Das Sakrament der Versöhnung – Gedanken einer Mutter

Letztens ging ich während der Sonntagsmesse mit einem unserer Kinder in den Beichtraum unserer Kirche. Warum? Nun, nicht um zu beichten – es war ja gerade Messe. Junge Eltern dürfen während der Messe den Beichtraum in unserer Kirche als Rückzugsort nutzen – zum Stillen, Wickeln, Beruhigen. Ich ging also mit meinem Kind in diesen kleinen Raum und blieb dort eine ganze Weile. Bis mein Kind eingeschlafen war.

Und irgendwie empfand ich dort Frieden.

Und ich dachte, dass ich mit euch ein paar Gedanken teilen könnte zur Beichte – oder auch Sakrament der Versöhnung genannt. Gerade die Beichte ist eines der Sakramente, mit dem viele Katholiken und ganz besonders Nicht-Katholiken auf Kriegsfuß stehen.

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Die Beichte wird oft als etwas Demütigendes missverstanden. Dabei ist sie eigentlich das Gegenteil, denn sie bringt Versöhnung. Versöhnung mit Gott, aber eben auch mit sich selbst. Und genau dieser innere Frieden, den wahrscheinlich jeder einmal empfunden hat, der bei einem sensiblen und verständnisvollen Beichtvater gebeichtet hat – genau diesen Frieden strahlt unser Beichtraum aus.

Warum überhaupt beichten?

Nicht alle Christen kennen die Beichte – abgesehen von ein paar Splittergruppen gibt es nur bei Katholiken und Orthodoxen die Beichte. Und die damit verbundene Versöhnung. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass von Menschen, die mit dem Sakrament der Versöhnung auf Kriegsfuß stehen, oft die Rolle des Priesters in der Beichte missverstanden wird.

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„Warum sollte ich einem Priester von meinen Fehlern und Schwächen erzählen, was geht denn ihn das an?“ bin ich schon öfters gefragt worden. Und wenn das so wäre, dann würde ich das vermutlich genauso sehen. In der Beichte geht es allerdings nicht um den Priester. Der Priester ist nur der Mittler. Gott hat uns durch Jesus die Vergebung unserer Fehler und Schwächen zugesagt als Jesus folgendes zu den Aposteln sagte:

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

~ Johannes 20, 21-23

Durch das Sakrament der Versöhnung zeigt Gott uns, dass er uns vergibt. Wenn wir bereuen.

Ist es nicht demütigend zu beichten? Muss man sich da nicht ständig etwas aus den Fingern saugen?

Das ist eine andere häufig gestellte Frage. Und viele unserer Großeltern und vielleicht sogar noch unsere Eltern werden das genauso empfunden haben. Aber das ist nicht der Sinn der Beichte. In der Beichte geht es nicht darum sich einreden zu lassen, was für ein schlechter Mensch man ist. Es geht nicht um die Bestrafung der Sünden, es geht um die Vergebung.

Wir sind als Christen dazu aufgerufen selbstkritisch zu sein, denn das ist das Gegenteil von Hochmut. Selbstkritik heißt allerdings nicht Selbstzerfleischung. Wir machen alle Fehler, wir alle haben Schwächen. Das ist nicht unbedingt das Problem. Wie wir damit umgehen ist entscheidend. Gott sagt uns, was gut ist und wir bemühen uns gut zu sein. Und wir sind nicht immer gut.

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Darunter leiden andere, aber auch wir selbst. Aber wir können daraus lernen, wir können um Vergebung bitten, wir können uns weiter entwickeln. Auch dazu sind wir als Christen berufen. Und genau dabei hilft uns die Beichte. Die Beichte ist keine Bürde, die Gott uns auferlegt hat. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Die Beichte ist ein Geschenk.

Alle Christen wissen, dass Gott vergebend ist. Aber durch die Beichte ist das ganz praktisch erfahrbar. Vor der Beichte erforschen wir unser Gewissen, wir stellen fest, wo wir uns schlecht verhalten haben. Das nehmen wir mit ins Gebet bevor wir zum Priester in die Beichte gehen. Wir bekennen vor dem Priester unsere Sünden, danach spricht er mit uns über das, was wir ihm erzählt haben und spricht uns schließlich die Vergebung zu. Und das ist das Entscheidende: Nicht der Priester vergibt uns, er spricht uns die Vergebung zu. Gott vergibt uns selbst.

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Die Beichte erfolgt in vier Schritten: Besinnen, bereuen, bekennen, bessern. Eine regelmäßige Beichte soll nicht dazu führen, dass wir uns als schlechte Menschen empfinden, sondern dass wir mit Gottes Hilfe an uns selbst arbeiten. Voller Mut, Zuversicht und Vertrauen – weil Gott für uns da ist. Weil er aktiv Anteil hat an unserem Leben. Weil er zu uns spricht und uns nicht alleine lässt. Und weil er uns den Beistand unseres Priesters, unserer Gemeinde, unserer Familien und Freunde gibt.

Frieden kommt nur durch Versöhnung – das wissen wir als Eltern am allerbesten.

Wenn unsere Kinder sich streiten oder wir einen Konflikt in der Familie oder mit Freunden haben, dann kehrt erst nach einer Versöhnung Frieden ein. Das gleiche gilt für den inneren Frieden – innerer Friede tritt dann ein, wenn ich mit mir selbst und mit Gott versöhnt bin. Wenn Gott mir vergeben hat und wenn ich mir selbst vergeben habe (und Gott vergibt viel schneller als wir uns selbst…).

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Und genau diesen Frieden strahlt unser Beichtraum aus. Warum ich euch das erzähle? Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass das Sakrament der Versöhnung gerade uns als Eltern hilft. Ich habe oft ein schlechtes Gewissen. Weil ich ungeduldig mit meinen Kindern war, weil ich im Haushalt weniger geschafft habe, als ich mir vorgenommen hatte, weil ich schon wieder etwas wichtiges vergessen habe, weil ich sensibler/zugewandter/geduldiger/entspannter/etc. mit meinen Kindern hätte sein können. Weil ich meinen eigenen Ansprüchen oft nicht genüge.

Das geht vielen Eltern so. Und genau da setzt die Beichte an – sie zeigt uns, dass Gott uns all das vergibt. Mehr noch, dass er uns hilft uns zu bessern. Vor allem aber, dass er uns hilft uns mit uns selbst zu versöhnen.

Wie denkst du über die Beichte? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

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