"Ich möchte nicht in der Elternzeit verblöden!" – und warum mich das traurig macht…

Ich habe mich hier im Blog schon öfters mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinander gesetzt. Heute möchte ich mich mit einem Aspekt beschäftigen, der in diesem Themenkomplex eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt: Der abschätzigen Haltung eines großen Teils unserer Gesellschaft gegenüber der Mutterschaft und ihren Aufgaben.

Mütter werden oft abschätzig betrachtet

„Mit Müttern kann man nach ein paar Jahren gar keine richtigen Gespräche mehr führen!“ sagte mir einst eine Dozentin, die aktuell an ihrer Habilitation arbeitet. „Ich muss etwas für mich tun, ich will nicht in der Elternzeit verblöden!“ hörte ich von einer jungen Mutter, der ihre Elternzeit mehr Last und Bedrohung als Freude zu sein schien.

Diese Sätze waren schnell dahin gesagt und wahrscheinlich nicht einmal sonderlich durchdacht, aber das macht sie nicht weniger frauenfeindlich. Offenbar kann eine Frau nur dann von ihrer Intelligenz Gebrauch machen, wenn sie berufstätig ist. Wobei sich in diesem Zusammenhang bereits die Frage aufdrängt, ob denn Erzieherinnen und Krankenschwestern, Altenpflegerinen und Hauswirtschafterinnen dann auch verblöden müssten, da sich ihre Tätigkeiten mit denen einer Mutter zumindest überschneiden.

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Sind berufstätige Frauen intellektueller?

Ganz davon abgesehen ist es auch mehr als fraglich, dass berufstätige Frauen vor Intellektualität tatsächlich und per se nur so strotzen.

Mutter sein und zu Hause bei seinen Kindern zu bleiben ist eine Entscheidung, die kein vorgefertigtes Konzept erfordert – tatsächlich gestalten Frauen ihr Hausfrauen- und Muttersein höchst unterschiedlich.

Unterschiedliche Konzepte von Mutterschaft

Manch eine Mutter findet viel Gefallen an den klassischen Hausfrauentätigkeiten Kochen, Backen, Wäsche und Putzen und versorgt die Familie mit einem gesunden, vielfältigen, frischen Nahrungsangebot. In diesem Zusammenhang setzt sie sich vielleicht ganz besonders mit Fragen der Nachhaltigkeit auseinander und achtet auf verpackungsarme, regionale und saisonale Bio-Produkte und stellt vieles für ihre Familie selbst her.

Eine andere Mutter entschließt sich vielleicht zu einem ehrenamtlichen Engagement, kümmert sich um Kinder oder Senioren aus der Nachbarschaft, arbeitet in der Kirchengemeinde mit, übernimmt eine Lesepatenschaft oder organisiert Eltern-Kind-Treffen.

Wieder eine andere Mutter entdeckt ganz neue Interessen und Hobbies, wie Nähen oder Schreiben, und arbeitet an Projekten, die vielleicht sogar eine Selbständigkeit als Ziel haben. Oder sie sucht nach Weiterbildungsmöglichkeiten, um sich nach der Elternzeit beruflich neu zu orientieren.

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Bildung ist eine Entscheidung

Nicht zuletzt hat jede Frau, berufstätig oder nicht, Mutter oder kinderlos, verheiratet oder allein, die Möglichkeit sich mit Themen auseinander zu setzen, die sie interessieren. Dafür bleibt gewiss nicht immer viel Zeit, aber auch mit wenig Zeit lassen sich Interessen verfolgen – und wenn es nur 10 Minuten am Abend mit einem guten Buch vor dem Einschlafen sind.

Mütter sind nicht blöd. Und Frauen, die intelligent waren, bevor sie Mutter wurden, werden durch ihre Kinder nicht blöder. Ganz im Gegenteil.

Wie sind eure Erfahrungen?

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16 Comment

  1. Reply
    Nicole (natuerlichjesus)
    3. Dezember 2016 at 10:52

    In meinem Umfeld denken viele genau so. Als Personalerin treffe ich Mütter die mich fragen, ob sie direkt nach der Geburt den Mutterschutz wegfallen lassen und direkt wieder arbeiten kommen dürfen. Wie kann man so ein Würmchen in die Fremdbetreuung geben wollen?
    Und ich rede nun nicht von Frauen, die schnell wieder arbeiten müssen, weil sie alleinerziehend sind oder es aus finanziellen Gründen müssten.

