allein einkaufen, erster Kindergartentag, erster Schultag, erster Kindergeburtstag, Erstkommunion, ersten Satz vorlesen, erstes Fußballturnier, erstes Mal allein übernachten… klar ist das alles bei jedem Kind schön, aber beim ersten Kind ist es eben besonderer.

    1. Reply
      Ida
      9. Februar 2017 at 23:23

      So habe ich das noch nie gesehen, aber du hast schon Recht. Eine ganz andere Perspektive!

  3. Reply
    mali
    18. März 2017 at 12:45

    Noch habe ich erst ein Kind, das zweite ist unterwegs und soll im Sommer auf die Welt kommen. Es ist ein Wunschkind und wir freuen uns auf dieses zweite Kind, das uns von einem Paar mit Kind vielleicht noch mehr zu einer Fanilie machen wird. Aber ich frage mich oft, ob ich dem zweiten Kind eine so gute Mutter sein kann, wie meinem über alles geliebtem ersten Kind. Ich glaube, dass es mir mit dem ersten Kind sehr gut gelingt geduldig zu sein, ihn so zu lassen wie er ist und dabei zu begleiten. Manchmal habe ich angst, dass ich das beim zweiten Kind nicht schaffe. Dass es mich berven könnte, wenn es nachts oft wach ist und mich braucht.
    Noch denke ich, das „arme zweite Kind“ wird vielleicht weniger begeisterte und gelassene Eltern haben. Aber vielleicht wird es auch ganz anders.
    Danke auf jeden Fall für deinen Einblick.

    1. Reply
      Ida
      18. März 2017 at 21:43

      Ich kann deine Gedanken so gut nachempfinden! Mir fällt beim zweiten Kind tatsächlich irgendwie alles leichter – und gleichzeitig sehe ich, wie gut es den Kindern tut sich gegenseitig zu haben.
      Und das ermutigt mich jeden Tag neu.

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