Ein neues Leben beginnt oder Übung macht den Meister – ein Gastartikel im Dezember von Kathrin von nestling.org

A Bullerbü Life ist in Blogpause – deswegen übernehmen im Moment andere Blogger mit einer Gastartikelserie unsere Publikationstätigkeit. Im Dezember lesen wir einen Artikel von Kathrin, die den Blog nestling.org betreibt.

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Ich erinnere mich noch gut daran wie ich während meiner Ausbildung zur Kunstglaserin meinen damaligen Meister für seine Fingerfertigkeit bewunderte. Während er mit einer für mich beneidenswerten Leichtigkeit und Schnelligkeit winzige Glasstücke zu einem bunten Kirchenfenster zusammenfügte, fragte ich mich wie ich das je hinbekommen soll. Wenige Jahre später schauten mir junge Auszubildende mit ähnlichem Erstaunen über die Schulter, nur dass ich diejenige war, die mühelos und flink Kirchenfenster erstellte.

Was das mit dem Eltern werden und Kinder kriegen zu tun hat? Nun, mein ganzes Leben bestand aus vielen neuen Lebenssituationen und Lernprozessen. Die Ausbildung, mein Studium im Ausland, der Beginn meiner Selbstständigkeit – um bei beruflichen Beispielen zu bleiben. Ich war es gewohnt mich in ungewohnte Umstände einzufinden und mich neu zu orientieren. Das verlieh mir Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten und Selbstbewusstsein – Eigenschaften, die ich in meinem neuen Leben als Mutter gut gebrauchen konnte.

Doch als ich dann unser erstes Kind – unser Mädchen – zum allerersten Mal im Arm hielt, fragte ich mich, wie ich DAS wohl hinbekommen soll. Uns wurde so ein winziges, fragiles Wesen geschenkt – es wurde uns anvertraut, obwohl wir keinen blassen Schimmer vom Umgang mit Babys hatten und noch nicht einmal eine Ausbildung dafür in Aussicht. Ich lag in der Klinik und dachte wie verrückt das eigentlich ist, also dass wir von nun an die Verantwortung für dieses Mädchen tragen. Dass sein Wachsen und Gedeihen, sein Wohlergehen, sein ganzes Leben in unseren Händen liegt.

Ähnlich wie zu Beginn meiner Kunstglaser-Ausbildung stellte ich mich meiner Aufgabe, obwohl ich mich total unfähig fühlte. Ich konnte unserem Mädchen ja noch nicht einmal eine Windel anlegen und bat in der Klinik alleine dafür mehrfach um Hilfe. Doch trotz meiner Unsicherheit und der Ängste etwas falsch zu machen, versuchte ich mein bestes zu geben. Und ähnlich wie bei meiner Ausbildung wuchs und lernte ich – allerdings in dieser Phase mit und durch unsere Tochter.

Und unser Mädchen ist ein wahrer Lehrmeister. Sie zeigte mir, dass meine Vorstellung von einem Leben mit einem Baby nichts mit der Realität zu tun hatte. Dass sie beispielsweise viel lieber in meiner Nähe kuscheln und getragen werden wollte, statt alleine im Kinderbett/ -wagen herum zu liegen. Dass mir gutgemeinte Ratschläge anderer nur bedingt weiter helfen, weil jedes Eltern-Kind-Gespann einzigartig ist und ich meinen eigenen (Erziehungs-)Weg finden muss. Und sie zeigte mir, dass „der wertvollste Schmuck, den eine Mutter um den Hals tragen kann, die Arme ihres Kindes sind“ (unbekannt).

Das neue Leben mit unserem Mädchen war aufregend und wunderbar, aber auch laut und anstrengend. Sie brachte mich zum Lachen und zum Weinen. An meine körperlichen und emotionalen Grenzen. Manchmal auch an den Rand des Wahnsinns. Doch ich liebte es Mutter zu sein und zwar vom ersten Tag an. Und ich gewöhnte mich so schnell an die neue Normalität, die schlaflosen Nächte und das gefühlte Dauerchaos, dass ich mir ein Leben ohne Kind nicht mehr vorstellen konnte.

Gerade als ich in einer, ich nenne es mal Komfortzone als Mutter angekommen war, riss die Geburt des zweiten Babys mich aus dieser heraus. Plötzlich war ich Mutter von zwei Kindern und obwohl ich es ahnte, dass es nicht ganz so einfach wie mit einem sein würde, stand meine Welt plötzlich Kopf. Denn wieder begann ein völlig neues Leben. Für Thomas, für mich, für das Mädchen – für uns alle.

Mutter von zwei Kindern zu sein ist doppelt so aufregend und wunderbar, aber auch doppelt so laut und anstrengend. Es gab Momente, in denen ich verzweifelt weinte, weil ich das Gefühl hatte niemandem gerecht werden zu können. Dann wieder Lichtblicke, weil das Mädchen ihren Bruder innig herzte. Situationen, in denen beide Kinder schrien und ich mir helfende Hände wünschte. Unbezahlbare Augenblicke, in denen ich in jedem Arm einen eingekuschelten, kleinen Körper spürte.

Liebe Ida, lieber Gunnar,

ich kann mich verdammt gut in Eure Situation – in euer gerade beginnendes, neues Leben einfühlen, denn unser zweiter Nestling wird in wenigen Tagen ein Jahr.

Auf Euch wartet eine ganz besonders kuschelige Zeit, denn was gibt es Schöneres als sein Bett mit einem warmen, duftenden neugeborenen Baby zu teilen? Aber Euch steht auch die eine oder andere Achterbahn der Gefühle bevor und es wird euch an manchen Tagen den Boden unter den Füßen wegreißen… Doch ich bin sicher, dass ihr bereits einige Hürden gemeinsam bewältigt habt und auch die auf euch wartenden meistern werdet.

Deswegen wünsche ich euch an dieser Stelle von ganzem Herzen einen entspannten Start in dieses neue Leben zu viert. Ich wünsche euch Gelassenheit für die stürmischen Zeiten sowie genug Ruhe, die schönen Momente zu genießen.

Alles Liebe
Kathrin

P.S.: Für ganz graue Tage noch ein aufmunternder und Mut machender Text von mir: „Warum ich gerne Mutter von zwei Kindern bin“

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