Mein Brief an mich – ein Beitrag zur Blogparade von Jana vom “hebammenblog”

Unser Blogparaden-Sommer geht weiter! Diesmal nehmen wir an der Blogparade von Jana vom “hebammenblog” teil und schreiben uns einen Brief in die Vergangenheit – und zwar in die Zeit, als wir unser erstes Kind erwarteten. Wir hoffen, dass dieser Brief auch andere Eltern, die kurz vor der Geburt eines Kindes stehen oder ihr Kind schon in den Armen halten, ermutigen und bestärken können.

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Hallo Ich!

Wie ich höre stehst du gerade kurz vor der Geburt deines ersten Kindes und ich möchte dir dafür nicht nur alles erdenklich Gute und Gottes Segen wünschen, sondern dir auch ein paar Grüße und Ermutigungen aus der Zukunft senden.

Ich werde dir keine Ratschläge erteilen, denn Ratschläge sind auch Schläge

Keine Angst, ich werde dir nicht schreiben, wie du mit deinem Kind umgehen sollst oder wie du eine gute Mutter wirst. Nein, ich möchte dir etwas ganz anders sagen: Du wirst das gut machen. Vertrau dir selbst, du bist die Mutter deines Kindes, du bist der Mensch, der diesem Kind am allernächsten steht – und deshalb weißt du auch am allerbesten was richtig und was falsch ist. Ich vertraue dir jedenfalls – und da ich aus der Zukunft komme, kannst du mir auch vertrauen.

Du wirst in den nächsten Monaten viele “gute” Ratschläge hören, das wird sehr anstrengend sein. Aber halte dir eine Tatsache immer vor Augen: Selbst wenn all diese “guten” Ratschläge von Müttern kommen, die in ihrem Leben immer alles – und zwar wirklich ausnahmslos alles – richtig gemacht haben und natürlich auch alles über den richtigen Umgang mit Kindern wissen, da man ja nun einmal über jeden Zweifel erhaben ist, wenn man vor 100 Jahren ein oder zwei Kinder groß gezogen hat, sind sie trotzdem nicht die Mutter deines Kindes. Das bist nur du. Und niemand liebt dieses Kind so sehr wie du. Und deshalb triffst du die Entscheidungen.

Halte dich an die Menschen, die dir Mut machen!

Ich möchte dir noch etwas mit auf den Weg geben: Interessanterweise werden die allermeisten dieser “guten” Ratschläge dir das Gefühl geben alles falsch zu machen. Abgesehen davon, dass das nicht der Fall ist, möchte ich dich deswegen darum bitten, dass du dich an die Menschen in deinem Umfeld hältst, die dir Mut machen – und nicht an die, die dich entmutigen. Gute Ratschläge – und damit meine ich wirklich gute Ratschläge – machen nämlich Mut. Und solche Ratschläge wirst du auch bekommen. Mit dem Unterschied, dass du vorher um sie gebeten hast.

Nicht nur nach der Geburt sondern eigentlich immer im Leben ist es ganz wichtig, dass man sich an die Menschen hält, die einem Mut machen.

Ein Kind zu haben ist schön – und anstrengend

Und hab keine Angst vor den anstrengenden Momenten! Ein Kind zu haben ist wirklich die schönste und gleichzeitig anstrengendste Aufgabe, die Gott dir stellen kann. Du wirst an deine Grenzen kommen. Und du wirst Momente erleben, die so schön sind, dass du nicht einmal zu träumen gewagt hättest, dass du so etwas überhaupt erleben darfst. Und soll ich dir etwas ganz ehrlich sagen? Nein, du wirst keine perfekte Mutter sein. Es wird diese furchtbaren Momente geben, in denen du so verzweifelt bist und dich so überfordert fühlen wirst, dass du ganz anders reagieren wirst, als du eigentlich für richtig hältst.

Keine Angst, es wird nichts wirklich Schlimmes passieren. Aber eben doch einiges, was besser hätte sein können. Aber daraus wirst du etwas lernen und zwar etwas, das ganz wundervoll und unglaublich berührend ist. Du wirst lernen, dass dir dein Kind deine Unzulänglichkeiten viel schneller vergeben wird als du sie dir selbst vergibst. Dein Kind wird nicht von dir verlangen, dass du perfekt bist – es liebt dich einfach so wie du bist. Hast du jetzt Tränen in den Augen? Das wird dir noch öfter so gehen. Und ich bitte dich einfach, dass du von deinem Kind lernst. Wenn du dich blöd verhalten hast und dein Kind dir vergeben hat, dann vergib dir auch selbst. Genau das wünscht sich dein Kind. Und umgekehrt ist es doch nicht anders: Du würdest deinem Kind alles vergeben und hoffen, dass es sich auch selbst vergibt. Sei also nicht zu kleinlich mit dir selbst. Du darfst nicht nur zu anderen großzügig sein, sondern auch zu dir selbst.

Sei großzügig und ermutige andere – und dich selbst!

Eine einzige Bitte habe ich noch an dich. Du wirst in den nächsten Monaten Menschen begegnen, die dir ganz furchtbar auf die Nerven gehen, weil sie ständig alles besser wissen; weil sie dir ständig drein reden wollen; weil sie dich ständig mit ihren Weisheiten entmutigen. Und du wirst Menschen begegnen, die genau das Gegenteil tun, weil sie dich ernst nehmen; weil sie dich annehmen; weil sie dir Mut machen. Bitte lerne aus diesen Erfahrungen zwei Dinge: Erstens die Großzügigkeit, die dein Kind dich lehren wird, auch auf die Besserwisser zu übertragen und ihnen ihre “guten” Ratschläge zu vergeben. Und zweitens: Lerne von denen, die dir Mut machen, auch andere zu ermutigen.

Und jetzt wünsche ich dir das Beste!

Liebe Grüße

dein Ich aus der Zukunft

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0 Comment

  1. […] Annas „Mein Brief an mich„-Beitrag geht es vor allem darum, sich nicht von all den gutgemeinten Ratschlägen entmutigen […]

  2. Reply
    Susanna
    14. August 2015 at 08:50

    Liebes Abullerbülife-Team,
    dieser Artikel hat mich überwältigt. Ich könnte alles was hier geschrieben steht unterschreiben. Dieser Artikel ist so einfühlsam und wahr, dass mir die Tränen in den Augen stehen, Danke………..1000Dank

    1. Reply
      abullerbuelife
      23. August 2015 at 21:16

      Wir freuen uns sehr, dass unser Artikel unsere Leser so berühren kann! Genau das war unser Ziel.

  3. […] von denen inspirieren, die dir Mut zusprechen und lass die links liegen, die dir nicht gut tun. (Anna von A Bullerbü […]

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