Bin ich eigentlich ein Problem für den Feminismus?

„Geld für’s Nichtstun“ titelte vor wenigen Tagen eine große Zeitung. Und zeigte eine junge Mutter mit Kind auf dem Arm. In dem Artikel ging es um das bedingungslose Grundeinkommen – und nein, ich habe ihn nicht gelesen. Weil ich diese große, überregionale Zeitung aus Prinzip nicht lese.

Aber das Bild in Verbindung mit dieser Überschrift löste eine ganze Gedankenflut bei mir aus. Warum wurde dieses Bild gewählt? Warum nicht zum Beispiel Urlauber am Strand? Oder irgendetwas anderes in der Art?

Ein gesundes Frauenbild

Dann erinnerte ich mich an den Kommentar einer Leserin, die mir unterstellte, meinen Kindern kein „gesundes Frauenbild“ zu vermitteln, da ich Hausfrau bin und nicht arbeiten gehe. Offenbar gibt es nämlich genau ein gesundes Frauenbild, das ebenjene Leserin kennt. Und ich aber nicht. Oder dem ich zumindest nicht entspreche.

Hausfrau Feminismus selbstbestimmt Frau Mutter Mama zu Hause bleiben Elternzeit nicht berufstätig

Und dann kam mir zu Ohren, dass ältere Damen in einem kirchlichen Gremium mokierten, junge Frauen, die eben nicht in Vollzeit berufstätig sind, würden die Errungenschaften des Feminismus zunichte machen. Was habe man nicht für die Frau im Berufsleben gekämpft. Und jetzt das.

Das ist also Feminismus

Offenbar geht es weniger darum, dass Menschen selbstbestimmt darüber entscheiden können wie ihr Leben aussehen soll. Offenbar geht es vielmehr darum, dass sie einem bestimmten Bild entsprechen. Erwartungen erfüllen. Früher war das eben das „Heimchen am Herd“ und heute ist es die berufstätige Frau.

Hausfrau Feminismus selbstbestimmt Frau Mutter Mama zu Hause bleiben Elternzeit nicht berufstätig

Und jetzt komme ich und mache alles kaputt. Indem ich mit den Kindern zu Hause bleibe, wasche, koche, bügle, putze, backe, stricke, nähe, gärtnere und weiß der Himmel was noch tue. Wobei – Moment! Diese große überregionale Zeitung meinte doch, das wäre Nichtstun?

Eine Schublade mit der nächsten ersetzen

Irgendwie ist das ja kein besonders eleganter Schachzug. Das Problem mit Freiheit ist, dass Menschen eben ganz andere Wege einschlagen können, als man selbst für sie wählen würde. Und manche Frauen bleiben eben gern zu Hause – auch wenn manch einer vielleicht ganz andere Erwartungen an sie hat.

Hausfrau Feminismus selbstbestimmt Frau Mutter Mama zu Hause bleiben Elternzeit nicht berufstätig

Aber das Kindererziehung als Nichtstun deklassiert wird – und zwar nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen! – das finde ich offen gestanden ein bisschen witzig. Auch traurig und richtig doof. Aber eben auch witzig. Weil total realitätsfremd.

Wer entscheidet eigentlich was wichtig ist?

Das ist bestimmt auch so eine Frage, die ich nicht verstehe, da ich ja offensichtlich nicht für ein gesundes Frauenbild stehe. Aber ich persönlich finde Kindererziehung ziemlich wichtig. Eine Generation zu prägen, für ihr gesundes Aufwachsen zu sorgen, Dinge neu zu denken und neu zu lernen, als Mensch reifen und der Gesellschaft das geben, auf das sie einfach nicht verzichten kann: Zukunft.

Wie seht ihr das?

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19 Comment

  1. Reply
    Mother Birth
    7. Februar 2017 at 21:16

    Liebe Ida,

    für mich bedeutet Feminismus nicht, dass ich nicht Hausfrau sein darf, sondern vielmehr, dass ich selbst bestimmen kann, welchen Weg ich einschlagen möchte. Somit ist es für mich kein Ausschluss Feministin UND Hausfrau zu sein! Ich kann und darf beides sein! Eins schließt das andere nicht aus. Ein solcher Ausschluss würde mich als Frau begrenzen. Andere Menschen würden mich in meinem Frauenbild begrenzen, was konträr zu meiner Auffassung von Feminismus steht!