    1. Reply
      Ida
      4. Dezember 2016 at 20:37

      Ich glaube, dass man vor der ersten Geburt noch gar nicht so richtig einschätzen kann, wie sehr sich das Leben und auch man selbst durch ein Kind verändert. Und die Prioritäten verschieben sich durch ein Kind – ganz gleich, ob man dann wieder arbeiten geht oder nicht.
      Ich finde es bloß so unglaublich schade, dass Elternschaft in unserer Gesellschaft oft so negativ gesehen wird… 🙁

      1. Reply
        Supersansa
        4. Dezember 2016 at 22:10

        Ja, da hast Du denke ich recht. Der Göttergatte hat diverse Mitarbeiterinnen, die früh nach der Geburt wieder arbeiten gehen. Früher war ihm das egal, aber mittlerweile, als Vater einer Tochter, bricht ihm fast das Herz, wenn die Kinder mit 6 Monaten 40 Stunden in der Krippe landen. Aber so richtig ansprechen kann er das auch nicht, meint er. Die Mitarbeiterinnen sollen nicht den Eindruck haben, dass sie als Mütter nicht erwünscht sind.

        1. Reply
          Ida
          5. Dezember 2016 at 10:45

          Das ist wirklich eine schwierige Situation. Und ich denke, dass Vorschriften da auch nicht weiter helfen. Aber als Blogger haben wir ja die Möglichkeit für andere Ideen zu werben. Und mehr sollte es auch nicht sein: Werbung, keine Bevormundung.

  2. Reply
    Ramona Neumann
    3. Dezember 2016 at 11:14

    Ich vermute einmal, dass Mütter, mit diesem Satz oft meinen, dass sie sich in ihrem Alltag mit einem Kind isoliert fühlen und ihnen das Gespräch mit anderen Menschen, vielleicht auch anderen Themen, als denen, die die Elternschaft betreffen, fehlen.
    Diese Mütter müssten sich zunächst einmal bewusst werden, was sie da eigentlich großartiges leisten und wie einzigartig ihr Kind ist, dann, wenn ihnen die Decke auf den Kopf fällt, die Initiative ergreifen und sich vernetzen und zu guter Letzt, sich bewusst machen, dass es nicht nur die kognitive Intelligenz, sondern auch die emotionale Intelligenz gibt.
    Ich kann für mich nur sagen, dass sich diese rasant entwickelt, wenn man sich auf die Elternschaft ganz einlässt, versucht, die Bedürfnisse seines Kindes zu verstehen, sich hineinfühlt in die Welt und Gefühlswelt dieser kleinen Wesen.
    Für mich war und ist dieser Reife- und Erfahrungsprozess das Kostbarste und auch Lehrreichste, was es in diesem Leben zu erfahren gibt.
    Ich behaupte nicht, dass man diesen Prozess nur als Eltern erlebt, aber ich glaube, eine Elternschaft intensiviert und beschleunigt das emotionale Lernen, welches ich für zwischenmenschliche Beziehungen als unabdingbar befinde.

    1. Reply
      Ida
      4. Dezember 2016 at 20:41

      Liebe Ramona,

      du sprichst mir aus der Seele!
      Und ich finde, dass die kognitive Intelligenz durch die Elternschaft auch nicht unbedingt das Nachsehen haben muss. Zwar finden zwischen Eltern und kleinen Kindern natürlich noch keine Gespräche statt wie zwischen Erwachsenen und auch ich kenne das Gefühl, endlich mal wieder ein Erwachsenen-Gespräch führen zu wollen. Aber ich stelle auch fest, dass ich durch meine Kinder zur Reflexion vieler Fragen angeregt werde. Dass ich viele Dinge durchdenke, die ich vorher nicht durchdacht habe.

      Ganz liebe Grüße
      Ida

  3. Reply
    Supersansa
    4. Dezember 2016 at 22:17

    Ich merke schon, dass ich einige Fähigkeiten momentan abbaue. Die, sehr schnell auf Herausforderungen zu reagieren, die ich im Beruf brauche, z. B. Oder die, sehr schlagfertig zu sein (brauche ich auch beruflich). Die, eine große Anzahl Menschen im Blick zu haben. Die, ein sehr straffes Zeitmanagement durchzuziehen. Ich muss nicht große Mengen Informationen schnellstens erfassen und dann auf mein Publikum umlegen.
    Ich merke, wie ich entschleunige, wie ich mich sehr intensiv auf meine Tochter einlassen kann, wie ich ihre Bedürfnisse sehr gut spüren kann und in einer guten, engen Beziehung zu ihr stehe. Ich merke, wie ich langsamer werde, weil genug Zeit da ist. Ich merke, wie ich nicht mehr mit großen Gruppen MEnschen zu tun habe(n muss), sondern (m)ein kleines Mädchen im Mittelpunkt steht.

