Darf man trotz Tumor fröhlich sein?

Vor zwei Tagen habe ich euch zum ersten Mal von meinem Tumor erzählt – und es gab ein überwältigendes Echo! So viel Zuspruch und Unterstützung hatte ich gar nicht erwartet. Kommentare, Nachrichten über die sozialen Netzwerke und E-Mails – wow! Und Danke.

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Und gleichzeitig ist mir etwas aufgefallen: Ich werde nicht in allen Details über meine Krankheit schreiben. Aber eine Sache muss ich klarstellen, denn an diesem Punkt bin ich von einigen missverstanden worden. Mein Tumor ist bisher

kein Krebs!

Ein Tumor ist natürlich immer eine ernsthafte Erkrankung, ganz gleich ob er gut- oder bösartig ist und gutartige Tumore können leider entarten und zu Krebs werden – und trotzdem ist das eine unglaublich gute Nachricht. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist mein Tumor kein Krebs!

Und an alle, die Angst um mein Leben geäußert haben: Im Moment ist mein Leben nicht in Gefahr. Und ich bin medizinisch in guten Händen!

Und was soll das jetzt mit dem fröhlich sein?

Diese Frage beschäftigt mich, denn mir ist vorgeworfen worden, ich nähme meine Krankheit nicht ernst genug. Ich sei zu entspannt. Ich solle mich mehr um meine Gesundheit sorgen. Sorgen. Also „Sorgen machen“.

Und ganz davon abgesehen, dass ich dieses Urteil höchst übergriffig und bevormundend finde, stellt sich mir aus genau diesem Grund die Frage

Darf man trotz Tumor fröhlich sein?

Niemand, der einen Tumor oder eine andere fiese Erkrankung hat, ist immer fröhlich. Es gibt diese Momente, in denen einen das Bewusstsein um die eigene Krankheit – und Sterblichkeit! – fast erdrückt. Es gibt diese Momente. Diese finsteren, fiesen Momente.

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Aber von einem Kranken einzufordern, dass das das Grundlebensgefühl zu sein habe, ist falsch. Es ist falsch – ich schreibe ganz bewusst „ist“ und nicht „ich finde es falsch“. Wie viel Raum und Macht ich meiner Krankheit gebe, liegt zu einem gewissen und nur ziemlich kleinen Teil bei mir. Ich habe wenig Einfluss darauf wie viele Arzt-Termine ich jede Woche habe, welche und wie viele Untersuchungen gemacht werden müssen, ob diese Untersuchungen unangenehm sind und ob die Ärzte nett oder ganz furchtbar sind. Und ich habe auch nur wenig Einfluss darauf, wie es mir mit diesem ganzen Zirkus geht.

Aber ich habe Einfluss darauf, wie sehr ich davon meinen Alltag bestimmen lasse!

Ich habe Einfluss darauf, wie viel Macht über meinen Alltag ich dem Tumor gebe – solange es mir so gut geht, wie im Moment. Ich habe Einfluss darauf, ob der Tumor zum Zentrum meines Lebens wird oder ob es da noch etwas anderes gibt. Ich habe Einfluss darauf, wie ich meinen Alltag – und den meiner Kinder! – gestalte!

Nur weil ich fröhlich bin, nur weil ich den Ärzten, die mich betreuen, vertraue, heißt das noch lange nicht, dass ich meine Krankheit nicht ernst nehme. Ich kann als Mutter meine Krankheit gar nicht nicht ernst nehmen!

Aber ich lasse mir von meiner Krankheit mein Leben nicht zerstören – so lange ich darauf Einfluss habe

Ich bin fröhlich – und ich habe so viel Grund fröhlich zu sein! Ich habe viel Rückhalt und Unterstützung, tolle, gesunde Kinder, einen großartigen Ehemann. Trotz Tumor geht es mir gut. Alles, was medizinisch möglich ist, wird für mich getan. Und das einfach nur, weil ich das Glück habe in diesem Land geboren worden zu sein. Glück. Weiter nichts.

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Meine Heilungschancen sehen gut aus – auch wenn der Weg dahin steinig, anstrengend und schmerzhaft wird. Und sichtbare Spuren hinterlassen wird. Warum soll ich da nicht fröhlich sein?

Und es gibt noch einen Grund

Wenn der Tumor doch Spirenzchen machen sollte, wenn er mich doch in die Knie zwingen sollte – dann möchte ich, dass meine Kinder mich genau so in Erinnerung behalten: Fröhlich. Hoffnungsvoll. Vertrauensvoll. Zuversichtlich. Das soll das Bild sein, dass sie von mir in Erinnerung behalten.

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Sie sollen von mir lernen, dass es steinige Wege im Leben gibt. Aber dass man auf diesen Wegen auch lachen kann. Und wenn es unter Tränen ist.

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2 Comment

  1. Reply
    Ingrid Jansen
    6. April 2017 at 13:39

    Hallo, ich liebe deinen Blog und deine Einstellungen zum Leben! Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und eine hoffentlich baldige Genesung! „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen!“ Herzliche Grüße von der Ostsee Ingrid

    1. Reply
      Ida
      6. April 2017 at 22:04

      Danke für deine ermutigenden Worte, liebe Ingrid!!
      Ich gebe mein bestes, bald wieder gesund zu werden. 🙂

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