    Rona Duwe (vom feministischen Blog Phönix-Frauen) beschreibt es für mich ganz treffend in einem Interview mit Frida von 2kindchaos:
    „Naja, ich habe ein Problem mit dem Wort „Feminismus“, auch wenn ich wohl inzwischen eine Feministin bin. Ich mag die „ismen“ nicht und fühle mich unfrei, wenn ich mich so benenne. Da Feminismus als Begriff schon so abgegriffen ist und sofort – ähnlich wie Beziehungsgewalt – schräge Bilder im Kopf entstehen lässt, sage ich eher, dass ich mich für ein selbstbestimmtes Leben von Frauen einsetze. Das ist für mich auch das eigentliche Wesen von Feminismus. Und das bedeutet für mich, dass jede Frau sich selbst für ihre Form zu leben entscheiden können sollte. Insbesondere im Zusammenhang mit Mutterschaft entstehen da ja gern Glaubenskriege zwischen Frauen. Das finde ich nicht förderlich.
    Wenn eine Frau gern zu Hause bleibt mit den Kindern finde ich das genauso in Ordnung wie wenn eine Frau ihr Kind schon früh in die Krippe gibt und wieder arbeiten geht. …“

    Liebe Grüße
    Mother Birth

    1. Reply
      Ida
      7. Februar 2017 at 21:35

      Ja, genau! Ich habe versucht in diese Richtung zu argumentieren. 🙂
      Liebe Grüße
      Ida

  2. Reply
    Jennifer Hartmann
    8. Februar 2017 at 06:16

    Jetzt verstehe ich auch, warum wir Tagesmütter so wenig Geld bekommen. Wir arbeiten ja nicht. Sind nur daheim mit den Kindern. Ähhh ja.
    Danke für den tollen Artikel!

    1. Reply
      Ida
      8. Februar 2017 at 09:37

      Ich glaube, das ist auch der Grund warum Erzieher so wenig und Lehrer deutlich mehr verdienen. 🙁

  3. Reply
    Sarah Keshtkaran
    8. Februar 2017 at 23:41

    Toller Artikel!!

    1. Reply
      Ida
      9. Februar 2017 at 07:55

      Danke!

  4. Reply
    Kathrin
    9. Februar 2017 at 12:04

    Ich sehe es wie Du. Kinder sind unsere Zukunft! Diese aufwachsen zu lassen ist das Wichtigste für die Gesellschaft! Auch wenn ich, wie heißt es so schön: vollzeitnah in Teilzeit beschäftigt bin und beide Kinder tagsüber in „Fremdbetreuung“ sind, sehe ich gerade die Erziehung der Kinder als Arbeit! Arbeit, die in unserem Fall mein Mann und ich, die Großeltern und natürlich die lieben Erzieherinnen der Kita leisten! Dafür sollen diese entsprechend bezahlt werden. Die Großeltern anerkannt werden und mein Mann und ich uns bewusst sein, dass dies auch ein Teil unserer Arbeit ist! Auch der Arbeitgeber meines Mannes muss seinen Anteil an Familienarbeit als wichtig ansehen, auch dort muss Vereinbarkeit gelebt werden (Kind krank als Normalität und nicht als Ausnahme, keine Überstunden ohne Ende als Fleißmerkmal sondern gute Einteilung der Arbeitszeit als Qualitätsmerkmal usw…). Denn wie ist es denn so oft: Feminismus als Deckmantel, dass alles alleine auf den Frauen lastet, wenn ich arbeiten gehe und dann noch die gesamte Familoenarbeit (Hausarbeit und Erziehung) alleine leiste, dann ist das in meinen Augen Ausbeutung und kein Feminismus! Da ist es deutlich feministischer offen zu sagen: Okay Du lieber Mann schaffst das Geld ran und ich kümmere mich um den Rest! Das ist meine Arbeit, die ist genau so wichtig, wie Deine Lohnarbeiter! Ich denke, das war auch Gedanke des Feminismus: Anerkennung der Familienarbeit! In diese die Männer mit einzubeziehen, wenn die Frauen arbeiten bzw. anzuerkennen, wenn diese ausschließlich die Frau leistet! Die Wahlfreiheit der Frau! Alles Gute weiterhin!

