Attachment Parenting wenn eben nicht alles super ist

Mein Mann und ich haben sehr viel Glück. Wir sind miteinander verheiratet, wir haben großartige, gesunde Kinder und wir teilen die gleichen Werte. In so einem Zusammenhang ist Attachment Parenting eigentlich gar nicht so schwierig. Eine Herausforderung, klar, aber das ist Elternschaft eben. Aber was ist eigentlich, wenn nicht alles so einfach ist? Was ist, wenn das Leben mit Kind viel mehr Herausforderungen birgt?

Ist Attachment Parenting dann trotzdem möglich?

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem engen Freund, der mit mir darüber sprach wie denn Attachment Parenting funktionieren könne, wenn stillen, tragen, Familienbett nicht so einfach möglich sind. Zum Beispiel weil ein Kind (oder auch ein Elternteil) chronisch krank ist oder eine Behinderung hat, wenn ein Kind zu früh geboren wurde, wenn ein Kind als Adoptiv- oder Pflegekind in die Familie aufgenommen wird.

Attachment Parenting stillen tragen Familienbett

Viele Eltern sind in so einer Situation erst einmal ratlos, denn das, was wir oft als elementar für Attachment Parenting ansehen – stillen, tragen, Familienbett eben – ist dann oft  gar nicht so einfach möglich.

Aber Attachment Parenting ist eben nicht stillen, tragen, Familienbett

Stillen, tragen, Familienbett gehören zu den sogenannten „7 B’s“ des Attachment Parenting – wie unter anderem die Vermeidung von Schlaftrainings oder dem Bonding unmittelbar nach der Geburt. (Hier findet ihr mehr dazu) Die Methode der 7 B’s sollen den Bindungsaufbau zwischen Eltern und Kind erleichtern und stabilisieren und sie sind dafür auch sehr wirkungsvoll.

Attachment Parenting stillen tragen Familienbett

Allerdings lösen sie keinen Automatismus aus, denn nicht jedes Kind, das gestillt und getragen wird, ist automatisch sicher an seine Eltern gebunden. Und davon ganz abgesehen sind die 7 B’s in erster Linie Empfehlungen für das erste Lebensjahr – Attachment Parenting dagegen ist eine Haltung, mit der wir unsere Kinder bis zum Ende unseres Lebens begleiten.

Attachment Parenting ist eine Haltung, keine Rezeptesammlung

Und diese Haltung ist auch dann möglich, wenn wir unser Kind nicht stillen können, nicht tragen können, wenn wir nicht im gleichen Bett schlafen können, wenn kein Bonding unmittelbar nach der Geburt möglich ist. Die 7 B’s erleichtern uns den Bindungsaufbau zu unserem Kind und ohne sie ist dieser Prozess schwieriger. Aber nicht unmöglich.

Attachment Parenting stillen tragen Familienbett

Eine sichere Bindung zwischen Eltern und Kindern baut sich dann auf, wenn Eltern feinfühlig mit ihren Kindern umgehen, ihre Bedürfnisse erkennen und auf diese eingehen. So gut es eben geht. Ein Kind mit einer Behinderung oder chronischen Krankheit hat andere Bedürfnisse als ein gesundes Kind. Ein Kind, das zu früh geboren wurde, braucht eine andere Art von Zuwendung als ein Kind, das reif geboren werden konnte. Und vielleicht dauert der Bindungsaufbau länger.

Aber Attachment Parenting ist in jeder Familiensituation möglich

Und Attachment Parenting sieht in jeder Familiensituation anders aus. Wir müssen nicht perfekt sein, um unsere Kinder bindungsorientiert aufwachsen zu lassen. Und unsere Kinder müssen es auch nicht. Und auch ein steiniger Weg führt zum Ziel.

Wie funktioniert Attachment Parenting in euren Familien?

 

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7 Comment

  1. Reply
    Kathrin
    6. Dezember 2016 at 00:38

    Da hast du wirklich wahnsinnig Recht und ich mag den Artikel sehr. Denn, ja, es ist eine Haltung und genau deswegen muss man sich auch nicht sofort als Versager fühlen, wenn eine Komponente sich nicht so mir nichts dir nichts in das Familienleben einfügen lässt, weil es eben nicht passt. Eine Bindung zum Kind lässt sich auf so viele Wege aufbauen, dass es wichtig ist, Elternschaft eben nicht an bestimmten Eckpfeilern fest zu machen, sondern immer wieder das eigene „Mindset“ (ich finde das Wort so toll, ich glaube Ruth von unerzogen leben hat es geprägt) zu kontrollieren und zu justieren. Und dann, das sehe ich genau wie du, ist es in jeder Familie möglich und begleitet uns unser ganzes Leben lang <3 😊

    1. Reply
      Ida
      6. Dezember 2016 at 22:16

      Mir war es mit diesem Artikel einfach ganz wichtig Eltern zu zeigen, dass Attachment Parenting viel mehr ist als die Klassiker (stillen, tragen, etc.) und das Attachment Parenting eben auch gelingen kann, wenn der Start ins gemeinsame Leben oder auch das gemeinsame Leben insgesamt steiniger ist als in vielen anderen Familien.
      Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass viele Eltern in solchen Familiensituationen verunsichert sind und das Gefühl haben, dass Attachment Parenting nur in einem „perfekten“ Setting funktionieren kann.
      Und das ist eben – glücklicherweise – nicht so!

  2. Reply
    Supersansa
    7. Dezember 2016 at 22:18

    Kann man das Ganze nicht ohne das Label „Attachment Parenting“ ungefähr so zusammenfassen?
    – die Kinder wohlwollend begleiten, engen Kontakt zu ihnen haben und ihre Bedürfnisse im Blick haben

    Ich meine, die Basis ist doch, wie gut man das Kind kennt und was man ihm, basierend auf diesem Kennen, für einen Raum in der Welt baut.
    Jegliche Dogmatik verbietet sich doch bei lauter einzelnen, unverwechselbaren Individuen…und dogmatisches Attachment Parenting ist doch genauso widersinnig wie „Die Deutsche Mutter und ihr erstes Kind“, die ebenso Eine-Lösung-für-Alle anbietet (wenngleich eine viel schlechtere).

    1. Reply
      Ida
      8. Dezember 2016 at 16:21

      Oh, ich gebe dir auf jeden Fall Recht: An sich sind Labels wie „Attachment Parenting“ überflüssig. AP ist schließlich keine Betriebsanleitung. Und trotzdem finde ich es wichtig meinen Text unter genau diesem Label stehen zu lassen: Um Eltern auf der Suche Mut zu machen. Eltern, die sich mit AP auseinander setzen und denen diese Haltung wichtig ist. Die aber aufgrund ihrer Familiensituation nicht „den klassischen AP-Weg“ gehen können.
      Verstehst du was ich meine?
      Ich habe nämlich letztens genauso eine Anfrage bekommen und weil ich mir dachte, dass es doch ganz bestimmt noch mehr suchende Eltern da draußen gibt, die diese Fragen beschäftigen, habe ich diesen Text für sie geschrieben.

      1. Reply
        Supersansa
        15. Dezember 2016 at 20:32

        Entschuldige, ich hoffe, das kam nicht als Kritik rüber, sondern als eine Art Diskussionsgrundlage!

        1. Reply
          Ida
          15. Dezember 2016 at 21:28

          Ja, na klar! Ich hoffe, meine Antwort kam nicht eingeschnappt an – das war sie nämlich nicht!

  3. […] A Bullerbü life: Attachment Parenting wenn eben nicht alles super ist […]

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