    Das finde ich jetzt nicht so toll und rechne schon mit einem Praxisschock, wenn ich nach dem 3. Lebensjahr meiner Tochter wieder in den Beruf einsteige.
    Andererseits fange ich an, eine Krabbelgruppe zu leiten. Ganz was Neues für mich. Ich beobachte wesentlich genauer. Vielleicht auch ganz brauchbar in meinem Beruf.

    Deshalb möchte ich diese Angst, „zu verblöden“, nicht abtun. Ich bin da ganz ehrlich – ich habe skills verloren. Ich habe andere skills gewonnen, die ich vielleicht in meinem Beruf nicht unbedingt brauchen kann. Use it or lose it, so ist das wohl, egal, wo man ist, egal, was man macht.

    Wer die große Karriere anstrebt, kann sich vielleicht diesen gelassenen Umgang mit den eigenen Ressourcen nicht leisten; aber für mich ist das irrelevant. Ich habe ein sehr gewünschtes Kind bekommen, ein Wunder. Soll ich rumweinen, weil ich nicht mehr 400 Seiten Fachliteratur in kürzester Zeit weglesen kann?

    1. Reply
      Supersansa
      4. Dezember 2016 at 22:20

      Das ist sicherlich ein Thema. Die Gespräche mit den Müttern bleiben doch sehr an der Oberfläche, ich weiß nicht, wie ich das ändern kann. Proftieren würden wir wahrscheinlich alle davon, aber so bleiben wir wirklich im banalsten Alltagskram stecken.

      1. Reply
        Ida
        5. Dezember 2016 at 10:50

        Ich kenne beides – oberflächliche Mama-Gespräche und tiefsinnige. Die oberflächlichen Gespräche gehören für mich dazu, aber ausreichen würden sie mir auch nicht.

    2. Reply
      Ida
      5. Dezember 2016 at 21:38

      Wobei verlernen, Neues (und vor allem anderes) lernen und dann Verlerntes wieder neu lernen ja trotzdem nicht gleich „verblöden“ sein muss. Finde ich zumindest. Verblöden ist mir einfach viel zu negativ…

      1. Reply
        Supersansa
        6. Dezember 2016 at 01:56

        Ja, da gehe ich ganz d’accord. Der Ausdruck „verblöden“ wertet nicht berufstätige Mütter von (Kleinst)kindern und deren Betreuungsleistung einfach nur ab.

        1. Reply
          Ida
          6. Dezember 2016 at 08:15

          Genau!

  4. Reply
    Ruth Metzger
    7. Dezember 2016 at 08:03

    Ich habe mich in den über 20 Jahren, die ich wegen meiner 7 Kinder zu Hause geblieben bin, mit Management- und Zeitplanungsmethoden beschäftigt, mit Theologie, mit Ernährungswissenschaft, mit Medizin, habe Gedichte geschrieben, meine Kinder durch die Schule begleitet, ein paar Jahre ehrenamtlich an der Schule mitgearbeitet, Hunderte von Büchern gelesen …. und viele dieser Dinge kamen mir zugute, als ich wieder beruflich eingestiegen bin in eine Arbeit, in der ich heute geistig behinderte Menschen betreue und fördere. Ich wüsste echt keinen Grund, warum man zu Hause verblöden sollte, es sei denn, man setzt sich in jeder freien Minute vor den Fernseher.

    1. Reply
      Ida
      7. Dezember 2016 at 22:10

      Danke für deinen Erfahrungsbericht! Ich sehe das ganz genauso wie du. Ich denke nur, dass es vielen Müttern leider an Selbstbewusstsein fehlt…

    2. Reply
      Supersansa
      7. Dezember 2016 at 22:12

      Sieben Kinder…Chapeau. Klasse.

      1. Reply
        Ida
        7. Dezember 2016 at 22:14

        Ja, das finde ich auch toll!

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