    1. Reply
      Ida
      9. Februar 2017 at 12:59

      Danke für deine Worte – ich bin so froh zu sehen, dass viele meine Meinung teilen! Ich hatte mit ganz anderen Reaktionen gerechnet, aber bisher gab es tatsächlich nur Zustimmung.

    2. Reply
      Lottissima
      9. Februar 2017 at 22:40

      Ganz toll ausgedrückt und formuliert, besonders der „Deckmantel des Feminismus“ hat mir gefallen!

      1. Reply
        Ida
        9. Februar 2017 at 23:18

        Ja, das habe ich auch gedacht!

  5. Reply
    Kathrin
    10. Februar 2017 at 11:23

    Mich ärgert vor allem, diese Unterstellung, dass es selbstverständlich ist, dass sich Frau um alles im Haushalt und mit den Kindern zu kümmern hat. Dazu aber noch arbeiten zu gehen hat, denn schließlich sind wir ja selbstbewusste Frauen! Der Mann hingegen solle nur seine Arbeit gut und erfolgreich machen und ist um so toller, je länger er täglich verfügbar ist, egal, ob das tatsächlich Erfolg bringt, oder nicht. Nein, dafür haben die Frauen nicht gekämpft. Es geht um Gleichberechtigung! Wenn ich einen wichtigen Termin am Vormittag auf Arbeit habe und ein Kond ist über Nacht krank geworden und mein Mann hat am Vormittag vor allem Bürozeit, dann geht er ganz selbstverständlich mit dem Kind zum Arzt und kümmert sich am Nachmittag bis abends um Papier- das ist gut, dass wir uns das so einrichten können. Aber für seinen Chef war das erst einmal eine Lernkurve, dieser ist jetzt selbst Papa und versteht es! Genau so, läuft es umgekehrt, ist er am Vormittag unabkömmlich, dann kümmere ich mich. Wichtig ist doch, dass alles getan wird! So genau mit der Haus- und Familienarbeit! Jeder macht sie entsprechend seiner Stärken und ja meist hole ich die Kinder und bringe sie, dafür arbeite ich ja nicht Vollzeit. Doch mein Mann schätzt das und ist froh darüber, er würde das nie als „Nichtstun“ bezeichnen. Einen Tag die Woche macht er es, da arbeite ich lange. So wird es aber auch von den Meisten in unserem Freundeskreis gelebt. Je mehr die Frauen berufstätig sind, desto mehr muss der Mann mit anpacken. Ist die Frau gerade mehr zu Hause (Elternzeit etc.) wird ihre Familienarbeit geschätzt! Da hört man die Männer schon mal untereinander sagen, wie erleichtert sie sind, dass die Frauen sich da gerade mehr kümmern können und sie „bloß arbeiten“ gehen brauchen! Alle Last auf einen in einer Beziehung ist nie fair!

    1. Reply
      Ida
      10. Februar 2017 at 21:11

      Ich glaube, dass die Arbeit, die eine nicht-berufstätige Mutter (oder auch Vater) zu Hause macht, einfach nicht besonders angesehen ist. Und das ist ein Problem finde ich – denn warum ist Büro-Arbeit wertvoller als den Haushalt zu schmeißen? Warum ist die Arbeit, die ein Beruf mit sich bringt, wertvoller als die Arbeit in der Familie? Das will mir nicht in den Kopf…

  6. Reply
    Berufung Mami
    12. Februar 2017 at 18:51

    Liebe Ida, ich liebe die Zeit mit meinem Sohn. Seit ich aus dem Hamsterrad ausgestiegen bin, bin ich ein anderer Mensch. Dafür unter anderem bin ich meinem Sohn sehr dankbar. Er zeigt mir, was wichtig im Leben ist. Und das ist nicht, schnellstmöglich wieder ins Hamsterrad zu springen. Die Feministinnen ihrerseits wollen uns alle im Job sehen. Die Politiker auch, klar, zwei Lohnsteuern einzukassieren ist besser als eine. 😉 dass wir aber einen Job machen, und das unentgeltlich, 24/7, ohne Pausen, meist im Stehen etc. pp, daran denkt keiner. Meine Meinung? Es ist dringend notwendig, dass sich in der Gesellschaft etwas verändert. Wir brauchen mehr Liebe in der Welt. Und wie kann das klappen? Indem wir unseren Kindern all unsere Liebe schenken. Es vorleben. Ständig. Nicht nur nach Feierabend und Krippenende, wenn alle gereizt und müde sind vom Tag. Du erledigst einen der wertvollsten Jobs, die es überhaupt gibt. Wenn Du das weißt, ist es egal, was die Leute reden. <3 deine Jenniffer

