Blogger für Flüchtlinge – oder das Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr

Inspiriert von Waldsteinchen haben wir uns entschlossen einen Blogtext den Flüchtlingen zu widmen, die sich in der Gegenwart auf den Weg zu uns nach Europa machen und hier so argwöhnisch beäugt werden.

BFF_1508_ButtonSW2-300x300

Als allererstes wollen wir mit all jenen, die sich so ablehnend über Flüchtlinge äußern, einen Gedanken teilen:

Niemand verlässt ohne Grund seine Heimat, seine Familie, Freunde und Kultur, um sich auf eine hunderte und tausende Kilometer weite Reise ins Ungewisse zu machen. Für so eine Reise gibt es Gründe. Schwerwiegende Gründe. Immer.

Die Menschen, die zu uns kommen aus Syrien, Nordafrika oder anderen Teilen der Welt, haben aber nicht nur eine lange und beschwerliche Reise hinter sich, sie mussten in dieser viele belastende, zum Teil schreckliche Dinge erleben. Familien wurden auseinander gerissen, Menschen, die sich lieben, mussten sich trennen. Von den Gefahren der „Reise“, von der Bedrohung durch Hunger und Gewalt haben wir in diesem Zusammenhang noch gar nicht gesprochen.

In Westeuropa und Nordamerika haben wir das Glück in materiellem Wohlstand und in Sicherheit zu leben. Wir haben das Glück, dass wir Situationen nie erlebt haben, in denen wir nicht wussten, was unsere Kinder am nächsten Tag essen sollen oder ob wir die Nacht überleben. Wir haben das Glück, dass unsere Kinder gute Zukunftsaussichten und Bildungschancen haben, dass ihnen die Welt offen steht, dass sie jeden Tag satt werden und nicht frieren müssen. Unsere Kinder leben in Frieden und Wohlstand – und dafür können wir sehr dankbar sein.

Es scheint allerdings, dass wir diesen Segen nur für uns allein haben wollen und nicht bereit sind zu teilen. Von unseren Kindern erwarten wir, dass sie bereitwillig ihr Sandspielzeug auf dem Spielplatz mit fremden Kindern teilen. Wir selbst sind allerdings nicht bereit unseren Wohlstand zu teilen. In diesem Moment wird uns immer wieder deutlich, was Jesus gemeint hat als er sagte:

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

~ Markus 10,25

Wir sollten uns fragen, wie verhältnismäßig es wirklich ist, sich darüber zu beschweren, dass die Turnhalle der Schule unserer Kinder einige Wochen lang gesperrt ist, weil Flüchtlinge darin untergebracht werden – wenn wir uns bewusst machen, welch eine Geschichte diese Menschen haben. Und wir sollten uns fragen, ob wir uns wirklich darüber wundern, dass Flüchtlinge miteinander ihre Muttersprache sprechen, obwohl sie doch in Deutschland sind – wenn wir im Auslandsurlaub oft gar nicht bereit sind wenigstens ein Paar Brocken der Landessprache zu erlernen. Wir sollten uns fragen, ob wir wirklich davon sprechen sollten, dass „die Flüchtlinge ja alles bekommen und wir nichts“ – wenn Flüchtlinge in 10-Bett-Zimmern und erst mit geklärtem Aufenthaltsstatus in Wohnungen untergebracht werden, wenn Flüchtlinge gar keinen Sprachkurs machen können, weil es einfach zu wenig Plätze gibt, wenn Flüchtlinge den ganzen Tag ja nur „herumhängen“, wenn sie gar keine Arbeitserlaubnis haben.

“ Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott.“

~ Levitikus 19,33-34

Wer mehr über die Aktion Blogger für Flüchtlinge erfahren möchte, kann sich hier informieren.

 

You Might Also Like

Hier geht's weiter
Das kam davor

Schreibe einen Kommentar

*

%d Bloggern gefällt das: