Wie ich das Chaos zu lieben lernte – vom Leben mit kleinen Kindern

In der Küche neben der Spüle türmen sich unabgewaschene Töpfe, oben im Schlafzimmer liegt gewaschene Wäsche mehr oder weniger ordentlich auf mehreren Stapeln verteilt, die sich einfach nicht von selbst in den Schrank räumen wollen, im ganzen Haus sind Bücher, Spielsachen und Kinderkleidung verteilt und der Frühstückstisch ist auch noch nicht abgeräumt.

Läuft doch eigentlich ganz gut!

Wie bitte? OK, ich muss wohl etwas weiter ausholen. Denn es hat auch eine Weile gedauert bis ich das Chaos, das mit kleinen Kindern in die Familie einzieht, annehmen konnte. Und auch heute fällt es mir oft noch schwer. Aber ich habe gelernt, dass letztlich vieles eine Frage der Perspektive ist.

Neben der Spüle türmen sich die unabgewaschenen Töpfe – nicht so schön. Andererseits zeigt das, dass wir eben jeden Tag frisch kochen. Schon besser, oder? Wäschestapel im Schlafzimmer – nicht besonders ästhetisch. Aber es ist immerhin gewaschene Wäsche und offensichtlich ist immerhin immer so viel frische Wäsche vorhanden, dass jedes Familienmitglied jeden Tag frisch und sauber angezogen durch den Tag gehen kann. Selbst wenn es sich mal umziehen müssen sollte. Oder auch öfters.

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Das Leben mit kleinen Kindern ist ereignisreich. Und auch arbeitsreich.

Und deswegen bleibt eben immer etwas liegen. An manchen Tagen mehr, an anderen weniger. Mit der Zeit gelingt es den meisten Eltern immer besser Prioritäten zu setzen und herauszufinden was wirklich wesentlich ist. Was wirklich zählt.

Natürlich ist es frustrierend den ganzen Tag durchs Haus zu wirbeln und aufzuräumen, Windeln zu wechseln, Wäsche zu waschen und aufzuhängen, zu kochen, Geschirr zu spülen, Staub zu saugen und im Garten Unkraut aus den Beeten zu rupfen nur um am Abend (oder auch schon früher) festzustellen, dass man rein gar nichts davon sehen kann.

Kennt ihr solche Momente?

Letztens war ich sehr zufrieden mit mir. Unser Haus war richtig ordentlich und schön. Abgesehen vielleicht von einigen Kartons, die immer noch hier herum stehen. Ich setzte mich für eine Sekunde auf unser Sofa und als ich einen Augenblick später wieder aufstand und unseren Flur betrat, traf mich fast der Schlag. Ja, eine Sekunde kann ausreichen…

Denn meine Kinder saßen da und spielten. Mit einer Zeitung. Bzw. dem, was sie davon übrig gelassen hatten. Und mit unseren Schuhen. Mit allen Schuhen, die sonst zumindest einigermaßen ordentlich an unserer Haustür stehen. Der Flur, der eben noch vor Sauberkeit und Ordnung nur so strotzte, war übersäht mit Schuhen und Zeitungsschnipseln und die Kinder waren mit Feuereifer dabei genau diese Schnipsel in noch kleinere Schnipsel zu zerreißen.

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Und dann?

Zum Eltern-Sein braucht man Humor. Viel Humor am besten. Ich bin in die Küche gegangen und habe mir etwas zu trinken geholt. Und dann bin ich zurück ins Wohnzimmer auf unser Sofa gegangen und habe gelesen. Während die Kinder weiter gespielt haben.

Wir hatten alle eine gute Zeit. Und das ist der springende Punkt: Woran wollen wir uns am Ende unseres Lebens erinnern? An unsere perfekt aufgeräumten Häuser oder Wohnungen? Oder daran, wie wir mit unseren Kindern gelacht haben, wie wir sie beim Spielen beobachtet haben, wie wir uns aneinander gefreut haben? Trotz Chaos. Trotz Zeitungsschnipseln, verstreuten Schuhen und ganz viel Unordnung.

Wie seht ihr das?

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