    1. Reply
      Ida
      12. Februar 2017 at 23:00

      Danke für deine ermutigenden Worte! Mir ist mittlerweile tatsächlich egal, was „die Leute“ reden. Und ich versuche mit meinem Blog Eltern zu bestärken und zu ermutigen, damit auch sie sich unabhängig machen von den Erwartungen der Gesellschaft.
      Liebe Grüße
      Ida

  7. Reply
    Magda
    27. Februar 2017 at 14:26

    Leider komme ich erst heute zum kommentieren.
    Im Prinzip stimme allen anderen Kommentatoren zu, finde es völlig legitim, sich den Beruf der Hausfrau auszusuchen.
    Andererseits aber finde ich es auch etwas gefährlich, sich auf diesen vermeintlich leichten Weg zurückzuziehen und so Arbeitgeber gar nicht erst in die Verlegenheit zu bringen, flexibel sein zu müssen und mehr Rücksicht auf Eltern zu nehmen. Wenn es von Arbeitnehmern keinen Druck aus dieser Richtung gibt, kann/wird sich auch nichts ändern was die (familienunfreundliche) Arbeitswelt angeht.
    Versteh mich bitte nicht falsch, ich will niemanden das Recht sich frei zu entscheiden absprechen.
    Aber evt. haben die älteren Damen aus deiner Gemeinde auch diesen Punkt im Hinterkopf.

    1. Reply
      Ida
      28. Februar 2017 at 21:24

      Ich verstehe deinen Gedanken und ich denke auch, dass du damit Recht hast. Allerdings glaube ich nicht, dass die älteren Damen meiner Gemeinde sich um die Familienfreundlichkeit Sorgen gemacht haben. Ihre Argumente gingen ein bisschen in eine andere Richtung.

      Und andererseits glaube ich aber, dass auch Väter, deren Frauen Hausfrauen sind, für Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz kämpfen können – sie sind ja immerhin trotzdem Eltern. Auch wenn ihre Frauen zu Hause sind. 😉 (Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt, falls der Mann zu Hause bleibt).

      Aber der Punkt „familienfreundliche Arbeitsplätze“ ist auf jeden Fall sehr wichtig, da stimme ich dir zu!

  8. Reply
    Sylvia
    20. März 2017 at 17:16

    Ich habe heute erst hierher gefunden, ich sag nur montagspost 😜 und finde es toll, dass du die Möglichkeit hast zuhause zu bleiben. Ich kann das leider nicht, muss vollzeit arbeiten, weil Alleinverdiener, dafür gehört die Zeit von Freitag 16:00 Uhr bis Montag morgen exklusiv den Kids. Ich habe mir diese Situation aber nicht freiwillig ausgesucht, es ist eben so gekommen, dafür freue ich mich umso mehr, wenn ich sehe, dass es Menschen gibt, die die Wahl haben!

    1. Reply
      Ida
      20. März 2017 at 19:41

      Liebe Sylvia,

      danke für deinen Kommentar! Ich finde es so schön, wenn wir uns gegenseitig füreinander freuen können. Auch wenn wir ganz unterschiedlich sind und ganz unterschiedlich leben und manchmal nicht die Möglichkeiten haben, die andere haben.

      Manchmal ist es gar nicht so leicht, sich in diesen Situationen für andere zu freuen – das kenne ich von mir selbst. Deswegen freut es mich umso mehr!

      Ganz liebe Grüße
      Ida

  9. Reply
    Isabel Falconer
    2. April 2017 at 23:05

    Ich finde nicht, dass Du ein Problem für den Feminismus bist. Eher ist der Feminismus ein Problem für den Feminismus 😉 Schau mal, ich habe dazu in einem Blogartikel geschrieben:
    http://magna-mater.de/warum-als-mutter-arbeiten
    Bist auch drin verlinkt!
    Lieben Gruß,
    Isabel

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